Eine medizinische Fachangestellte setzt bei einem Probedurchlauf die Kanüle zur Impfung an. | dpa

Corona-Impfung STIKO-Empfehlung für elf Prozent der Jugendlichen

Stand: 11.06.2021 15:10 Uhr

Sie STIKO empfiehlt eine Corona-Impfung für Kinder nur bei Vorerkrankungen. Laut einer neuen Studie betrifft das etwa elf Prozent der 12 bis 17-Jährigen. Das Gesundheitsministerium wirbt dennoch weiter für die Impfung aller Kinder.

Rund eine halbe Million Jugendliche sollten sich wegen besonderer Risiken gegen das Coronavirus impfen lassen. Das geht aus Berechnungen des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung hervor. Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt eine Impfung bei 12- bis 17-Jährigen nur bei besonderen Vorerkrankungen. Die Liste umfasst zwölf Krankheiten, darunter Adipositas, Diabetes, Herzfehler, chronische Lungenerkrankungen und Trisomie 21.

Eine Auswertung des Zentralinstituts zeigt, dass etwa elf Prozent aller Jugendlichen in Deutschland in der fraglichen Altersgruppe mindestens eines dieser Risikomerkmale aufweisen. "Bei gesetzlich Versicherten ergeben sich bundesweit etwa 402.000 Impflinge", teilte das Institut mit. "Unter Berücksichtigung der Privatversicherten sind bundesweit etwa 452.000 potenzielle Impflinge betroffen." Knapp die Hälfte davon leidet unter Asthma.

Änderung der Empfehlung möglich

Die STIKO behält sich allerdings vor, ihre Empfehlung vom Donnerstag zur Corona-Impfung für Jugendliche jederzeit anzupassen. "STIKO-Empfehlungen sind ja nicht in Stein geschlagen", sagte Gremium-Mitglied Fred Zepp, ehemaliger Direktor des Zentrums für Kinder- und Jugendmedizin der Universitätsmedizin Mainz. "Wenn wir in ein oder zwei Monaten erweiterte Erkenntnis haben, dann haben wir immer noch großen Spielraum bis zum Schulbeginn, darüber erneut zu beraten und das eventuell anzupassen."

Man habe nicht vor, jetzt in die Sommerpause zu gehen, sagte Zepp. Die STIKO werde weiter regelmäßig konferieren. Sobald sich Veränderungen an der Infektionslage ergeben, zum Beispiel durch das Auftauchen von neuen Varianten, "dann wird nachreguliert". Dass Empfehlungen sich ändern können, sei "ein Qualitätsmerkmal", sagte Zepp. Auch der Vorsitzende Thomas Mertens nahm das Gremium gegen Vorwürfe in Schutz. "Viele Menschen haben eine ganz falsche Vorstellung von der Arbeit der STIKO", sagte der Virologe. "Wir diskutieren keine Meinungen, sondern wir diskutieren Daten."

Die STIKO hatte am Donnerstag keine generelle Impfempfehlung für Kinder und Jugendliche ab 12 Jahren ausgesprochen.

Gesundheitsministerium für Impfung von Kindern

Ungeachtet der zurückhaltenden Linie der STIKO befürwortet das Bundesgesundheitsministerium weiterhin auch die Impfung von älteren Kindern und Jugendlichen gegen das Coronavirus. "Wir begrüßen es schon, wenn Kinder in die Impfkampagne mit einbezogen werden", sagte ein Ministeriumssprecher. Grundlage dafür sei die Zulassung des Impfstoffs von BioNTech/Pfizer ab zwölf Jahren durch die Europäische Arzneimittelbehörde EMA.

Auch Kanzleramtschef Helge Braun (CDU) sagte dazu den Sendern RTL und n-tv: "Es gibt einen zugelassenen Impfstoff, der ist sicher." Deshalb sollten "Kinder und Jugendliche individuell mit ihren Eltern und ihrem Impfarzt entscheiden, ob sie sich jetzt schon impfen lassen wollen." Wichtig sei, weder auf die Kinder und Jugendlichen noch auf die Eltern einen Druck auszuüben, "weder in die eine noch in die andere Richtung", hob Braun aber weiter hervor. Eine freie Entscheidung sei der richtige Weg. 

Generell sagte er zur Impfkampagne: "Das Ziel, im Sommer jedem ein Impfangebot machen zu können, werden wir einhalten können." Im Herbst werde dann die Bevölkerung "hoffentlich zu hohen Teilen geimpft sein". Braun geht angesichts der aktuellen Verbesserungen der Pandemie-Lage nicht mehr davon aus, dass es in Deutschland noch einmal einen neuen harten Lockdown geben wird. Die Gefahr einer vierten Corona-Welle wollte der Kanzleramtschef allerdings gleichwohl nicht ausschließen. Er verwies auf die zunehmende Ausbreitung der Delta-Variante des Coronavirus. Dies gelte derzeit besonders für Großbritannien, wo sich die Zahl der Neuinfektionen innerhalb von elf Tagen wieder verdoppelt habe.

Kanzleramt hofft auf Impfquote von 80 Prozent

Im Herbst könnten daher auch in Deutschland die Infektionszahlen durchaus wieder ansteigen, warnte Braun. "Ob das wieder eine richtige Welle wird, hängt echt davon ab, wie viele Menschen sich in Deutschland impfen lassen", sagte der Kanzleramtschef weiter. "Wenn wir eine Impfquote von 80 Prozent schaffen, glaube ich nicht, dass es noch einmal eine relevante Welle gibt." Nach Angaben des Robert Koch-Instituts vom Morgen wurden bis einschließlich Donnerstag 47,5 Prozent der Bevölkerung mindestens einmal gegen das Coronavirus geimpft, vollständig geimpft wurden 24,8 Prozent.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 11. Juni 2021 um 06:50 Uhr.