Anja Karliczek | dpa

Bis zum Ende der Sommerferien Karliczek fordert Impf-Fahrplan für Schüler

Stand: 24.05.2021 08:36 Uhr

Bildungsministerin Karliczek dringt auf einen Fahrplan für Impfungen von Kindern und Jugendlichen. Nur so könne der Schulbetrieb nach den Ferien weitgehend normal beginnen. CSU-Chef Söder warnt indes vor Pessimismus.

Bundesbildungsministerin Anja Karliczek hat einen Fahrplan für Impfungen von Kindern und Jugendlichen ab zwölf Jahren in allen Bundesländern gefordert. "Es wäre wünschenswert, wenn es schon sehr zeitnah in allen Bundesländern einen Impffahrplan für die Kinder und Jugendlichen ab zwölf Jahren geben könnte", sagte Karliczek den Zeitungen der Funke Mediengruppe.

Nach dem Willen der Ministerin soll sich der Impfgipfel von Bund und Ländern in der kommenden Woche mit dem Thema befassen. "Ich möchte, dass vor allem nach den Sommerferien überall der Schulbetrieb wieder relativ normal beginnen kann", sagte Karliczek. "Dafür wäre es sehr hilfreich, wenn möglichst viele Schülerinnen und Schüler geimpft wären", so die CDU-Politikerin.

BioNTech-Dosen für Schülerinnen und Schüler reservieren

Zudem solle bis zum kommenden Schuljahr "wirklich flächendeckend allen Lehrkräften ein Impfangebot gemacht werden", forderte die Ministerin. Sie sei überzeugt, dass sich die Europäische Arzneimittelbehörde EMA die Sicherheit und Wirksamkeit der Impfstoffe von BioNTech/Pfizer sowie Moderna für die Altersgruppe ab zwölf Jahren "ganz genau anschaut", sagte die Ministerin.

Zuvor hatte bereits Gesundheitsminister Jens Spahn aufgerufen, BioNTech-Impfdosen für Schüler bereitzuhalten, damit die Schulen wieder öffnen können. "Ein Weg zu regulärem Unterricht nach den Sommerferien ist das Impfen der Jugendlichen", hatte Spahn der "Bild am Sonntag" gesagt. "Das erklärte Ziel ist, dass die Länder den minderjährigen Schülerinnen und Schülern bis Ende August ein Impfangebot machen. Weil für sie wegen der Zulassung nur ein bestimmter Impfstoff infrage kommt, müssen dafür genügend BioNTech-Dosen reserviert werden."

Die EMA arbeitet derzeit an einer beschleunigten Zulassung des BioNTech/Pfizer-Vakzins für Zwölf- bis 15-Jährige. Die USA haben bereits damit begonnen, Kinder und Jugendliche ab zwölf Jahren gegen das Coronavirus zu impfen.

Keine verlorene Generation

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder warnte davor, die Lage an den Schulen in der Pandemie allzu zu negativ zu bewerten. "Wir dürfen den Schülern nicht einreden, sie seien eine verlorene Generation", sagte der CSU-Chef den Zeitungen der Funke Mediengruppe. "Die Coolsten in diesem Corona-Jahr waren die Schülerinnen und Schüler - da wirkten manche Lehrer- und Elternverbände nervöser", sagte Söder. "Ich glaube zum Beispiel nicht, dass das Abi in diesem Jahr schlechter ausfallen wird."

Gleichwohl ist die Lebenszufriedenheit von Kindern und Jugendlichen einer Umfrage zufolge während der Corona-Pandemie um 21 Prozent gesunken. Mehr als die Hälfte von ihnen wurde im laufenden Schuljahr unglücklicher, wie die Krankenkasse DAK-Gesundheit mitteilte. Gleichzeitig nahmen emotionale Probleme zu.

Entbehrungen für viele Jugendliche

Die Grünen wollen die Folgen der Pandemie für Kinder und Jugendliche unter anderem mit kostenlosen Interrail-Tickets, Geldern für Sportvereine und Urlaubsgutscheinen abmildern. "Es braucht Angebote für Kinder und Jugendliche, das Versäumte aufzuholen und für Familien, um endlich mal wieder inne zu halten und Luft zu holen", sagte die Fraktionsvorsitzende Katrin Göring-Eckardt dem "Redaktionsnetzwerk Deutschland".

Es seien nicht nur wichtige Schulstunden im Klassenzimmer verpasst worden, "sondern auch Kindergeburtstage, neue Freundschaften, Klassenfahrten, der erste Kuss in der Schulhofecke, Abschlussbälle und Auslandssemester", sagte Göring-Eckardt.

Kinder und Jugendliche hätten viele Entbehrungen auf sich genommen, heißt es in einem Positionspapier Göring-Eckardts und der Familienpolitikerinnen Ekin Deligöz und Maria Klein-Schmeink. "Bei vielen Familien ist einfach der Akku leer", heiß es. Das Papier sieht etwa Urlaubsgutscheine für ärmere Familien vor, die nicht auf die Sozialleistungen angerechnet werden.

Kostenlose Interrail-Tickets

Die Politikerinnen fordern auch ein kostenloses Interrail-Ticket für all jene, die während der Pandemie die Volljährigkeit erreicht haben. Denn Reisen seien "für viele junge Menschen ein wichtiger Schritt ins Erwachsenenleben". Der Weg in die Eigenständigkeit erfordere den Blick über den Tellerrand. "Wer in der Pandemie 18 geworden ist, erhält ein kostenloses Interrail-Ticket, um coronagerecht Europa zu erfahren und zu erleben", fordern Göring-Eckhardt und ihre Kolleginnen im Positionspapier.

Der Bund müsse zudem jeder Kommune ein Sonderbudget zur Entwicklung von Freizeitangeboten für Familien zur Verfügung stellen. Denkbar sei die Finanzierung von Open-Air-Konzerten, Kindertheatern oder Familienworkshops.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 24. Mai 2021 um 09:00 Uhr.

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