Fragen und Antworten

Autor Navid Kermani, Bundesauߟenminister Frank-Walter Steinmeier, Landesgruppenchefin Gerda Hasselfeldt, Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen, Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble, Bundestagspräsident Norbert Lammert

Kandidaten-Karussell Wer könnte auf Gauck folgen?

Stand: 07.06.2016 13:07 Uhr

Denkbar ist vieles, aber noch ist alles Spekulation. Klar ist: Joachim Gauck tritt nicht mehr an, das Rennen um seine Nachfolge ist eröffnet. tagesschau.de gibt einen Überblick, welche Kandidaten für die Bundespräsidentenwahl im Februar im Gespräch sind.

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Von Barbara Schmickler, tagesschau.de

Die Mehrheitsverhältnisse bei der nächsten Bundespräsidentenwahl im Februar 2017 sind schwierig. Außerdem findet die Wahl wenige Monate vor der Bundestagswahl im Herbst 2017 statt: Die Parteien müssten sich dann mit eigenen Persönlichkeiten profilieren. Sie wissen, dass jede Allianz als Signal für eine mögliche Regierungskoalition gewertet werden würde.

Die stärkste politische Kraft in der Bundesversammlung ist die Union. Sie könnte einen eigenen Kandidaten durchsetzen - allerdings erst im dritten Wahlgang. Verhindern könnte dies ein rot-rot-grünes Bündnis. Mehr als fraglich ist aber, ob vor allem SPD und Grüne ein solches Zusammengehen mit den Linken wollen - und ob sich dafür ein geeigneter Kandidat fände.

Eine kleine und unvollständige Auswahl möglicher Nachfolger:

Bundestagspräsident Norbert Lammert

Warum kommt er infrage? Der 67-Jährige CDU-Politiker aus Bochum ist seit 2005 der Präsident des Bundestages. Der Umzug ins Schloss Bellevue wäre ein naheliegender Karriereschritt. Er war bereits als möglicher Nachfolger der Bundespräsidenten Horst Köhler und Christian Wulff im Gespräch. Norbert Lammert gilt als wortmächtig.

Was spricht dafür und was dagegen? Lammert gilt als aussichtsreicher Bewerber aus der Union. Er würde von der Fraktionsspitze mitgetragen und könnte auch mit CSU-Unterstützung rechnen. Wenn Merkel einen Kandidaten im dritten Wahlgang durchboxen will, könnte er das sein. Auch bei den Grünen genießt er Sympathien. In der SPD ist er allerdings nicht unumstritten. Hinzu kommt: Wer früh als Favorit gehandelt wird, hat es später oft schwerer.

Finanzminister Wolfgang Schäuble

Warum kommt er infrage? Finanzminister Wolfgang Schäuble hat mehr als 40 Jahre parlamentarische Erfahrung und genießt auch international ein hohes Ansehen.

Was spricht dafür und was dagegen? Wolfgang Schäuble selbst wäre vermutlich schon gerne 2004 Bundespräsident geworden, damals wurde aber der parteilose Horst Köhler als Kandidat ins Rennen geschickt. Was gegen Schäuble spricht, ist sein Alter. Der CDU-Politiker ist mit seinen 73 Jahren nur zwei Jahre jünger als Gauck.

Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen

Warum kommt sie infrage? Der Name Ursula von der Leyen fällt immer, wenn es um Spitzenämter geht, auch als künftige Kanzlerin ist die CDU-Frau im Gespräch. Schon 2010 war die amtierende Verteidigungsministerin als mögliche Kandidatin für das Präsidenten-Amt im Gespräch.

Was spricht dafür und was dagegen? Die Neigung der anderen Parteien dürfte gering sein, eine aktive Unions-Politikerin zu wählen. Und auch in der eigenen Partei ist sie nicht unumstritten. Doch von der Leyen ist eine Frau, das könnte ein Vorteil sein. Mögliches Hindernis: Von der Leyen wird auch immer wieder als Merkel-Nachfolgerin gehandelt.

CSU-Landesgruppenchefin Gerda Hasselfeldt

Warum kommt sie infrage? CSU-Kandidaten gelten zwar als kaum durchsetzbar, Grund dafür ist vor allem der Kurs von CSU-Chef Horst Seehofer in der Flüchtlingskrise. Allenfalls CSU-Landesgruppenchefin Gerda Hasselfeldt genießt über ihre Partei hinaus ein so hohes Ansehen, dass sie überhaupt als präsidial gelten könnte, heißt es in der Union.

