Die Corona-Warn-App ist auf dem Display eines Smartphones zu sehen. | dpa
FAQ

Pandemie Was tun, wenn die Corona-App warnt?

Stand: 01.12.2021 15:49 Uhr

Fast 600.000 Mal sprang die Corona-Warn-App in der vergangenen Woche auf rot. Was ist dann zu beachten? Die Regelungen sind nicht immer eindeutig, kritisieren Experten.

Von Philipp Wundersee, WDR

Was bedeutet die Warnung?

Eine rote Warnung bedeutet nicht automatisch, dass man sich mit Corona angesteckt hat. Die App warnt vor einem erhöhten Ansteckungsrisiko. Was das wiederum bedeutet, hängt von vielen Einflüssen ab: Haben alle Menschen Maske getragen? War der Risiko-Kontakt draußen an der Luft oder in einem geschlossenen Raum?

Philipp Wundersee

Die App dient als Hilfestellung, um rechtzeitig Schritte ergreifen zu können. Die Nutzer werden laut Bundesgesundheitsministerium gebeten, dann die Situation am Tag des Kontaktes zu beschreiben und gegebenenfalls weitere Kontakte anzugeben. Eine Meldung beim Gesundheitsamt sei vorerst nicht nötig, sagt Epidemiologe Timo Ulrichs. Sollten bereits Symptome wie Husten, Schnupfen oder Fieber auftreten, empfehlen viele Mediziner sich direkt testen zu lassen.

Wie soll man reagieren?

In der vergangenen Woche wurden fast 600.000 rote Warnungen ausgesprochen, in der Woche davor rund 430.000. Die App selbst empfiehlt dann: "Begeben Sie sich, wenn möglich, nach Hause bzw. bleiben Sie zu Hause." Offiziell gilt nicht direkt eine Quarantäne, sondern nur die Bitte um eine Reduzierung der Kontakte.

Epidemiologe Timo Ulrichs reicht das alles nicht aus. In der jetzigen Situation mit dem Infektionsdruck, solle man sich so verhalten wie vor einem Jahr und freiwillig komplett in Quarantäne gehen. "Ein sinnvolles, konstruktives Verhalten wäre eben, sich so zu verhalten, als wäre man nicht geimpft", sagt Timo Ulrichs. "Es ist zur Zeit nicht vorgeschrieben, dass jemand sich so verhält, der doppelt geimpft ist. Aber so ein Verhalten wäre jetzt äußerst sinnvoll, um damit Infektionsketten zu unterbrechen." Man sollte dann abwarten, ob man nicht auch selbst positiv wird.

Die App selbst empfiehlt eine Rücksprache mit dem Hausarzt, dem Gesundheitsamt oder der Hotline der Kassenärztlichen Bundesvereinigung 116117. Die Bundesregierung sagt dazu, dass die Entscheidung über eine Krankschreibung oder die Anordnung einer Quarantäne der behandelnde Arzt beziehungsweise das zuständige Gesundheitsamt treffen.

Welchen Test muss ich machen?

Wer eine rote Warnung in der App hat, der hat Anspruch auf einen Corona-Test: Das kann ein Schnelltest oder ein PCR-Test sein. Ein ausschließlicher Anspruch auf PCR-Testung bestehe nicht, sagt das Bundesgesundheitsministerium auf Anfrage. Wirkliche Klarheit bringt laut Epidemiologe Ulrichs aber eben nur der PCR-Test. Doch dieser sei bei einer roten Warnung - auch wenn er sinnvoll wäre - nicht überall kostenlos zu bekommen. "Da sollte eigentlich die dokumentierte rote Warnung ausreichen, dass der PCR-Test dann auch umsonst zugänglich ist", sagt Ulrichs. "Aber da gibt es Unterschiede in den Bundesländern und den Testzentren, wie das gehandhabt wird. Das sollte einheitlich und vor allem immer kostenlos sein, um die Weitergabe von Corona zu unterbinden."

Wie wird es wieder grün?

Die rote Warnung bleibt für 14 Tage nach der Risikobegegnung in der App, an Tag 15 geht der Risikostatus automatisch wieder zurück auf grün, sofern es keine neuen Risikobegegnungen gab. Auch ein negativer Test in der Zwischenzeit ändert an dieser Wartezeit nichts. Die App soll laut Bundesregierung helfen, die Ausbreitung von COVID-19 einzudämmen.

Doch Ulrichs kritisiert, dass die eigentlich sinnvolle App in Deutschland nicht optimal genutzt werde. "Die Nutzung wurde in Ländern wie Südkorea von Anfang an viel konsequenter eingesetzt als bei uns", sagt Ulrichs. "Daher hatte man da ein viel besseres Bild vom Infektionsgeschehen und konnte schneller darauf reagieren. Bei uns ist es leider so, dass wir häufig im Blindflug gefahren sind, auch mit der Nutzung der Daten der App." Trotzdem habe die App bereits viele Infektionsketten verhindert und werde dies auch in der vierten Welle weiter tun.

Über dieses Thema berichtete das ARD-Mittagsmagazin am 01. Dezember 2021 um 13:00 Uhr.