Eine Frau mit einem Plakat spricht beim Aktionstag zur Streichung des Paragrafen 218 in Hamburg | dpa

Verbot von Abtreibungen Bundesweit Proteste gegen Paragraf 218

Stand: 15.05.2021 19:45 Uhr

Der Paragraf 218 stellt seit 150 Jahren Abtreibungen unter Strafe. Zahlreiche Menschen haben in 40 deutschen Städten nun gegen dieses Verbot protestiert. Sie forderten, den Paragrafen ersatzlos zu streichen.

In zahlreichen Städten Deutschlands haben Menschen gegen eine Kriminalisierung von Schwangerschaftsabbrüchen protestiert. Nach Angaben der Organisatoren, dem Bündnis für sexuelle Selbstbestimmung, fanden Aktionen in mehr als 40 Städten statt.

Hintergrund ist das 150-jährige Bestehen des umstrittenen Paragrafen 218, der Abtreibungen grundsätzlich unter Strafe stellt. "Die Regelung von Schwangerschaftsabbrüchen im Strafgesetzbuch entmündigt Betroffene und verweigert ihnen eine würdevolle und selbstbestimmte Entscheidung", sagte Eva Kubitz, eine der Organisatorinnen der Kampagne "150 Jahre Widerstand gegen §218 - Es reicht".

Menschenketten in vielen Städten

In Berlin demonstrierten rund 300 Menschen für dessen die Abschaffung vor dem Reichstag. Protest-Aktionen gab es nach Angaben des bundesweiten Bündnisses für sexuelle Selbstbestimmung auch in Hamburg, München, Würzburg, Augsburg, Passau, Offenbach und Landshut.

In Köln, Frankfurt am Main, Kassel, Wuppertal, Magdeburg, Heidelberg, Münster, Darmstadt, Flensburg und Karlsruhe fanden Kundgebungen statt. In Aachen, Dortmund, Cottbus, Koblenz und Mainz wurden Kleiderbügel in der Stadt verteilt.

38.000 Unterschriften

Unterstützt wurden die Proteste von 120 Organisationen, darunter pro familia, Humanistischer Verband Deutschland und die Linkspartei. Eine Anfang März gestartete entsprechende Petition wurde bislang von mehr 38.000 Menschen unterschrieben. Gefordert werden die ersatzlose Streichung des Paragrafen als Straftat und rechtliche Regelungen außerhalb des Strafgesetzbuches.

Zuletzt war vor allem der Paragraf 219a des Strafgesetzbuches öffentlich diskutiert worden. Vor einer Gesetzesreform 2019 verbot er Ärztinnen und Ärzten die Werbung für Schwangerschaftsabbrüche. Seit gut zwei Jahren dürfen Mediziner zwar nun öffentlich machen, dass sie Schwangerschaftsabbrüche vornehmen - weitere Informationen etwa über Methoden sind aber nicht erlaubt.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 15. Mai 2021 um 10:22 Uhr.