Eine Hanfpflanze | Bildquelle: AFP

Ein Jahr Cannabis auf Rezept Grün ist die Hoffnung

Stand: 10.03.2018 02:37 Uhr

Ein Jahr nach der Freigabe lassen sich immer mehr Patienten in Deutschland Cannabis zu medizinischen Zwecken verschreiben. Doch noch immer gibt es keine Langzeitstudie zu den Folgen des Konsums.

Von Maiken Nielsen, tagesschau.de

Bad Bramstedt hat eine Vision: Ein Hochsicherheitslager, in dem Ware im Wert von Millionen von Euro gelagert werden soll, Sicherheitsstufe drei, Alarmanlage mit Verbindung zur Polizei, alle Schikanen. In der schleswig-holsteinischen Kleinstadt entsteht Deutschlands größtes Cannabislager - betrieben von Nuuvera, einem kanadischen Hersteller von medizinischem Cannabis.

"Uns geht es vor allem um die Versorgungssicherheit", sagt Hendrik Knopp, Geschäftsführer von Nuveera Deutschland, zu tagesschau.de. "Wenn ein Patient eine Cannabis-Therapie beginnt und das Medikament dann nach zwei Monaten nicht mehr verfügbar ist, dann hat er ein Problem."

Dieses Problem kennt Vaclac Wenzel Cerveny aus eigener Anschauung. Der Münchner Gastronom bereitet seit mehr als einem Jahr die Eröffnung eines Cannabistherapie-Zentrums vor. Seine Mutter leidet an Rheuma und Alzheimer. Cerveny versuchte, ihr mit Cannabinoiden zu helfen. "Doch sehr häufig ist das medizinische Cannabis nicht lieferbar", klagt er. "Die Apotheken haben es schlichtweg nicht."

"Lieferschwierigkeiten gibt es deshalb, weil Cannabis aus dem Ausland importiert werden muss", sagt Reiner Kern, Sprecher der Bundesapothekerkammer zu tagesschau.de. "Und zwar aus Ländern, die eine eigene staatliche Cannabisagentur und somit bestimmte Qualitätsanforderungen haben, also die Niederlande und Kanada. Und Cannabis gewinnt man nicht chemisch, das muss erst einmal wachsen."

Mit Cannabis gegen Parkinson?
nachtmagazin 00:15 Uhr, 11.04.2017, Lida Askari/Nil Cakmak, NDR

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Unternehmen im Goldrausch

Weitere Engpässe zeichnen sich jetzt schon ab. Denn seit der Freigabe durch die  bundesdeutsche Cannabisagentur, einer Abteilung im Bundesgesundheitsministerium, verzeichnen Apotheken eine rasant wachsende Zahl eingereichter Rezepte. "Die Tendenz steigt von Quartal zu Quartal", sagt Andreas Kiefer, Präsident der Bundesapothekenkammer.

Der bayerische Arzneihersteller Bionorica hat mit seinem Cannabis-Mittel Dronabinol den Umsatz 2017 verdoppeln können. Die Nachfrage ist riesig - Unternehmen sprechen von einem Goldrausch. Legal zum Cannabis-Millionär! Hasch dich reich!

Künftig aber soll das "Gras" auf deutschem Boden wachsen. Die Cannabisagentur hat ein Ausschreibungsverfahren eingeleitet. 6600 Kilo medizinisches Cannabis soll über die nächsten vier Jahre hierzulande angebaut werden. Die erste Ernte unter staatlicher Aufsicht ist für 2019 geplant.

Noch immer keine Langzeitstudie

Dabei gibt es noch immer keine Langzeitstudien zu Risiken und Nebenwirkungen von Cannabinoiden oder Tetrahydrocannabinol. Zwar gibt es eine  Erhebungsstudie im Auftrag der Cannabisagentur, für die Ärzte verschlüsselte Daten über ihre Patienten liefern. Doch bis die Daten soweit ausgewertet sind, dass daraus überhaupt ein Forschungsauftrag abgeleitet werden kann, wird es voraussichtlich noch sechs bis zwölf Monate dauern.

Knopp spricht sich deshalb dafür aus, das Geschäft in Deutschland langsam und vorsichtig zu betreiben. Allerdings greift er auf mehrere kleinere Studien aus Kanada zurück, die gute Ergebnisse im Umgang mit Kriegsveteranen zeigen, die an post-traumatischen Stresssymptomen leiden. "Auch bei Schmerzpatienten und Menschen, die an Depressionen und Burnout leiden, hat sich die Cannabis-Therapie in Kanada als wirksam erwiesen", so Knopp zu tagesschau.de.

Cannabis-Gewächshaus | Bildquelle: Marcus Schuler/ARD
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Cannabis-Gewächshaus

Ein Drittel der Anträge abgelehnt

Die vier großen Krankenkassen AOK, DAK, TK und Barmer lehnten etwa ein Drittel der Anträge auf Kostenerstattung für Cannabis-Behandlungen ab. Das liege allerdings nicht an den fehlenden Langzeitstudien zur Wirksamkeit, sondern daran, dass das Gesetz zur Freigabe nicht deutlich genug sei, sagt DAK-Sprecher Helge Dickau zu tagesschau.de. "Es sind beispielsweise keine Indikationen angegeben, für die Cannabis als Therapie geeignet ist. Wäre das Gesetz konkreter, müssten wir nicht jedes Mal Gutachten vom Medizinischen Dienst der Krankenversicherung einholen, was den Prozess beschleunigen würde."

Kern gibt dabei zu bedenken, vor welchem Hintergrund das Gesetz zur Freigabe überhaupt erlassen wurde. "Wir hatten vorher knapp 1000 Patienten, die eine individuelle Sondererlaubnis vom Bundesinstitut für Arzneimittel hatten, um Cannabis als Arzneimittel einzusetzen. Das war keine saubere Rechtsgrundlage." Um dieses Graufeld aufzulösen, wurde die Cannabisagentur gegründet. Der Rest folgt Schritt für Schritt.

Bad Bramstedt jedenfalls begrüßt das neue Cannabis-Hochsicherheitslager auf seinem Stadtgebiet. "Als die Pläne bekannt wurden, gab es zwar besorgte Eltern, die  hier nun eine Rauschgift-Hochburg witterten", sagt der Stellvertretende Bürgermeister Burkhard Müller zu tagesschau.de.  "Aber es geht ja um Medikamente. Und wir sind eine Medizinproduktstadt mit zwei großen Kliniken. Insofern sagen wir: Das passt zu uns."

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 8. März 2018 um 19:45 Uhr.

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