Claus Weselsky | dpa

GDL-Chef Claus Weselsky Keine Einigung, "wenn die Bahn uns beschränkt"

Stand: 06.09.2021 10:29 Uhr

GDL-Chef Weselsky wirft der Bahn vor, seine Gewerkschaft auf Lokführer und Zugbegleiter beschränken zu wollen. Es solle dauerhaft verhindert werden, dass die GDL die Mehrheit in Bahn-Betrieben erreiche, sagte er im gemeinsamen Morgenmagazin von ARD und ZDF.

Der Chef der Lokführergewerkschaft GDL, Claus Weselsky, hat der Deutschen Bahn vorgeworfen, weitere Tarifverträge seiner Gewerkschaft verhindern zu wollen. Die Bahn beschränke die GDL auf Lokführer und Zugbegleiter und verweigere ihr, Tarifverträge für Mitarbeiter der Werkstatt und Verwaltung abzuschließen, sagte Weselsky im gemeinsamen Morgenmagazin von ARD und ZDF. So solle dauerhaft verhindert werden, dass die GDL die Mehrheit im jeweiligen Betrieb erreichen könne.

Weselsky sieht darin einen Verstoß gegen die vom Grundgesetz gewährleistete Koalitionsfreiheit. Diese erlaubt es Gewerkschaften, Mitglieder zu werben, um deren Interessen zu vertreten und für diese Tarifverträge auszuhandeln.

Durch das Tarifeinheitsgesetz kommt der Tarifvertrag der mitgliederstärksten Gewerkschaft eines Betriebes zum Tragen. Das ist im Fall der Bahn meist die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG). Die GDL versuche lediglich, "die Mehrheit im Betrieb" zu organisieren, sagte Weselsky. "Wir machen Gewerkschaftsarbeit. Was ist denn daran schlimm? Sollen wir dauerhaft untergehen?"

Es geht nicht nur ums Geld

Indirekt räumte Weselsky damit ein, dass es bei dem Streik nicht in erster Linie ums Geld geht. "Ich muss mich nicht einigen auf 3,2 Prozent, wenn die Bahn uns dauerhaft beschränkt auf Lokführer, Zugbegleiter, Bordgastronomen und damit verhindert, dass wir die Mehrheit im jeweiligen Betrieb tatsächlich auch erreichen können", sagte Weselsky. Dagegen würde sich die GDL wehren. Es gehe hier nicht um Vormachtstellung.

Die GDL fordert 3,2 Prozent mehr Geld bei einer Laufzeit von 28 Monaten sowie eine Corona-Prämie von 600 Euro. Zum Streikauftakt hatte die Bahn ein verbessertes Angebot vorgelegt. Der Konzern stellt etwa eine Corona-Prämie für 2021 von bis zu 600 Euro in Aussicht sowie eine Tarifvertrags-Laufzeit von 36 Monaten. Die Löhne sollen in zwei Stufen um 3,2 Prozent steigen.

Weselsky mit Streik "sehr zufrieden"

Weselsky wies auch die Kritik von DGB-Chef Reiner Hoffmann zurück und sieht die GDL zu Unrecht an den Pranger gestellt. Hoffmann hatte der GDL Partikularinteressen und Profilierungsversuche gegenüber der größeren Bahngewerkschaft EVG vorgeworfen. Weselsky sagte, er würde sich wünschen, dass auch ein Vorsitzender eines Dachverbandes von Gewerkschaften Ursache und Wirkung im Blick behalte. Der DGB-Chef sei derjenige gewesen, der das Tarifeinheitsgesetz initiiert habe. Und jetzt werde der GDL vorgeworfen, für mehr Mitglieder zu werben.

"Also ich weiß nicht ganz genau, für was das Gesetz denn geschaffen worden ist", so Weselsky. Dieses sage ganz klar: Wer mehr Mitglieder im Betrieb habe, dessen Tarifverträge bleiben in die Zukunft hinein erhalten.

Mit dem bisherigen Streik bei der Deutschen Bahn sei die GDL "sehr zufrieden". Die dritte Streikrunde in dem laufenden Tarifkonflikt soll bis zum frühen Dienstagmorgen (02.00 Uhr) dauern. "Dass das für Kunden unschön ist, ist uns klar", sagte Weselsky. Die Wettbewerber der Deutschen Bahn halten den Verkehr nach seien Angaben komplett aufrecht. Diese seien auch der Beweis dafür, dass Arbeitgeber ihren Beschäftigten die "ordentlichen Lohnerhöhungen zugestehen".

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 06. September 2021 um 10:00 Uhr und 11:00 Uhr.

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Moderation 06.09.2021 • 21:55 Uhr

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