Eine Hand hält ein Smartphone, auf dem die Corona Warn App läuft | Bildquelle: dpa

Corona-Warn-App Geglückter Start - mit Irritationen

Stand: 23.06.2020 04:14 Uhr

Vor einer Woche wurde die Corona-Warn-App veröffentlicht - und sie wird angenommen: Fast zwölf Millionen Menschen haben die App inzwischen auf ihr Smartphone geladen. Damit ist eine wichtige Marke überschritten.

Von Dennis Horn, WDR

"Am Tag nach der Veröffentlichung haben wir im Schnitt neun Leute in unserer direkten Umgebung gesehen, die die App wirklich nutzen. Heute waren es schon 20 Menschen", sagt Merlin Chlosta. Er forscht an der Ruhr-Universität Bochum zur Sicherheit in mobilen Netzen und hat die Bochumer Innenstadt auf Bluetooth-Aktivitäten der Corona-Warn-App gescannt. Er sei positiv überrascht, schreibt Chlosta bei Twitter.

Es ist nur eine Stichprobe - und die Zahlen sind mit Vorsicht zu genießen, auch weil nicht klar ist, wie viele Menschen sich während der Messungen in der Stadt aufgehalten haben. Trotzdem bestätigen sie den Eindruck, den die offiziellen Downloadzahlen vermitteln: Laut dem Robert Koch-Institut haben mehr als 11,8 Millionen Smartphone-Nutzer die Corona-Warn-App in der ersten Woche nach ihrer Veröffentlichung heruntergeladen. Das dürfte als Erfolg zu werten sein.

Der ARD-DeutschlandTrend hatte zuletzt noch darauf hingedeutet, dass die App nur zögerlich angenommen werden könnte. Fast 15 Prozent der Menschen in Deutschland haben die App nun aber installiert. Forscher der Universität Oxford sehen darin eine kritische Marke, ab der die App auch eine Wirkung erzielen kann.

Frust bei Nutzern älterer Smartphones

Die erste Woche hat allerdings auch zu Frust geführt: Weil die Corona-Warn-App mindestens ein iPhone 6s oder Android 6 als Betriebssystem voraussetzt, bleiben Nutzer mit älteren Geräten außen vor.

"Natürlich würde man sich wünschen, dass jeder mit jedem alten Smartphone damit arbeiten könnte", heißt es von Regierungssprecher Steffen Seibert. Die Corona-Warn-App nutze aber neue Techniken, die ältere Geräte nicht an Bord hätten.

Tatsächlich stellen Google und Apple mit ihrer gemeinsamen Schnittstelle die Regeln auf. Aus Unternehmenskreisen heißt es, SAP und Deutsche Telekom würden zurzeit versuchen, ihren Einfluss geltend zu machen, um die Schnittstelle doch noch für einige ältere Modelle zugänglich zu machen. Die Corona-Warn-App funktioniert laut der Bundesregierung aktuell aber schon auf mehr als 85 Prozent der Smartphones.

Fehlermeldung bei iPhones

Android-Nutzer waren nach der Installation zum Teil verwundert, dass die Corona-Warn-App eine Standortfreigabe verlangt - obwohl es immer hieß, die App würde gar keine Standortdaten verarbeiten. Grund für die Freigabe ist, dass die Bluetooth-Nutzung unter Android aus Sicherheitsgründen zu den Standortfunktionen zählt.

iPhone-Nutzer wiederum zeigten sich irritiert von einer Fehlermeldung: "COVID-19-Kontaktmitteilungen werden in dieser Region möglicherweise nicht unterstützt", heißt es darin. Mittlerweile ist klar, dass es sich dabei um einen Fehler im iPhone-Betriebssystem handelt. Apple hat zugesagt, ihn mit einem Update zu beseitigen.

Insgesamt scheint der Start der Corona-Warn-App aber geglückt: Berichte über schwere Sicherheitslücken gibt es nicht, und Fehlermeldungen von Nutzern halten sich in Grenzen. Wie sehr sich die App aber bewährt, wird sich erst in den kommenden Monaten zeigen - dann, wenn auch die Zahl der Infektionen steigt, die über die App gemeldet werden.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 23. Juni 2020 um 10:00 Uhr.

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