Pflegeheim Schmitt | Nicole Schmitt

Altenheim in Bayern Durchgeimpft - und weiter auf Abstand

Stand: 12.02.2021 17:35 Uhr

Fast die Hälfte der bundesweit rund 800.000 Pflegeheimbewohner hat inzwischen die zweite Impfung gegen das neue Coronavirus erhalten. Kehrt hier nun der Alltag zurück? Blick in einen Altenheim in Bayern.

Von Nicole Schmitt, BR

Die Seniorenbetreuung und -pflege "bei St. Otto" im bayerischen Lauf an der Pegnitz war unter den ersten Einrichtungen in Bayern, zu der die mobilen Impfteams geschickt worden sind. Ende Dezember erhielten dort 43 Senioren und 30 Mitarbeitende die erste Impfung gegen das Coronavirus. Mitte Januar folgte der zweite Piks.

Katharina Eckert war die erste Bewohnerin, die sich im Laufer Pflegeheim Ende Dezember mit dem mRNA-Impfstoff von Biontech/Pfizer hat impfen lassen - auf Wunsch der Tochter, wie sie sagt. Mitte Januar dann folgte die zweite Impfung. "Ich habe es gut überstanden", erzählt sie. Nur an der Einstichstelle habe es nach der zweiten Impfung angefangen zu jucken. "Ich hätte mich zerreißen können. Eine Feuchtigkeitscreme habe dann Linderung gebracht.

Während die Heimbewohner die zweite Impfung insgesamt gut weggesteckt hätten, sei es beim Personal etwas diffiziler gewesen, erläutert die Geschäftsführerin der Seniorenbetreuung und -pflege Kristine Lütke. Hier habe ein Drittel leichte Impfreaktionen gezeigt. Auch Lütke selbst. Schüttelfrost, erhöhte Temperatur, Abgeschlagenheit seien als Symptome aufgetreten. Aber nach ein bis zwei Tagen sei es dann auch wieder vorbeigewesen.

Trotz Impfungen: Abstand und Maskenpflicht

Damit gilt die Senioreneinrichtung offiziell als durchgeimpft. Lockerungen gebe es deshalb aber keine, sagt Lütke. "Bei uns hat sich nicht viel geändert. Wir haben immer noch die FFP2-Masken auf, wir halten immer noch Abstand." Auch Veranstaltungen fänden keine statt. Außerdem schaue man darauf, dass so wenig Menschen wie möglich von außen in das Heim kommen. Besucher der Bewohner seien aber natürlich zugelassen - nach einem negativen Schnelltest.

Pflegeheim Schmitt | Nicole Schmitt

Geschäftsführerin Lütke: "Bei uns hat sich nicht viel geändert." Bild: Nicole Schmitt

Einmal Durchimpfen reicht nicht

Das Konzept der Vorsicht funktioniert offensichtlich. Momentan hat die Einrichtung keinen einzigen Corona-Fall. Von einem vollumfänglichen Schutz allerdings könne man trotzdem nicht sprechen. "Das ist natürlich schon so eine Sache, die man im Blick haben muss", sagt die Geschäftsführerin des Laufer Pflegeheims. Einmal Durchimpfen reiche nicht. Es gebe in Altenheimen eine natürliche Fluktuation. Bei ihr betrage die aufs Jahr gerechnet 70 Prozent. Deshalb habe sie aktuell wieder zehn Bewohner, die noch geimpft werden möchten - und auch und sollen, weil sie Priorisierungsstufe Eins seien.

Allerdings könne ihr momentan keiner sagen, ob und wann die mobilen Impfteams wieder in ihre Einrichtung kommen. Ein Sprecher des bayerischen Gesundheitsministeriums sagt dazu, dass Folgebesuche von Impfteams in Altenheimen generell geplant seien und auch erfolgen sollen. Zum Teil würden auch im Rahmen eines Besuchs für die Zweitimpfungen weitere Erstimpfungen vorgenommen. Lütke hofft nun, dass dies auch bald in ihrer Einrichtung der Fall ist.

Besserer Schutz vor Mutationen?

Denn gerade im Hinblick auf die nun bundesweit auftretenden Mutationen würde es die Pflegeheim-Leiterin begrüßen, wenn möglichst viele ihrer Bewohnerinnen und Bewohner geimpft sind: "Ich schließe nicht aus, dass wir nochmals Infektionen im Haus haben werden. Aber ich vertraue darauf, dass diese dann deutlich abgeschwächt sind."

Diese Schlussfolgerung lässt auch der Fall eines Senioren- und Pflegeheims in Belm im Landkreis Osnabrück zu. Bei 14 geimpften Seniorinnen und Senioren war die in Großbritannien entdeckte Coronavirus-Variante B.1.1.7 nachgewiesen worden. Die Infizierten zeigen bislang gar keine Symptome oder lediglich einen leichten Verlauf, heißt es aus der Einrichtung. "Wenn die Infektionen schwächer verlaufen und die Leute nicht so stark erkranken, dann verliert der Virus auch seine Gefährlichkeit“, ist Lütke überzeugt.

"Der Frühling kommt, wir wären glücklich"

Das wäre auch ganz im Sinne von Katharina Eckert: "Es wäre schön, wenn sich alle impfen lassen würden, dann wäre Corona bald rum, die Geschäfte würden öffnen und wir könnten raus zum Spazierengehen. Der Frühling kommt, wir wären glücklich." In der Vergangenheit hat die 82-Jährige drei Schlaganfälle überstanden. Und Corona wird sie auch nicht kleinkriegen - da ist sie sich sicher.