Lottoscheine liegen übereinander.

Rekordumsätze in der Pandemie Wohin fließen die Lotto-Millionen?

Stand: 13.05.2021 02:59 Uhr

Lotto im Lockdown - im Corona-Jahr haben so viele Menschen getippt wie nie zuvor. Die 16 staatlichen Lottogesellschaften setzten knapp acht Milliarden Euro um. 145 Millionengewinne wurde ausgezahlt. Und wohin fließt der Rest?

Von Anke Heinhaus, HR

Nie wurde mehr getippt als im Corona-Jahr 2020: Lotto spielen, das ist für viele offenbar ein Weg sich abzulenken und an bessere Zeiten zu denken. Besonders eifrig waren die Spieler und Spielerinnen in Hessen. Mit einem Jahresumsatz von 735 Millionen Euro hat die dortige Lottogesellschaft das mit Abstand beste Ergebnis seit ihrer Gründung 1949 eingefahren. Doch was passiert eigentlich mit den Millionen, die nicht ausgezahlt werden?

Insgesamt wurden 2020 deutschlandweit 7,9 Milliarden Euro mit Lotto umgesetzt und dabei 145 Millionengewinne erzielt. Die 16 staatlich genehmigten Lottogesellschaften sind Unternehmen der jeweiligen Bundesländer. Die Verteilung der Einnahmen ist gesetzlich geregelt. Ein Großteil, nämlich 3,1 Milliarden Euro, floss demnach logischerweise den Landeshaushalten zu.

Kiosk in Niederdorfelden | Anke Heinhaus / HR

Tippen und (hoffentlich) was gewinnen: Der Kiosk in Niederdorfelden ist auch eine Lotto-Annahmestelle. Bild: Anke Heinhaus / HR

Im kleinen Laden von Ehepaar Krentz in Niederdorfelden bei Frankfurt am Main werden kurz vor der Samstags-Ziehung noch schnell die letzten Kreuzchen gesetzt. Klaus Büttner spielt seit 32 Jahren. Gewonnen hat er nur ein einziges Mal: mit drei Richtigen waren das gerade mal 17 Euro. Etwas mehr Glück hatten Arnim und Marianne: Sie haben schon 3000 beziehungsweise 5000 Euro gewonnen. Überglücklich ist Kelly: Sie hat gerade ihren Schein eingelöst und 3000 Euro bei 6 aus 49 gewonnen. "Mein Sohn ist gerade 18 geworden. Davon kaufe ich ihm ein Auto", freut sie sich.

Um die Gewinne der Lotto-Spieler zu finanzieren, verwenden die 16 Lottogesellschaften etwa die Hälfte der Einnahmen aus den Spieleinsätzen. Das bedeutet: Je höher die Spieleinätze sind, desto höher sind die Gewinne.

52 Millionen für die Annahmestellen

Auch die Betreiber der Annahmestellen profitieren von hohen Einsätzen. Sie erhalten rund sieben Prozent des Jahresumsatzes; in Hessen waren das zuletzt 51 Millionen Euro, die sich auf 2100 Lottostellen verteilen.

Für Ladeninhaberin Bianca Krentz aus Niederdorfelden ist das eine wichtige Einnahmequelle im Corona-Jahr: "Es ist spürbar mehr geworden beim Lotto, und das ist unser großes Glück, weil die anderen Sachen in unserem Lädchen nur schleppend liefen."

Bianca Krentz in ihrem Kiosk in Niederdorfelden. | Anke Heinhaus / HR

Für Bianca Krentz sind die Lottospieler gern gesehene Kunden. Bild: Anke Heinhaus / HR

Tippen als ein Stück Normalität

Dass die Menschen mehr Lotto spielten, weil sie angesichts von Kurzarbeit und Furcht um ihren Job auf einen Glücksspielgewinn hofften, glaubt Hessen-Lotto-Sprecherin Dorothee Hoffmann nicht. Sie sieht den Zuwachs vielmehr darin begründet, dass die Menschen sich nach einem Stück Normalität gesehnt hätten. Genau dazu gehöre das Lotto-Spielen. Zudem sei das Tippen gut möglich gewesen, denn selbst während der Lockdowns seien nie mehr als fünf Prozent der rund 2100 Verkaufsstellen geschlossen gewesen.

Zur Freude von Lotto Hessen, das ebenfalls mit sieben Prozent am Kuchen beteiligt ist - bei der aktuellen Summe sind das immerhin 52 Millionen Euro. Damit werden das Marketing, der Vertrieb und die Gehälter der rund 180 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen finanziert.

Einen Einnahmerekord bedeutet das Ergebnis auch für das Land, das gleich zweifach profitiert: 16,6 Prozent also 123 Millionen Euro fließen als Steuern in den Landeshaushalt.

Gewinnchance von 1:140.000.000

Weitere 151 Millionen Euro, oder gesetzlich festgelegte 20 Prozent der Einnahmen, führte die Lottogesellschaft an das Land ab - zur Förderung von Sport, Kultur, Denkmalpflege und soziale Projekte, wie etwa einer digitalen Lese-Lern-App.

Auch wenn die Gewinnchance auf den millionenschweren Jackpot gerade mal bei 1:140.000.000 liegt, lässt sich mit dem Spieleinsatz an manchen Stellen auch Gutes bewirken.

Über dieses Thema berichtete der HR in der Sendung MEX am 12. Mai 2021 um 20:15 Uhr.

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KOMMENTARE

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91541matthias 13.05.2021 • 14:25 Uhr

Unser früherer Lottostellenchef..

bezeichnete die Einsätze als Zusatzsteuer.. Und wer was gewinnt braucht sich nicht lange freuen..es gibt immer Anlässe, Geld auszugeben.. Von einem 3000 Euro-Fünfer wurde ein neues Auto anfinanziert..