Armin Laschet (CDU, l), Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, spricht im Plenum des Landtages mit dem Chef der Staatskanzlei, Nathanael Liminski (CDU) | dpa

Unions-Kanzlerkandidat Laschets Leute

Stand: 11.07.2021 05:14 Uhr

Strippenzieher, Spin-Doktoren, Zweckgemeinschaften: Wer sind die Menschen, die im Hintergrund für Kanzlerkandidat Laschet arbeiten? Auf wen kann er sich verlassen - und warum eigentlich?

Von Jochen Trum, WDR

Armin Laschet will im September Bundeskanzler werden. Der nordrhein-westfälische Ministerpräsident und CDU-Vorsitzende hat einen kleinen, aber engen Kreis von Mitarbeitern und Vertrauten, die ihn zum Teil seit Jahren begleiten. 

Nathanael Liminski

Ein Name fällt in diesem Zusammenhang immer. Der erst 35 Jahre alte Chef der Staatskanzlei, Nathanael Liminski, ist Laschets wichtigster Weggefährte der vergangenen Jahre. Seit er 2014 in die CDU-Landtagsfraktion kam und dort als Geschäftsführer die Geschicke der Opposition in die Hand nahm, ist er für Laschet so etwas wie der Dreh- und Angelpunkt seines politischen Handwerks. Liminski ordnete und organisierte im Auftrag des damaligen Fraktionsvorsitzenden Laschet. Er sorgte dafür, dass sein Chef, der bisweilen eher wie ein politischer Improvisationskünstler agierte, eine verlässliche Struktur bekam.

Auf einmal konnten Beobachter Laschet auf den Landtagsfluren mit Aktenordner unterm Arm sehen, ein Anblick, an den manche sich erst gewöhnen mussten. Bis heute ist Liminski wahlweise Cheforganisator, Strippenzieher, Spin-Doktor. Er sortiert das aufwändige Regierungsgeschäft, aber auch für ihn, so ist in Düsseldorf immer wieder zu hören, hat der Tag nur 24 Stunden. "Liminski kann doch nicht überall sein", heißt es, vor allem dann, wenn im Regierungsbetrieb mal wieder etwas schiefläuft. Da schwingt womöglich etwas zu viel Ehrfurcht mit, richtig ist aber, dass so ziemlich alle wichtigen Dinge über Liminskis Tisch laufen. 

In der Pandemie oder bei größeren politischen Vorhaben wie etwa dem Beschluss zum Ausstieg aus der Braunkohle ist es Liminski, der in Hintergrundrunden mit Journalisten die Politik erläutert, Details vorträgt und geduldig erklärt. Dabei tritt er stets ruhig und überlegt auf, ist freundlich und zuvorkommend. Dass er auch in die Rolle des Zuchtmeisters zu schlüpfen weiß, lässt sich aus Erzählungen von Mitgliedern des Landeskabinetts schließen. Aber schlecht über ihn reden hört man in Düsseldorf kaum jemanden.

Nathanael Liminski | picture alliance/dpa

Nathanael Liminski: Nicht nur der Humor verbindet ihn mit Laschet. Bild: picture alliance/dpa

Ein Doppel mit Gemeinsamkeiten   

Anders als Laschet gilt Liminski als konservativ. Er ist eines von zehn Kindern des kürzlich verstorbenen Publizisten Jürgen Liminski. Dass der Vater Mitglied in der katholischen Gemeinschaft Opus Dei war und auch für rechte Blätter wie die "Junge Freiheit" schrieb, dient in den sozialen Medien dem ein oder anderen als Beleg für die angebliche Rückwärtsgewandtheit des Sohnes. Gelegentlich holt Nathanael Liminski dieser Tage auch seine eigene Vergangenheit als Mitbegründer der papsttreuen Initiative "Generation Benedikt" ein. Doch das ist lange her und taugt kaum zur Beurteilung des jetzigen Chefs der Staatskanzlei. Jüngere Äußerungen, aus denen sich ein äußerst konservatives Weltbild ergeben würde, gibt es nicht.

Laschet und Liminski sind ein eher ungleiches Doppel, haben aber eine Gemeinsamkeit: ihren Humor. Sie lachen gern und oft, durchaus über sich selbst, auch mal über andere. Zu beobachten war das etwa in einer Landtagssitzung, als der SPD-Oppositionsführer am Rednerpult einen ausgesprochen treffenden Witz auf Kosten des anwesenden CDU-Justizministers machte. Wie zwei Schuljungen schüttelten sich Laschet und Liminski vor Lachen auf der Regierungsbank und konnten sich kaum einkriegen.

Egal mit wem man in der nordrhein-westfälischen CDU oder im politischen Düsseldorf dieser Tage spricht: Dass Liminski Laschet nach Berlin folgen würde, bezweifelt niemand. Als Chef des Bundeskanzleramtes, vielleicht. So einfach, wie in Düsseldorf seine rechte Hand zum Chef der Staatskanzlei zu machen, dürfte es in Berlin aber auch im Erfolgsfall nicht werden.    

Paul Ziemiak

Apropos Berlin: Wer von Düsseldorf aus ins Kanzleramt will, braucht in der Bundeshauptstadt politische Vorposten. Vertraute, die Augen und Ohren offenhalten. Paul Ziemiak, der Generalsekretär der CDU, stammt ebenfalls aus Nordrhein-Westfalen, er und Liminski kennen sich lange und bestens. Der Iserlohner ist sogar Patenonkel eines der Kinder der Liminskis. Seit Laschet an der Spitze der CDU steht, ist Ziemiak trotz seiner erst 35 Jahre auch für ihn zu einer wichtigen Figur geworden. Er führt die CDU-Zentrale, organisiert den Wahlkampf und hält Laschet, wenn er nicht gerade selbst in Berlin sein kann, den Rücken frei.

