Zwei Ampullen mit dem Corona-Impfstoff von Johnson&Johnson. | AFP

Vakzin von Johnson & Johnson Wenn sich plötzlich der Impfstatus ändert

Stand: 30.01.2022 20:08 Uhr

Der Impfstoff von Johnson & Johnson kam bevorzugt in Obdachlosen- oder Sammelunterkünften zum Einsatz. Vorteil: Nach einer Impfung galt man als vollständig geimpft. Das hat sich geändert.

Von Julia Henninger, SWR

Ein Piks und schon war man vollständig geimpft. Das galt lange für den Corona-Impfstoff Janssen des US-Pharmaunternehmens Johnson & Johnson. Etwa 3,6 Millionen Menschen haben laut Robert Koch-Institut bei der Erstimpfung diesen Impfstoff bekommen.

Julia Henninger

Im Oktober 2021 hatte die Ständige Impfkommission (STIKO) bereits bei dieser Impfung eine zweite Impfung empfohlen, am besten mit einem mRNA-Impfstoff, um die Grundimmunisierung zu verbessern. Dennoch galt man auch mit einer Impfung mit Johnson & Johnson bisher noch als vollständig geimpft.

Neue Regelung seit Mitte Januar

Doch seit dem 15. Januar gilt: Wer nur eine Impfdosis von Johnson & Johnson bekommen hat, gilt nicht mehr als vollständig geimpft, braucht also eine zweite Impfung. Und bisher galten diejenigen mit einer Johnson & Johnson-Impfung plus einer weiteren Impfung als geboostert. Das gilt nun auch nicht mehr. Jetzt sind sie damit nur noch vollständig geimpft. Alles also eine Stufe zurück.

"Quantitativ spielt der Impfstoff keine große Rolle", sagt Jan Steffen Jürgensen, Vorstandsvorsitzender des Klinikum Stuttgarts, das auch eine Impfstation betreibt. Vorteil des Vakzins sei die einmalige Impfdosis gewesen. So war kein verbindlicher Folgetermin nötig. Es wurde daher bevorzugt in Sammelunterkünften für Geflüchtete, Einrichtungen für Menschen ohne festen Wohnsitz oder Anlaufstellen für Obdachlose eingesetzt. Gerade für diese Menschen sei es nun besonders wichtig, dass sie informiert würden und Folgeangebote bekämen, sagt der Mediziner.

Eine erneute Ausgrenzung?

Sophie Wischnewski ist Leiterin der ökumenischen Bahnhofsmission in Leipzig. "95 Prozent unserer Gäste haben Johnson & Johnson bekommen", erzählt die Sozialarbeiterin. Ihrer Ansicht nach ist die neue Regelung erneut eine Ausgrenzung. Plötzlich hätten die Menschen, die sowieso schon schutzbedürftig seien, keinen vollständigen Impfstatus mehr und bräuchten deshalb in manchen Fällen wieder Tests. "Wer einen Test braucht, der muss aber einen Ausweis zeigen. Doch viele haben keinen Ausweis. Um den zu beantragen, müssen sie ins Bürgerbüro. Aber da kommen sie wiederum nur mit einem Test rein", beschreibt sie das Dilemma.

"Es ist eine weitere Hürde und eine weitere Ausgrenzung gerade derjenigen, die eh schon oft vergessen werden." Natürlich sei es gleichzeitig auch ein Impuls, sich nochmals impfen zu lassen und damit auch geschützt zu sein, fügt Wischnewski hinzu. Infektionsschutz sei wichtig, aber gerade die Herausforderungen der Schutzbedürftigen seien in der Pandemie nicht genug bedacht worden. Wer keinen Ausweis habe, könne auch nicht einfach in jedes Impfzentrum zur Auffrischung. Daher kümmere sich die Einrichtung, um über mögliche niederschwellige Impfangebote zu informieren.

Niedrigschwellige Impfangebote

Das macht auch die Caritas in Mannheim. "Es gab und gibt in Mannheim zahlreiche niedrigschwellige Impfangebote, wie den Impfbus der Stadt, Impftermine bei der Vesperkirche der evangelischen Kirche, über die in der Tagesstätte mit aktuellen Aushängen informiert wird", sagt Julia Koch von der Caritas. Nachfragen zum Thema Boostern und den aktuellen Regelungen gebe es bislang vereinzelt. Dann würden die Kolleginnen aufklären.

Fehlende Dokumente, kein Smartphone

Allerdings weiß auch sie um die Hürden, die immer wieder eine Rolle spielen. Das seien die fehlenden Ausweisdokumente, die Krankenversicherung, die Sprachbarrieren und der meist digitalisierte Zugang zu Teststationen, da viele wohnungslose Menschen kein Smartphone und keine E-Mail-Adresse hätten.

Unterschiede in den Bundesländern

Wer nach der ersten Impfung mit Johnson & Johnson eine zweite Impfung bekommen hat, gilt derzeit als vollständig geimpft. Allerdings sind die Zugangsbedingungen etwa für Cafés in den Bundesländern unterschiedlich. In Baden-Württemberg und Sachsen braucht man beispielsweise im Falle von 2G-Plus keinen zusätzlichen Test mehr, sofern die zweite Impfung nicht länger als drei Monate her ist. In anderen Bundesländern ist das anders. Auch in Hamburg. Wer hier mit Johnson & Johnson geimpft ist und dann noch eine zweite Impfung bekommen hat, der braucht bei 2G-Plus-Angeboten einen Test.

Obdachlose in Hamburg überrascht

"In Hamburg sind die meisten Obdachlosen mit Johnson & Johnson geimpft worden", sagt Timo Spiewak von der Caritas Hamburg. Viele seien völlig überrascht, dass sie nun nicht mehr vollständig geimpft seien. Dass sie auch bei Johnson & Johnson mit der Impfung nachlegen sollten, sei bei vielen noch nicht angekommen. "In Hamburg gab es beispielsweise Projekte, bei denen Wohnungslose in Hotels untergebracht wurden. Manche haben keine Ungeimpften aufgenommen", erzählt Spiewak. Solche Situationen könnten aktuell schwieriger werden. Nötig seien nun erneute Aufklärung und Impfangebote.

Über dieses Thema berichtete NDR 90,3 am 18. Januar 2022 um 15:00 Uhr.