Flüchtling bei der Arbeit | Bildquelle: dpa

Arbeitsmarkt für Flüchtlinge Zur Untätigkeit verdammt

Stand: 25.08.2016 05:29 Uhr

Ein Job ist wichtig für Flüchtlinge, damit Integration gelingen kann. Doch deren Arbeitslosigkeit wächst derzeit merklich - die Beschäftigung dagegen nur moderat. Viele Firmen zögern weiterhin, Migranten einzustellen.

Von Antraud Cordes-Strehle, WDR

Er stapelt Pakete, 20 Stunden die Woche. Er hat einen Job im DHL-Sortierzentrum in Rheinberg bei Bonn - und ist darüber sehr glücklich. Teklesghi Tefalidet ist 27, vor drei Jahren ist er aus Eritrea nach Deutschland geflüchtet. "Ich finde die Arbeit sehr gut, sie gefällt mir einfach. Und die Leute hier sind sehr nett zu mir, die Kollegen freundlich", meint er mit einem breiten Lächeln.

Ein Jahr "Wir schaffen das"
tagesthemen 22:30 Uhr, 25.08.2016, Michael Stempfle, ARD Berlin

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Gastgewerbe, Wachdienst, Gebäudereinigung

Es war nicht einfach für ihn, Arbeit zu finden. Das Asylverfahren zog sich hin, die neue Sprache wollte gelernt werden. Jetzt aber gehört er zu den etwa 30.000 Flüchtlingen, die es seit dem vergangenen Frühjahr auf den Arbeitsmarkt geschafft haben. Die meisten von ihnen sind im Gastgewerbe oder im Bereich wirtschaftliche Dienstleistungen, zum Beispiel bei Wachdiensten oder der Gebäudereinigung, untergekommen.

Doch etliche Unternehmen in Deutschland zögern bei der Einstellung von Flüchtlingen. Weil oft ungewiss ist, wie lange ein Flüchtling mit eingeschränktem Aufenthaltsrecht überhaupt in Deutschland bleiben darf. "Wirkliche Chancen haben nur diejenigen, über deren Asylanträge positiv entschieden worden ist", meint Arbeitsmarktforscher Herbert Brücker vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) in Nürnberg.

DAX-Unternehmen stellen nur 54 Flüchtlinge ein

So haben die 30 größten börsennotierten Unternehmen in Deutschland bis Ende Juli gerade einmal 54 Flüchtlinge eingestellt - 50 davon die Deutsche Post. Und einer von ihnen ist Teklesghi Tefalidet: "Ich habe in Eritrea nur die Schule besucht, aber keine Ausbildung gemacht. Jetzt bin ich froh, dass ich eine Chance bekommen habe."

Auf eine ähnliche Chance hoffen all jene Flüchtlinge, die bei den Arbeitsagenturen und Jobcentern arbeitssuchend gemeldet sind. Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit waren das Ende Juli 2016 insgesamt 270.353 Geflüchtete. Zum gleichen Zeitraum waren 157.500 Flüchtlinge arbeitslos. Auffallend dabei: Drei Fünftel dieser Gruppe sind jünger als 35.

Alter der Arbeitslosen
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Grafik Alter der Arbeitslosen

"Handwerkskammern in die Pflicht nehmen"

Viele von ihnen sind hochmotiviert, doch das reicht bei der Jobsuche nicht aus. Es gilt: Je besser die Vorbildung und je besser die Sprachkenntnisse, desto größer sind die Chancen einen Arbeitsplatz zu finden. Aber nicht nur die Flüchtlinge seien gefordert, meint Arbeitsmarktforscher Herbert Brücker, sondern beispielsweise auch die Handwerkskammern:

"Viele Flüchtlinge kommen aus handwerklichen Berufen, waren Schweißer oder Bäcker. Aber sie haben keine Zertifikate, weil sie aus anderen Bildungssystemen kommen. Man muss jetzt hier schauen, dass man ihre Fähigkeiten zertifiziert, dass man diese schrittweise anerkennt, damit die Menschen die entsprechenden Jobs bekommen können. Da wartet eine große Aufgabe auf die Kammern und auf die Agentur für Arbeit."

Kosten von 3,5 Milliarden

Die Integration der Flüchtlinge in den Arbeitsmarkt wird außerdem teuer werden. Sprachkurse, frühkindliche und schulische Förderung von Flüchtlingskindern, gezielte Ausbildungsvorbereitung, die Internationalisierung der Universitäten, etwa durch mehr in Fremdsprachen geführte Seminare und Online-Kurse - all diese Maßnahmen sind erforderlich.

Die Kosten für die öffentliche Hand schätzt das Institut der Deutschen Wirtschaft Köln im Jahr 2017 auf 3,45 Milliarden Euro. Doch bereits in naher Zukunft, könnten durch eine bessere Arbeitsmarktintegration Kosten in Höhe von 3,1 Milliarden Euro eingespart werden, heißt es weiter.

Ähnlich positiv denkt Teklesghi Tefalidet. Dass er nach einem Praktikum im DHL-Sortierzentrum halbtags arbeiten kann, ist schon ein Erfolg. Jetzt hat er sogar gute Aussichten auf einen Ausbildungsplatz: Er will Postbote werden.

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