Eine Intensivpflegerin ist im Schutzkleidung auf einer Covid-19 Intensivstation. |

Debatte über Lockdown Intensivmediziner warnen vor Lockerung

Stand: 04.02.2021 16:59 Uhr

Die Zahl der Neuinfektionen mit dem Coronavirus sinkt - und damit wird der Ruf nach Lockerungen des Lockdowns laut. Intensivmediziner warnen jetzt noch einmal eindringlich vor übereilten Entscheidungen.

Angesichts der rückläufigen Neuinfektionen mit dem Coronavirus ist die Debatte um Lockerungen der Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie wieder entbrannt. Zuletzt erklärte Gesundheitsminister Jens Spahn, wenn auch zurückhaltend, er könne sich einen "verantwortungsvollen Übergang vom Lockdown in den Normalzustand" vorstellen.

Intensivmediziner warnen die Politik dagegen noch einmal eindringlich davor, bei den am 10. Februar anstehenden Bund-Länder-Gesprächen Lockerungen zu beschließen: "Ich plädiere nicht für eine unendliche Verlängerung des Lockdowns. Aber es ist zwingend erforderlich, dass wir die geltenden Maßnahmen mindestens um zwei Wochen verlängern", sagte der Präsident der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI), Gernot Marx, gegenüber "t-online". Ende Februar sollte es dann eine weitere Überprüfung geben.

Marx betonte, die Lage auf den Intensivstationen bleibe trotz eines Rückgangs der Patientenzahlen sehr ernst. Von einer echten Entspannung können angesichts von etwa 4200 Corona-Intensivpatienten keine Rede sein. Zudem befänden sich alle Mitarbeiter seit bald einem Jahr in einem Dauer-Ausnahmezustand und es sei noch vollkommen unklar, wie stark sich die neuen, besonders ansteckenden Virusmutationen auswirkten.

Spahn: "Können nicht ganzen Winter im Lockdown bleiben"

Zuvor hatte Gesundheitsminister Spahn gegenüber der Funke-Mediengruppe ebenfalls vor den neuen Varianten des Coronavirus gewarnt. "Man kann noch nicht abschließend sagen, wo wir am 14. Februar stehen", so Spahn. Bislang ist dann ein Ende des harten Lockdowns vorgesehen.

Allerdings sei auch klar, dass die Maßnahmen Grenzen hätten, so Spahn: Wir können nicht den ganzen Winter in diesem harten Lockdown bleiben", sagte der Minister. "Das würden wir nicht gut aushalten als Gesellschaft."

Vorzug für Schulen und Kitas

Wenn es zu Lockerungen kommt, sollen Kinderbetreuung und Bildung Vorrang haben: Kitas und Schulen seien "auf jeden Fall zuerst dran", sagte Spahn. So sieht es auch die Kanzlerin: "Was ich zusagen kann - dass das Erste, was wir wieder öffnen, Kitas und Grundschulen sein werden, vor allem anderen", sagte Angela Merkel bei einem Bürgerdialog.

RKI meldete 14.211 Neuinfektionen.

Die Corona-Infektionszahlen in Deutschland gehen seit Wochen zurück. Die deutschen Gesundheitsämter meldeten dem RKI heute 14.211 Corona-Neuinfektionen binnen eines Tages. Außerdem wurden 786 neue Todesfälle innerhalb von 24 Stunden verzeichnet, wie aus Zahlen des RKI hervorgeht. Vor genau einer Woche hatte das RKI 17.553 Neuinfektionen und 941 neue Todesfälle binnen 24 Stunden verzeichnet.

Die Zahl der binnen sieben Tagen gemeldeten Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner (Sieben-Tage-Inzidenz) lag laut RKI am Morgen bei 80,7. Ihr bisheriger Höchststand war am 22. Dezember mit 197,6 erreicht worden.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 04. Februar 2021 um 17:00 Uhr.