Die beiden verbindet weniger eine Männerfreundschaft, sie bilden eine politische Zweckgemeinschaft. Laschet will Kanzler werden, dafür braucht er einen funktionierenden Apparat. Wenn der Plan mit Hilfe von Ziemiak und dem Adenauerhaus aufgeht, dürfte sich der Generalsekretär für höhere Aufgaben empfehlen. Eine erste Kostprobe seines Organisationstalents, so sehen es zumindest viele in der CDU, war der reibungslose Ablauf des ersten digitalen Bundesparteitags im Januar, bei dem Laschet sich gegen die Konkurrenten Friedrich Merz und Norbert Röttgen durchsetzen konnte.  

Mark Speich

Auch Mark Speich, Staatssekretär und Leiter der NRW-Landesvertretung in Berlin, wirkt im politischen Zentrum der Republik. Hinter den Kulissen in die feineren Töne hineinhören, so beschreibt er selbst seinen Job. Kontakte knüpfen, vor allem auf internationaler Ebene, das gehört zu den Aufgaben des smarten Politikwissenschaftlers, der stets bedächtig und druckreif formuliert. Der damalige Integrationsminister Laschet lernte ihn kennen, als Speich für die Vodafone-Stiftung (Motto: "Bildung neu denken") arbeitete. Über das Thema fanden die beiden zusammen. Speich, der auch offiziell für die internationalen Beziehungen des Ministerpräsidenten zuständig ist, begleitete seinen Chef auf Auslandsreisen nach Israel und zum Papst nach Rom.

Mark Speich | picture alliance/dpa/dpa-Zentral

Staatssekretär Mark Speich: Der Mann, der hinter den Kulissen auf die feineren Töne achten will. Bild: picture alliance/dpa/dpa-Zentral

Ein besonderer Blick gilt Frankreich: Speich kümmert sich um die Aufgaben, die Ministerpräsidenten Laschet in seiner Rolle als Kulturbevollmächtigter der Länder für die deutsch-französischen Beziehungen hat. Wenn Laschet, wie jüngst, in seiner Heimatstadt Aachen, den Präsidenten des Regionalrats von Hauts-de-France, Xavier Bertrand, trifft, ist Speich mit dabei. Dabei geht es um mehr als einen Austausch zwischen einem Regionalpolitiker aus Frankreich und einem Länderchef aus Deutschland. Bertrand macht sich Hoffnung mit Blick auf die Präsidentschaftswahlen im Nachbarland im kommenden Jahr, Laschet hat ebenfalls große Pläne. Da kann ein öffentlichkeitswirksames Treffen nicht schaden.

Katrin Kohl

Weniger bekannt, dafür aber enorm wichtig, ist Laschets langjährige Büroleiterin Katrin Kohl. Seit Jahren schon begleitet sie ihn, ist häufig an seiner Seite zu sehen und hilft ihm nun, bei den zahllosen Verpflichtungen nicht den Überblick zu verlieren. Dabei hält sich die Abteilungsleiterin in der Staatskanzlei stets im Hintergrund. Im Landtag lässt sich beobachten, wie die zierliche Regierungsmitarbeiterin ihrem Chef stapelweise Unterschriftenmappen hinterherträgt. Kohl gilt als ausgesprochen fleißig, zudem besitze sie eine große Leidensfähigkeit, ist zu hören. Das spielt an auf die mitunter chaotische Arbeitsweise ihres Chefs, die das Nervenkostüm seines unmittelbaren Umfelds regelmäßig auf die Probe stellt.

Herbert Reul

Wer sich nach den wichtigsten politischen Unterstützern Laschets erkundigt, hört immer wieder den Namen Peter Hintze. Der einstige CDU-Generalsekretär und Vizepräsident des Bundestages verstarb 2016, war bis dahin der engste Förderer und Vertraute des Aacheners. Einen vergleichbaren politischen Freund gibt es bis heute nicht. Das Verhältnis Laschets zu Herbert Reul, Landesinnenminister und CDU-Urgestein, hat schon bessere Tage gesehen. Reul, der auch Bezirksvorsitzender der CDU im Bergischen Land ist, hat Laschet zwar stets unterstützt, seine eigenen Ambitionen, den Kanzlerkandidaten als Landesvorsitzenden der CDU zu beerben, sorgen bei vielen in der Partei aber derzeit für Kopfzerbrechen.

Herbert Reul | picture alliance / Flashpic

Landesinnenminister Herbert Reul: Das Verhältnis zu Laschet war schon besser. Bild: picture alliance / Flashpic

Mit fast 70 Jahren stünde Reul nicht für Aufbruch, was mit Blick auf die anstehenden Landtagswahlen 2022 zu einer Belastung werden könnte. In den Reihen der Christdemokraten an Rhein und Ruhr heißt es, dass Laschet seinem populären Innenminister das nun schonend beibringen müsse. Sonst läuft er Gefahr, dass im größten Landesverband nach seinem Weggang offene Konflikte ausbrechen und ihn selbst im fernen Berlin einholen könnten. 

Wieviel von Merkels Politik will der CDU-Chef und Kanzlerkandidat der Union fortsetzen? Wo setzt er neue Akzente? Ein Gespräch mit Armin Laschet ist der Auftakt zu den ARD-Sommerinterviews für den Bericht aus Berlin. Das Interview sowie das interaktive Frageformat Frag selbst! ist ab 16.20 Uhr im Livestream bei tagesschau.de zu sehen.

Über dieses Thema berichtete das Erste am 11. Juli 2021 um 12:03 Uhr im "Presseclub".

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Moderation 11.07.2021 • 12:10 Uhr

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