Wikileaks-Gründer Julian Assange schaut durch ein Fenster in der Londoner Botschaft von Ecuador.
Hintergrund

Muellers Ermittlungen Dealte Assange mit russischen Agenten?

Stand: 22.08.2018 15:43 Uhr

Die Gerichtsfälle Manafort und Cohen zeigen den Erfolg von Sonderermittler Mueller. Eine russische Einflussnahme belegen sie noch nicht. Aufklärung könnte WikiLeaks-Gründer Assange leisten.

Von Silvia Stöber, tagesschau.de

Die Ermittlungen des Sonderermittlers Robert Mueller zur Frage einer russischen Beeinflussung des US-Wahlkampfs zeitigen erste Ergebnisse - Donald Trumps Ex-Wahlkampfmanager wurde in acht Anklagepunkten für schuldig befunden. Sein langjähriger Anwalt Michael Cohen räumte vor Gericht Verstöße gegen Wahlkampfgesetze ein. Beide Fälle bestätigen allerdings noch nicht den Verdacht russischer Einflussnahme.

Konkrete Hinweise darauf gibt die Anklageschrift gegen zwölf Mitarbeiter des russischen Militärgeheimdienstes GRU, die kurz vor dem Treffen Trumps mit Russlands Präsident Wladimir Putin in Helsinki veröffentlicht worden war.

Den zwölf Geheimdienstlern wird vorgeworfen, im Frühjahr 2016 die Computer des Nationalen Ausschusses der US-Demokraten (DNC) und des Wahlkampfteams von Trumps Kontrahentin Hillary Clinton angegriffen zu haben. Betroffen war unter anderem das E-Mail-Konto von John Podesta, damals Wahlkampfmanager Clintons.

Hillary Clinton

Die geleakten Dokumente sollten Hillary Clinton schaden.

Assange könnte aussagen

Auch diese Anklage enthält keine Hinweise auf direkte Verbindungen der russischen Führung zum Trump-Team. Ins Visier gerät jedoch Julian Assange. Denn auf seiner Enthüllungsplattform WikiLeaks wurden während des Wahlkampfs 2016 mehr als 20.000 Seiten mit Dokumenten und E-Mails veröffentlicht, die vom Server des DNC stammten.

Assange ist offenbar bereit, im Rahmen einer Untersuchung zur Rolle Russlands im US-Wahlkampf auszusagen, die der Geheimdienstausschuss des US-Senats durchführt. Zumindest erklärte Assanges' Anwältin Jennifer Robinson kürzlich, eine Anfrage des Gremiums ernsthaft zu prüfen. Bedingung sei, dass die Sicherheit ihres Mandaten garantiert werde.

GRU-Agenten kreierten "Guccifer 2.0"

Eine der wichtigsten Fragen dürfte sein, von wem Assange die geleakten Dokumente erhielt. In der Anklageschrift gegen die GRU-Agenten taucht eine "Organisation 1" auf, die der Beschreibung nach auf WikiLeaks schließen lässt.

Diese "Organisation 1" habe auf ihrer Website Dokumente veröffentlicht, die eine Person namens "Guccifer 2.0" vermittelt habe.

"Guccifer 2.0" sei künstlich geschaffen worden, und zwar von den GRU-Agenten, die in der Anklageschrift Verschwörer genannt werden. Diese hätten versucht, "Guccifer 2.0" eine Identität als rumänischer Hacker zu geben.

Sie bezogen sich ganz offenbar einen tatsächlich existierenden rumänischer Hacker mit dem Pseudonym Guccifer. Er hatte im März 2016 ein Geständnis abgelegt und wurde wegen des Hackens von US-E-Mail-Accounts zwischen 2012 und 2014 zu einer Gefängnisstrafe verurteilt.

Allerdings hatte die Techwebsite "Motherboard" schon 2016 herausgefunden, dass "Guccifer 2.0" kein rumänischer Hacker sein kann, der sich die Dokumente allein verschafft haben konnte.

Wikileaks-Gründer Julian Assange in der Botschaft von Ecuador London

Assange lebt noch in der Botschaft von Ecuador in London.

"Guccifer 2.0" stellte Dokumente bereit

Das dürfte auch Assange aufgefallen sein, wenn er mit "Guccifer 2.0" kommunizierte. Zumindest heißt es in der Anklageschrift auf Seite 17, "Guccifer 2.0" habe mit jener "Organisation 1" über den Zeitpunkt der Veröffentlichung beratschlagt, um die Wirkung auf die Präsidentschaftswahl zu erhöhen.

Genannt wird ein E-Mail-Verkehr zwischen dem 22. Juni und dem 14. Juli 2016. Acht Tage später veröffentlichte Wikileaks mehr als 20.000 E-Mails und andere Dokumente vom DNC-Server. Das war kurz vor dem Parteitag der US-Demokraten.

Um den 7. Oktober und den 7. November 2016 herum gab "Organisation 1" dann Tausende Dokumente von Clintons Wahlkampfmanager Podesta frei.

Was weiß Assange?

"Guccifer 2.0" verwies bereits in seiner ersten Ankündigung auf einem WordPress-Blog am 15. Juni 2016 darauf, dass ein großer Teil der Dokumente an WikiLeaks gegangen sei.

Assange seinerseits hatte schon drei Tage vor diesem ersten Lebenszeichen von "Guccifer 2.0" in einem Interview mit dem britischen Sender ITV die Veröffentlichung von geleakten Dokumenten über Clinton angekündigt.

Ein Autor des US-Magazins "New Yorker" stellte deshalb die Frage, ob Assange die Dokumente erst ab Mitte Juni von "Guccifer 2.0" erhielt, oder ob er nicht auch schon vorher welche aus anderer Quelle bekommen hatte.

In Interviews mit dem "New Yorker"-Autor machte Assange verschiedene Aussagen über Kontakte zu "Guccifer 2.0" und wen er dahinter vermutete. Schließlich verweigerte er jede Angabe darüber, ob WikiLeaks mit "Guccifer 2.0" kommuniziert hatte oder nicht.

Es bleibt die Aussage von "Guccifer 2.0" und die Anklageschrift, die auf den umfangreichen Ermittlungen von Sonderermittler Mueller beruht.

Sollte Assange die Verbindung zu "Guccifer 2.0" doch bestätigen, wäre dies ein Beleg für russische Einflussnahme auf den US-Wahlkampf zuungunsten von Hillary Clinton. Über seine Abneigung gegen sie machte Assange nie einen Hehl. Verbindungen nach Russland hatte er schon früher. So moderierte er 2012 eine Talkshow beim russischen Auslandssender "Russia Today".