Joshua Kimmich im Trikot des FC Bayern München. | REUTERS

Ethikratsvorsitzende Buyx Kimmich ist "Falschinformation aufgesessen"

Stand: 25.10.2021 16:11 Uhr

Ethikrat und Bundesregierung hoffen, dass sich Nationalspieler Kimmich nun doch impfen lässt. Er habe eine Vorbildfunktion und sei einer "Falschinformation" aufgesessen, so Ethikratsvorsitzende Buyx. Als Sportler habe er zudem ein hohes Risiko.

Die Vorsitzende des Deutschen Ethikrates, Alena Buyx, hofft, dass sich Joshua Kimmich doch noch für eine Corona-Impfung entscheidet. Der deutsche Fußball-Nationalspieler des FC Bayern München, der seine bisherige Ablehnung mit fehlenden Langzeitstudien begründete, sei "einer Falschinformation aufgesessen. Er ist ganz schlecht beraten", sagte Buyx dem Sender Sky.

Es sei zwar Kimmichs persönliche Entscheidung, aber der 26-Jährige sei ein Vorbild, dem Millionen Menschen zuhören würden. "Es kommt jetzt darauf an, gut aufzuklären, dass es diese Form von Langzeitwirkungen nicht gibt. Dass die Leute jetzt nicht denken, weil er Sorge hat, muss ich auch Sorge haben", sagte Buyx. Es wäre wünschenswert, wenn sich Kimmich noch mal beraten lasse und "sich dann auch zur Impfung entscheidet". Kimmich habe nach wie vor ein wahnsinnig hohes Risiko, sich mit der Deltavariante anzustecken, und "es gibt Profisportler, die monatelang gebraucht haben, um wieder fit zu werden", sagte Buyx.

Bundesregierung hofft auf ein Umdenken

Auch die Bundesregierung hofft darauf, dass sich Bayern-Profi Joshua Kimmich doch noch impfen lässt. Alle Fragen seien natürlich berechtigt, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert. Zu Aspekten wie Art und Wirkung der Impfstoffe oder möglichen Impffolgen gebe es aber "klare und überzeugende Antworten" nationaler und internationaler Experten. Er hoffe daher, "dass Joshua Kimmich diese Informationen alle noch mal auf sich wirken lässt und sich dann auch vielleicht für die Impfung entscheiden kann", sagte Seibert.

Auch Seibert verwies darauf, dass Kimmich ein Fußballer sei, "auf den Millionen schauen". Er hätte damit bei einer Impfung "Vorbildwirkung". Von der Zahl der Geimpften hänge ganz entscheidend ab, "wie wir in Deutschland unser Zusammenleben in der Pandemie organisieren können."

Corona-Vakzine "deutlich besser erforscht" als andere

Ein Sprecher des Bundesgesundheitsministeriums betonte, die Impfung sei eine "individuelle Entscheidung". Angesichts der hohen Zahl von Geimpften sei aber bereits viel über seltene Nebenwirkungen der Impfstoffe bekannt und die Corona-Vakzine "deutlich besser erforscht" als andere. Nebenwirkungen träten laut Experten zudem "immer innerhalb von wenigen Wochen nach der Impfung auf". 

Zuvor hatte bereits der Vorsitzende der Ständigen Impfkommission (STIKO), Thomas Mertens, darauf hingewiesen, dass spät auftretende Nebenwirkungen nach einer Impfung "nicht vorkommen, beziehungsweise eine extrem seltene Rarität" seien.

Innenministerium warb bei Sportverbänden für Impfung

Der Sprecher des für Sport zuständigen Bundesinnenministers Horst Seehofer sagte, dieser sei seit Monaten der Überzeugung, "dass das Impfen der einzige nachhaltige Weg aus der Pandemie ist". Das Ministerium habe deshalb versucht, über die Sportverbände für die Impfung zu werben. Letztlich müsse aber jeder einzelne dies entscheiden. "Einen Impfzwang gibt es in Deutschland nicht."

Kimmich hatte am Wochenende im Sender Sky bestätigt, dass er noch nicht geimpft sei. Er habe persönliche Bedenken, "gerade was fehlende Langzeitstudien angeht", sagte der 26-Jährige. Er sei sich aber seiner "Verantwortung bewusst", halte sich an Hygienemaßnahmen und werde alle zwei bis drei Tage getestet. Kimmich betonte, er sei "kein Corona-Leugner oder Impfgegner" und es sei "auch sehr gut möglich, dass ich mich in Zukunft impfen lasse".

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 25. Oktober 2021 um 12:54 Uhr.