Stiefel von Bundeswehrsoldaten | picture alliance / dpa

Abzug aus Litauen Schwere Vorwürfe gegen Bundeswehrsoldaten

Stand: 15.06.2021 09:17 Uhr

Sexuelle Nötigung, Rassismus, Extremismus - schwere Vorwürfe werden gegen mehrere Bundeswehrsoldaten in Litauen erhoben. Das teilte das Verteidigungsministerium den Obleuten im Bundestag mit. Vier Soldaten wurden abgezogen.

Die Bundeswehr hat vier deutsche Soldaten der NATO-Mission "Enhanced Forward Presence" in Litauen nach schweren Vorwürfen abgezogen. Ermittlungen durch den Kompaniechef und durch Feldjäger hätten den Anfangsverdacht auf Straftaten wie sexuelle Nötigung, Beleidigung, womöglich auch mit rassistischem Hintergrund, und Nötigung sowie auf extremistische Verhaltensweisen ergeben, teilte das Verteidigungsministerium den Obleuten im Bundestag mit. "Betroffen sind nach jetzigem Kenntnisstand zehn Soldaten", hieß es in einem Schreiben, das dem ARD-Hauptstadtstudio vorliegt.

Antisemitische Lieder und Video eines sexuellen Übergriffs

Zuerst hatte der "Spiegel" berichtet. Nach einer exzessiven Party liefen demnach gegen mehrere Soldaten Ermittlungen. Dabei sollen in einem Hotel Ende April rechtsradikale und antisemitische Lieder gesungen worden sein, berichtete das Magazin weiter. Ein mutmaßlicher sexueller Übergriff soll auch gefilmt worden sein. Der Vorfall sei am 8. Juni von einem Soldaten gemeldet worden, hieß es in der Obleuteunterrichtung.

Ein Wehrdisziplinaranwalt sei eingeschaltet. Die möglichen Täter und Opfer wurden räumlich voneinander getrennt. Ein Geschädigter sei am Freitag nach Rücksprache mit Mitarbeitern der Truppenpsychologie und der Militärseelsorge zurück nach Deutschland gebracht worden. Die Mission "Enhanced Forward Presence" ist Teil der NATO-Abschreckung gegenüber Russland.

Müller: "Parlamentarier zu spät unterrichtet"

"Für das gemeldete Fehlverhalten gibt es keine Entschuldigung", sagte der FDP-Verteidigungspolitiker Alexander Müller. "Die Schilderungen müssen disziplinarisch untersucht und entsprechend geahndet werden." Das Fehlverhalten einzelner Soldaten dürfe aber nicht das Ansehen aller anderen Kameraden beschmutzen. Er kritisierte, die Parlamentarier seien erneut zu spät unterrichtet worden.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 15. Juni 2021 um 00:00 Uhr in den Nachrichten.