Gerodetes Schadholz  | Bildquelle: dpa

Trockenes Frühjahr Experten warnen vor Waldsterben

Stand: 23.04.2020 17:30 Uhr

Angesichts der anhaltenden Trockenheit in Deutschland warnen Umweltverbände vor einer weiteren Schädigung der Wälder. Nach den Dürrejahren 2018/2019 sei der Wald bereits chronisch krank.

Von Alex Krämer, ARD-Hauptstadtstudio

Der Tritt vor die Tür, der Blick zum Himmel: Sie bieten seit Wochen wenig Überraschungen. Es ist sonnig, trocken, Regen nicht in Sicht. Das ist er auch weiter nicht - und diese Trockenheit trifft ohnehin geschwächte Bäume. 2018 und 2019 waren bereits Dürrejahre. Die Folgen zeigen sich im Boden: Der ist in vielen Regionen Deutschlands bis in 1,80 Meter Tiefe ausgetrocknet, so Messungen des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung in Leipzig.

"Der Regen im Winter hat nicht gereicht, die Vorräte wieder aufzufüllen. Diese zwei Dürrejahre merkt man dem Wald an", sagt Olaf Bandt, Vorsitzender des Umweltverbands BUND. Der Zustand der Bäume sei aktuell schlechter als 1984 zum Höhepunkt des Waldsterbens.

Stadtbäume haben es besonders schwer

Das gilt auch für Stadtbäume. Die leiden, umgeben von Beton und Asphalt, sogar noch stärker unter der Trockenheit. Der BUND ruft Anwohner bereits dringend zum Wässern auf. Schlussfolgerung des Umweltverbandes: Nötig sei erstens Klimaschutz, denn der Klimawandel führe zu längeren Trocken-Phasen. Zweitens eine Reduzierung der Stickstoffeinträge aus Verkehr und Landwirtschaft; die nämlich würden die Wälder schwächen. Sie stammen überwiegend aus der Tierhaltung und aus Dieselabgasen.

Die Jagd hilft den Bäumen

Damit junge, nachwachsende Bäume und Nachpflanzungen eine Chance haben und nicht vom Wild aufgefressen werden, sei außerdem eine stärkere Jagd erforderlich. "Diesen kleinen Bäumchen muss eine Chance gegeben werden, dass sie überhaupt wieder groß werden können. Wir brauchen in Zeiten des Klimawandels eine neue Rolle für die Jagd", erklärt Bandt.

"Die Jagd kann in Deutschland entscheidend dazu beitragen, dass die vielen kleinen Bäumchen, die gerade gepflanzt werden oder natürlich aufwachsen, tatsächlich groß werden können zu neuen Wäldern." Das, so Olaf Bandt, solle in die anstehende Neufassung des Bundesjagdgesetzes einfließen. Der BUND sei sich in diesem Punkt mit vielen Waldbesitzern einig.

Der Bund gibt Geld für den Umbau der Wälder

Die anhaltende Trockenheit in Deutschland beschäftigt auch die Bundeslandwirtschaftsministerin. Die Lage sei schwierig, konstatiert Julia Klöckner. "Der Bund stellt Geld bereit für den Umbau der Wälder, hin zu mehr Laubbäumen - eine Anpassung an den Klimawandel", so die CDU-Politikerin.

Auch neu gepflanzte Laubbäumchen brauchen Wasser. Ein Hoffnungsschimmer ist es da, dass die Meteorologen versichern, trotz eines trockenes Frühjahrs könnte es noch ein feuchter Sommer werden. Um allerdings ansatzweise wieder reinzuholen, was seit 2018 an Wasser gefehlt hat - dafür müsste es schon sehr viel regnen.

Waldbrandgefahr - das Frühjahr ist zu trocken
Alex Krämer, ARD Berlin
23.04.2020 16:43 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Inforadio am 23. April 2020 um 13:30 Uhr.

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