Bluttest zur Brustkrebserkennung an der Universitätsklinik Heidelberg | Bildquelle: dpa

Heidelberger Bluttest-Affäre Keine Anklage gegen Klinikmitarbeiter

Stand: 12.03.2020 15:36 Uhr

In der Heidelberger Bluttest-Affäre ist das Verfahren gegen die Beschuldigten Klinikmitarbeiter eingestellt worden. Die Staatsanwaltschaft sieht keinen hinreichenden Tatverdacht für strafrechtlich relevantes Verhalten.

Die Staatsanwaltschaft Mannheim hat die Ermittlungen wegen der Heidelberger Bluttest-Affäre eingestellt. Das Verfahren gegen fünf Beschuldigte im Zusammenhang mit einem vom Leiter der Unifrauenklinik, Christof Sohn, Anfang 2019 vorgestellten Bluttest für Brustkrebs sei beendet worden, teilte die Anklagebehörde mit.

Das Universitätsklinikum Heidelberg (UKHD) hatte im April 2019 Strafanzeige gegen unbekannt gestellt. Es gebe Anzeichen eines unlauteren Vorgehens bei der Entwicklung und Ankündigung des potenziellen Bluttests zur Brustkrebsdiagnostik.

Die Staatsanwaltschaft teilte mit, auch die Untersuchungen der zur Vermarktung des Tests zuständigen Uni-Ausgründung Heiscreen hätten keine Hinweise auf Straftaten ergeben. Indizien für den Verdacht der Marktmanipulation durch die Pressekampagne in Deutschland lägen nach den Ermittlungen nicht vor. Die Namen der Beschuldigten nannte die Behörde mit Hinweis auf deren Recht auf informationelle Selbstbestimmung nicht.

Falschmeldung zu Forschungserfolg

Klinik-Chef Christof Sohn, der Anteile an Heiscreen hält, hatte die Affäre mit einem PR-Auftritt vor einem Jahr ausgelöst. Er kündigte bei einem Fachkongress in Düsseldorf am 21. Februar 2019 die Marktreife eines als "Meilenstein" gerühmten Tests zur Erkennung von Brustkrebs noch im selben Jahr an.

Mit der verfrühten Präsentation vor der Presse und dem Verzicht auf die übliche Veröffentlichung in Fachzeitschriften handelte er sich herbe Kritik von Fachgesellschaften, Medizinern, Statistikern und dem Aufsichtsrat der Uniklinik ein.

Klare Worte von externer Kommission

Eine vom Aufsichtsrat eingesetzte externe Kommission attestierte Sohn in ihrem Zwischenbericht Führungsversagen, Eitelkeit und Machtmissbrauch. Sohn war auch dem Vorwurf ausgesetzt, bei Frauen falsche Hoffnungen geweckt zu haben.

Brustkrebs ist die häufigste Tumorerkrankung bei Frauen: In Deutschland erkrankt jede Neunte im Laufe ihres Lebens daran, insgesamt rund 70 000 Frauen pro Jahr. Der Bluttest, gedacht als Ergänzung zu bildlichen Diagnostik-Methoden wie der Mammografie, wies laut der externen Kommission unter anderem eine "dramatisch hohe" Fehlerquote auf.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 21. Februar 2020 um 16:49 Uhr.

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