Ein Arzt in Schutzanzug hält ein Teststäbchen für die Entnahme einer Probe für einen PCR-Test in der Hand. | dpa

Corona-Pandemie in Deutschland Sieben-Tage-Inzidenz steigt auf 1127,7

Stand: 29.01.2022 07:34 Uhr

Erstmals seit Pandemiebeginn steigt die Sieben-Tage-Inzidenz in Deutschland auf mehr als 1100 an. Das RKI meldete 189.166 Neuinfektionen. Am höchsten sind die Werte in den Stadtstaaten Berlin und Hamburg.

Die Zahl der Corona-Neuinfektionen steigt in Deutschland weiterhin rapide an. Nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) verzeichneten die Gesundheitsämter in den vergangenen 24 Stunden 189.166 weitere Fälle. Damit überschreitet die Sieben-Tage-Inzidenz erstmals den Wert von 1100 und liegt nun bei 1127,3.

Noch am Freitag hatte der Inzidenzwert bei 1073,0 gelegen. Vor genau einer Woche meldete das RKI 135.461 nachgewiesene Ansteckungen binnen eines Tages und eine Sieben-Tage-Inzidenz von 772,7. Die Zahl der Todesfälle in Zusammenhang mit einer Corona-Infektion stieg innerhalb eines Tages um 182 auf insgesamt 117.666 seit dem Ausbruch der Pandemie in Deutschland an.

Probleme bei der Datenübermittlung

Derzeit muss das RKI die tagesaktuellen Fallzahlen häufig im Laufe des Tages noch nach oben korrigieren, da die Gesundheitsämter vielerorts überlastet sind und die Daten erst verzögert übermitteln. Darum gehen Experten auch von einer hohen und weiter steigenden Zahl von Infektionen aus, die gar nicht in den RKI-Daten erfasst sind. Zudem melden einige Städte und Kreise seit Tagen Probleme bei der Übermittlung der Corona-Fallzahlen.

Das RKI teilte mit, dass trotz dieser Probleme eine "zuverlässige Einschätzung der Gesamtentwicklung" weiterhin möglich sei und betonte, dass bei der Bewertung des Pandemiegeschehens nicht nur die Infektionszahlen entscheidend seien, sondern "die Entwicklung der Anzahl und Schwere der Erkrankungen im Vordergrund" stehe.

Sieben-Tage-Inzidenz in zehn Bundesländern über 1000

Mittlerweile überschreiten zehn Bundesländer bei der Sieben-Tage-Inzidenz die 1000er-Grenze. Am höchsten sind die Werte in den Stadtstaaten Berlin mit einem derzeitigen Wert von 1846,0 und Hamburg. Die Behörden der Hansestadt verzeichnen 1747,2 Neuinfektionen unter 100.000 Einwohnerinnen und Einwohnern innerhalb einer Woche. Die niedrigsten Werte melden momentan die beiden einstigen Hotspot-Länder Thüringen und Sachsen mit 420,8 und 597,8.

Trotz der hohen Zahl an Neuinfektionen, die vor allem auf die Omikron-Variante des Virus zurückgeführt wird, steigt die bundesweite Impfquote nur noch langsam an. Bis zum Samstag galten laut RKI in Deutschland 73,8 Prozent der Bevölkerung als vollständig geimpft. 43,4 Millionen Menschen haben zudem eine Auffrischungsimpfung erhalten und damit 52,2 Prozent der gesamten Bevölkerung.

Städtetag sieht Nachholbedarf bei einrichtungsbezogener Impfpflicht

In der Politik läuft die Debatte über eine allgemeine Impfpflicht, um den stagnierenden Zahlen entgegenzuwirken. Bereits beschlossen ist die einrichtungsbezogene Impfpflicht, die in rund sechs Wochen in Kraft tritt. Spätestens bis zum 15. März müssen Beschäftigte in Kliniken oder Pflegeheimen ihrem Arbeitgeber einen Impfnachweis vorlegen oder einen Beleg, dass sie sich nicht gegen das Coronavirus impfen lassen können.

Kommen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter dem nicht nach, soll der Arbeitgeber das zuständige Gesundheitsamt informieren, dass dann auch die Tätigkeit des oder der betroffenen Angestellten untersagen kann. Doch angesichts der bereits hohen Belastung der Behörden warnt der Präsident des Deutschen Städtetages, Markus Lewe, dass die einrichtungsbezogene Impfpflicht "ins Leere zu laufen" drohe. Den Gesundheitsämtern würden dann "abertausende Fälle wegen nicht nachgewiesener Impfungen gemeldet, denen sie einzeln nachgehen sollen", warnte er in der "Rheinischen Post". Doch die Verfahren seien viel zu aufwendig und müssten vereinfacht werden. "Wir schlagen stattdessen vor, die Pflicht zur Impfung im Gesetz konsequent mit einem Tätigkeits- und Betretungsverbot zu versehen", forderte Lewe weiter.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 29. Januar 2022 um 09:50 Uhr.