15. Bundesversammlung vor der Wahl des Bundespräsidenten
Hintergrund

Wie die Präsidenten gewählt wurden 24 Wahlgänge, 15 Sieger, 11 Präsidenten

Stand: 18.03.2012 14:25 Uhr

Seit 1949 wählt die Bundesversammlung laut Grundgesetz den Bundespräsidenten. Oft fiel die Entscheidung über das neue Staatsoberhaupt bereits im ersten Wahlgang - so auch diesmal bei der Wahl Joachim Gaucks. Er erreichte auf Anhieb die im ersten Wahlgang erforderliche absolute Mehrheit der Mitglieder der Bundesversammlung. Drei Mal in der Geschichte der Bundesrepublik waren jedoch sogar drei Wahlgänge notwendig, ehe der neue Bundespräsident feststand. Dabei genügte am Ende die einfache Mehrheit.

15. Bundesversammlung vor der Wahl des Bundespräsidenten

Die 15. Bundesversammlung wählte Joachim Gauck zum Bundespräsidenten.

Erst einmal standen nicht mindestens zwei Bewerber zur Wahl: 1989 wurde Richard von Weizsäcker ohne Gegenkandidat im Amt bestätigt. tagesschau.de dokumentiert die Ergebnisse aller bisherigen Bundespräsidentenwahlen.

1. Bundesversammlung (12.September 1949)
Mitglieder der Bundesversammlung 804
absolute Mehrheit bei 403
Wahlgänge 2
Kandidat 1. Wahlgang 2. Wahlgang
Theodor Heuss (FDP) 377 416
Kurt Schumacher (SPD) 311 312
Stimmen für nicht nominierte Kandidaten 37 32
Enthaltungen 76 37
ungültige Stimmen 2 3
abgegebene Stimmen 803 800
2. Bundesversammlung (17. Juli 1954)
Mitglieder der Bundesversammlung 1018
absolute Mehrheit bei 510
Wahlgänge 1
Kandidat 1. Wahlgang
Theodor Heuss (FDP) 871
Alfred Weber (SPD)* 12
Stimmen für nicht nominierte Kandidaten 6
Enthaltungen 95
ungültige Stimmen 3
abgegebene Stimmen 987

