Karfreitagsgottesdienst | dpa

Corona-Maßnahmen Die Kirchen werden unruhig

Stand: 17.04.2020 12:51 Uhr

Manche Geschäfte dürfen nächste Woche wieder öffnen, Gottesdienste sind aber weiter verboten. Aus Sicht der Kirchen muss darüber noch mal geredet werden. Heute treffen sich Vertreter der Religionen mit der Bundesregierung.

Wann und in welcher Form können Gottesdienste in Deutschland wieder stattfinden? Das Bundesinnenministerium berät darüber heute mit Religionsvertretern.

Staatssekretär Markus Kerber hat Repräsentanten der katholischen und evangelischen Kirche, des Zentralrats der Juden, der orthodoxen Kirche sowie des Koordinierungsrats der Muslime eingeladen. Bei dem Gedankenaustausch soll es auch darum gehen, wie Begräbnisse in Zeiten der Corona-Pandemie stattfinden sollen.

Der Beauftragte der Bundesregierung für weltweite Religionsfreiheit, Markus Grübel, forderte rasche Lockerungen. Es sei wichtig, dem religiösen Leben zügig wieder mehr Freiheit einzuräumen, erklärte der CDU-Politiker. "Es ist nicht länger zu rechtfertigen, dass Baumärkte ‎geöffnet sind, aber der Kirchenbesuch verboten ist", ergänzte Grübel.

Der Kirchenbeauftragte der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Hermann Gröhe, sagte, er hoffe sehr, "dass in Kirchen, Moscheen und Synagogen zeitnah wieder öffentliche Gottesdienste gefeiert werden dürfen".

Woelki: "Verfassungsrecht der freien Religionsausübung"

Die Kirchen selbst pochen auch auf ihre grundgesetzlich garantierten Rechte. "Es ist notwendig, dass nicht nur der Einzelhandel öffnet, sondern dass auch die Kirchen wieder öffentliche Gottesdienste abhalten können und auch die anderen Religionsgemeinschaften - und zwar ist das notwendig, um das Verfassungsrecht der freien Religionsausübung zu schützen und auch einzufordern", sagte der Erzbischof von Köln, Rainer Maria Kardinal Woelki, der ARD.

ARD-Rechtsexperte Frank Bräutigam verweist darauf, dass das Bundesverfassungsgericht vor Ostern festgestellt habe, dass das Gottesdienstverbot ein überaus schwerer Eingriff in die Glaubensfreiheit sei. "Es hat deswegen angemahnt, dass die Behörden in regelmäßigen Abständen überprüfen müssen, ob das komplette Verbot noch verhältnismäßig ist. Oder ob unter strengen Auflagen, oder nur in bestimmten Regionen, eine Lockerung möglich ist." Zudem fügte das Gericht hinzu, dass diese Grundsätze für alle Religionsgemeinschaften gelten, die vom Verbot schwer betroffen sind, weil gemeinsame Zusammenkünfte zentraler Bestandteil ihres Glaubens seien, so Bräutigam.

Anhaltendes Verbot

Bund und Länder hatten sich bei ihren Beratungen am Mittwoch darauf geeinigt, dass gemeinschaftliche Gottesdienste noch nicht wieder erlaubt werden. Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Georg Bätzing, hatte das als unverständlich kritisiert. Im Interview mit der "Welt" vom Donnerstag zeigte er sich überzeugt, dass Kirchen bereits jetzt die notwendigen Hygienevorschriften umsetzen sowie den angeordneten Mindestabstand in Gottesdiensten gewährleisten könnten.

Der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime (ZMD), Aiman Mazyek, unterstrich, der Schutz von Gesundheit und Menschenleben müsse Priorität haben. "So schwer es uns fällt, unsere Moscheen im Heiligen Monat Ramadan weiter geschlossen zu halten, so ist es unsere religiöse und bürgerliche Verantwortung, in der aktuellen Phase genau das zu tun", sagte er der Deutschen Presse-Agentur.

Kerber würdigt Muslime

Kerber würdigte das Engagement muslimischer Gemeinden im Kampf gegen die Corona-Pandemie. Sie zeigten "ein hohes Maß an Verantwortungsgefühl und Solidarität für unsere Gesellschaft", sagte der Staatssekretär den Zeitungen der Funke Mediengruppe. "Damit wird der Zusammenhalt in unserer Gesellschaft erneuert und gestärkt."

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, zeigte sich am Donnerstag zuversichtlich, dass das Treffen mit der Bundesregierung "sehr bald zu einvernehmlichen Klärungen führt, die verantwortbare Formen des Gottesdienstes in unseren Kirchen wieder ermöglichen".

Papst warnt vor Folgen der Gottesdienstverbote

Generell zum Thema Gottesdienstverbote in der Corona-Krise äußerte sich auch der Papst. In medialen Gottesdiensten seien die Menschen "zusammen und doch nicht zusammen", sagte Franziskus im Vatikan. Zur Kirche gehörten die Gemeinschaft und die Sakramente. Wörtlich sprach er von einer "Gefahr", wenn religiöse Kommunikation nur über Medien stattfinde.

Über dieses Thema berichteten die tagesthemen am 16. April 2020 um 22:45 Uhr.