Was spricht dafür und was dagegen? Die CSU-Landesgruppenchefin könnte ein Versöhnungsangebot der CDU an die Schwesterpartei sein. Die 65-jährige Hasselfeldt will ihr Bundestagsmandat im Herbst 2017 abgeben, sie wäre dann für das Amt frei. Ein weiterer Vorteil: Sie gilt als Merkel-Vertraute. Hasselfeldt selbst sagte allerdings zu den Spekulationen: Die Frage stelle sich nicht, und sie beteilige sich nicht an den Diskussionen.

Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier

Warum kommt er infrage? Volker Bouffier führt seit zwei Jahren relativ erfolgreich die schwarz-grüne Landesregierung in Hessen.

Was spricht dafür und was dagegen? Seine Kandidatur wäre ein Schritt in die Richtung zu Schwarz-Grün im Bund. Das wäre ein wohl zu starkes Signal.

Außenminister Frank-Walter Steinmeier 

Warum kommt er infrage? Er ist beinahe so etwas wie der natürliche Kandidat für das höchste Amt im Staat. Frank-Walter Steinmeier ist beliebt bei den Bürgern, angesehen über Parteigrenzen hinweg, diplomatisch erfahren - quasi die sozialdemokratische Idealbesetzung. Der Sprecher des konservativen Seeheimer Kreises der SPD, Johannes Kahrs, machte sich in der "Welt am Sonntag" für seinen SPD-Parteigenossen als überparteilichen Bewerber stark.

Was spricht dafür und was dagegen? Merkel soll SPD-Chef Sigmar Gabriel bereits signalisiert haben, dass die Union Steinmeier nicht mittragen werde. Das macht seine Kandidatur unwahrscheinlich.

EU-Parlamentspräsident Martin Schulz

Warum kommt er infrage? Martin Schulz, der Präsident des Europaparlaments, wird immer wieder genannt, wenn die SPD nach Kandidaten für Spitzenämter sucht.

Was spricht dafür und was dagegen? Abgesehen von der Schwierigkeit, in der Bundesversammlung eine Mehrheit für einen SPD-Kandidaten zu finden: Kanzlerin Angela Merkel gilt nicht als Schulz-Fan.

Saarlands Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer

Warum kommt sie infrage? Die CDU-Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer gilt oft als eine, die eine andere Generation der Union vertritt, sie ist jünger und linksliberaler.

Was spricht dafür und was dagegen? Sie genießt auch bei der SPD und den Grünen Ansehen - und sie ist eine Frau. Das ist ein Vorteil. Ein Nachteil ist, dass man als saarländische Landespolitikerin nicht gerade im Rampenlicht der Bundespolitik steht.

Bundesverfassungsgerichtspräsident Andreas Voßkuhle

Warum kommt er infrage? Andreas Voßkuhle wurde bereits als Kandidat vor der Präsidentenwahl 2012 gehandelt. Damals begründete Voßkuhle seine Ablehnung damit, dass er erst frisch ins das Amt in Karlsruhe gekommen war. Dorthin kam er mit SPD-Ticket.

Was spricht dafür und was dagegen? Er ist ein Europa-Experte und Verfechter der europäischen Einigung. Gegen ihn Argumente aufzubringen, könnte schwierig werden.

Schriftsteller Navid Kermani

Warum kommt er in Frage? Der Name des deutsch-iranischen Schriftstellers Navid Kermani wird immer wieder genannt, wenn es um mögliche Bewerber auf SPD-Ticket geht. Kermani wurde 2015 mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels ausgezeichnet.

Was spricht dafür und was dagegen? Er wäre ein totaler Außenseiter. Ob der Berliner Politikbetrieb einen Nicht-Politiker für so ein hohes Amt aufstellt, darf bezweifelt werden.

Wissenschaftlerin Jutta Allmendinger

Warum kommt sie infrage? Jutta Allmendinger leitet das Wissenschaftszentrum für Sozialforschung in Berlin. Ihr Name fällt ebenfalls, wenn es um nicht aktive Bundespolitiker geht. Sie könnte auch über ein SPD-Ticket kommen.

Was spricht dafür und was dagegen? Das ist derzeit schwierig zu beantworten. Mit Spekulationen hält man sich in Berlin zurück. Für Allmedinger spricht, dass sie keine aktive Bundespolitikerin ist - und sie ist eine Frau. Dagegen spricht, dass sie nur wenigen bekannt ist.

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