*Gegen seinen Willen von der KPD vorgeschlagen

3. Bundesversammlung (1. Juli 1959)
Mitglieder der Bundesversammlung 1038
absolute Mehrheit bei 520
Wahlgänge 2
Kandidaten 1. Wahlgang 2. Wahlgang
Heinrich Lübke (CDU) 517 526
Carlo Schmid (SPD) 385 386
Max Becker (FDP) 104 99
Enthaltungen 25 22
ungültige Stimmen 0 0
abgegebene Stimmen 1031 1033
4. Bundesversammlung (1. Juli 1964)
Mitglieder der Bundesversammlung 1042
absolute Mehrheit bei 522
Wahlgänge 1
Kandidat 1. Wahlgang
Heinrich Lübke (CDU) 710
Ewald Bucher (FDP) 123
Enthaltungen 187
ungültige Stimmen 4
abgegebene Stimmen 1024
5. Bundesversammlung (5. März 1969)
Mitglieder der Bundesversammlung 1036
absolute Mehrheit bei 519
Wahlgänge 3
Kandidat 1. Wahlg. 2. Wahlg. 3. Wahlg.
Gustav Heinemann (SPD) 514 511 512
Gerhard Schröder (CDU) 501 507 506
Enthaltungen 5 5 5
ungültige Stimmen 3 0 0
abgegebene Stimmen 1023 1023 1023
6. Bundesversammlung (15. Mai 1974)
Mitglieder der Bundesversammlung 1036
absolute Mehrheit bei 519
Wahlgänge 1
Kandidat 1. Wahlgang
Walter Scheel (FDP) 530
Richard von Weizsäcker (CDU) 498
Enthaltungen 5
ungültige Stimmen 0
abgegebene Stimmen 1033
7. Bundesversammlung (23. Mai 1979)
Mitglieder der Bundesversammlung 1036
absolute Mehrheit bei 519
Wahlgänge 1
Kandidat 1. Wahlgang
Karl Carstens (CDU) 528
Annemarie Renger (SPD) 431
Enthaltungen 72
ungültige Stimmen 1
abgegebene Stimmen 1032
8. Bundesversammlung (23. Mai 1984)
Mitglieder der Bundesversammlung 1040
absolute Mehrheit bei 521
Wahlgänge 1
Kandidat 1. Wahlgang
Richard von Weizsäcker (CDU) 832
Luise Rinser (parteilos) 68
Enthaltungen 117
ungültige Stimmen 11
abgegebene Stimmen 1028
9. Bundesversammlung (23. Mai 1989)
Mitglieder der Bundesversammlung 1038
absolute Mehrheit bei 520
Wahlgänge 1
Kandidat 1. Wahlgang
Richard von Weizsäcker (CDU) 881
Nein-Stimmen 108
Enthaltungen 30
ungültige Stimmen 3
abgegebene Stimmen 1022
10. Bundesversammlung (23. Mai 1994)
Mitglieder der Bundesversammlung 1324
absolute Mehrheit bei 663
Wahlgänge 3
Kandidat 1. Wahlg. 2. Wahlg. 3. Wahlg.
Roman Herzog (CDU) 604 622 696
Johannes Rau (SPD) 505 559 605
Hildegard Hamm-Brücher (FDP) 132 126 -
Jens Reich (parteilos) 62 - -
Hans Hirzel (REP) 12 11 11
Enthaltungen 2 0 7
ungültige Stimmen 2 1 1
abgegebene Stimmen 1319 1319 1320
11. Bundesversammlung (23. Mai 1999)
Mitglieder der Bundesversammlung 1338
absolute Mehrheit bei 670
Wahlgänge 2
Kandidat 1. Wahlgang 2. Wahlgang
Johannes Rau (SPD) 657 690
Dagmar Schipanski (CDU) 588 572
Uta Ranke-Heinemann (parteilos) 69 62
Enthaltungen 17 8
ungültige Stimmen 2 1
abgegebene Stimmen 1333 1333
12. Bundesversammlung (23. Mai 2004)
Mitglieder der Bundesversammlung 1204
absolute Mehrheit bei 603
Wahlgänge 1
Kandidat 1. Wahlgang
Horst Köhler (CDU) 604
Gesine Schwan (SPD) 589
Enthaltungen 9
ungültige Stimmen 2
abgegebene Stimmen 1204
13. Bundesversammlung (23. Mai 2009)
Mitglieder der Bundesversammlung 1224
absolute Mehrheit bei 613
Wahlgänge 1
Kandidat 1. Wahlgang
Horst Köhler (CDU) 613
Gesine Schwan (SPD) 503
Peter Sodann (parteilos) 91
Frank Rennicke (NPD) 4
Enthaltungen 10
ungültige Stimmen 2
abgegebene Stimmen 1223
14. Bundesversammlung (30. Juni 2010)
Mitglieder der Bundesversammlung 1244
absolute Mehrheit bei 623
Wahlgänge 3
Kandidat 1. Wahlg. 2. Wahlg. 3. Wahlg.
Christian Wulff (CDU) 600 615 625
Joachim Gauck (parteilos) 499 490 494
Lukrezia Jochimsen (Die Linke) 126 123 -
Frank Rennicke (NPD) 3 3 -
Enthaltungen 13 7 121
ungültige Stimmen 1 1 2
abgegebene Stimmen 1242 1239 1242
15. Bundesversammlung (18. März 2012)
Mitglieder der Bunderversammlung 1240
absolute Mehrheit bei 621
Wahlgänge 1
Kandidat 1. Wahlgang
Joachim Gauck (parteilos) 991
Beate Klarsfeld (parteilos) 126
Olaf Rose (NPD) 3
Enthaltungen 108
ungültige Stimmen 4
abgegebene Stimmen 1232

Quelle: Bundestag

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KOMMENTARE

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MisterEde 18.03.2012 • 21:05 Uhr

Reden

"Oder wie hätten Ihrer Meinung nach die Abgeordneten stimmen sollen, die weder Gauck noch Klarsfeld als Präsident/in haben wollen?" Sprechen Sie Klarsfeld und Gauck die Befähigung ab, dieses Amt auszufüllen? Wenn jemand etwas ernsthaftes gegen Gauck hat kann er Klarsfeld wählen, und wenn jemand etwas ernsthaftes gegen Klarsfeld hat kann er Gauck wählen. Ein guter Demokrat muss die wichtigen Erfolge von Gauck und Klarsfeld über kleinere Diskrepanzen stellen, das gebietet der Anstand gegenüber den Personen und dem höchsten demokratischen Amt. Wenn ein zur Wahl aufgerufener Politiker aber wirklich ernsthaft an der Befähigung der beiden Kandidaten zweifelt, dann darf er nicht feige sein, sondern muss diese Meinung laut und deutlich äußern. Wenn jeder Bürger bei der Wahl sich enthält, weil ihm ein Teilpunkt des Wahlprogramms nicht passt, dann hätten wir hier 100% Enthaltungen.