Dezember 2018: Carsten Linnemann, Vorsitzender der Mittelstandsunion, spricht beim CDU-Bundesparteitag in Hamburg. | dpa

Debatte über Grundschule Linnemann hat kein Verbot gefordert

Stand: 06.08.2019 13:48 Uhr

"Populistischer Unfug", "Stimmenfang im rechten Sumpf": Die Kritik an dem CDU-Politiker Linnemann ist massiv, weil er angeblich ein "Grundschulverbot" für Kinder ohne Deutschkenntnisse fordert. Doch das hat Linnemann gar nicht verlangt.

Patrick Gensing tagesschau.de

Von Patrick Gensing, ARD-faktenfinder

Die Kritik prasselt auf den CDU-Politiker Carsten Linnemann ein: Die schleswig-holsteinische Bildungsministerin Karin Prien (CDU) sagte der "Süddeutschen Zeitung", die Forderung sei "populistischer Unfug" und "der völlig falsche Weg". Kinder mit mangelnden Deutschkenntnissen gehörten vielmehr "im Rahmen der Regelbeschulung" in Deutsch-als-Zweitsprache-Klassen.

Linke-Chefin Katja Kipping sagte der Nachrichtenagentur dpa: Mit seinen Äußerungen zu Grundschulkindern gehe Linnemann auf "Stimmenfang im rechten Sumpf". Sie warf ihm insbesondere die Vermengung des Themas mit Gewalttaten von Erwachsenen wie in Frankfurt oder Stuttgart vor.

Medien schreiben von Verbot

Viele Medien berichteten, Linnemann habe ein "Grundschulverbot" gefordert. Die dpa veröffentlichte am Montag eine Meldung mit der Überschrift "CDU-Politiker: Grundschulverbot für Kinder, die kein Deutsch können". Zahlreiche Medien übernahmen diese Formulierung, einige entschärften sie mittlerweile.

Und das mit gutem Grund, denn der Unionsfraktions-Vize hatte nicht verlangt, Kindern den Besuch der Grundschule zu verbieten, sondern sagte im Interview mit der "Rheinischen Post": "Um es auf den Punkt zu bringen: Ein Kind, das kaum Deutsch spricht und versteht, hat auf einer Grundschule noch nichts zu suchen."

Vorschulpflicht vorgeschlagen

Linnemann schlägt also vor, Kinder sollten die Grundschule erst besuchen, wenn sie bereits über ausreichende Deutschkenntnisse verfügten. Hier könne beispielsweise eine "Vorschulpflicht greifen", sagte Linnemann. "Notfalls muss seine Einschulung auch zurückgestellt werden." Solche Maßnahmen kosteten zwar "Geld, aber fehlende Integration und unzureichende Bildung sind am Ende viel teurer".

Lehrerin unterichtet Flüchtlingskinder

Linnemann brachte eine mögliche Vorschulpflicht ins Gespräch.

Der CDU-Politiker fordert somit kein Verbot, sondern bringt sogar eine Vorschulpflicht ins Gespräch, um Kindern früher Deutsch beibringen zu können. Seine Ausführungen zur unzureichenden Bildung machen zudem deutlich, dass er Kinder offenkundig nicht aussperren will, so wie es zahlreiche Kommentatoren in sozialen Medien interpretieren, sondern vielmehr bereits früher in staatliche Schulen bringen möchte.

Teilweise Zustimmung

Der Deutsche Lehrerverband gab dem CDU-Politiker teilweise recht. Grundlegende sprachliche Förderung müsse vor der Grundschule erfolgen, sagte der Präsident des Deutschen Lehrerverbands, Heinz-Peter Meidinger, der dpa. "Ich bin ein absoluter Anhänger von bundesweiten, flächendeckenden Sprachstandstests bei Drei- und Vierjährigen." Es gebe Ansätze dafür in einigen Ländern, aber leider passiere dann zu wenig, weil ausgebildetes Personal fehlten, und Grundschullehrer seien sowieso Mangelware.

Agentur korrigiert Überschrift

Die dpa korrigierte mittlerweile ihre Überschrift. Der Begriff "Grundschulverbot" sei gestrichen worden, teilte die Agentur mit. Damit werde klargestellt, dass der Begriff "eine zu weitgehende Wiedergabe der Worte Linnemanns war". Die neue Überschrift lautet: "CDU-Politiker: Spätere Einschulung bei schlechten Deutschkenntnissen".

Linnemann selbst wies den Begriff ebenfalls zurück und sagte: "Kinder, die kaum Deutsch sprechen, dürfen in der ersten Klasse nicht benachteiligt sein." Deshalb müssten sie "vor der Einschulung sprachlich fit gemacht werden. Also brauchen wir verpflichtende Sprachtests im Alter von vier und dann Vorschulpflicht für alle, die schlecht Deutsch sprechen". Eine Ausweitung der Vorschulpflicht sei kein Grundschulverbot.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 06. August 2019 um 12:00 Uhr.

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KOMMENTARE

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Wegelagerer34 06.08.2019 • 15:30 Uhr

Ein Exempel

dafür, wie Medien und Politik ideologisch manipulieren und die Wahrheit verdrehen. Gut gemeinte, doch unerwünschte Äußerungen, woher und warum auch immer, sind plötzlich rassistisch und rechts. Gibt es eigentlich auch einen linken Sumpf, Frau Kipping? Ich denke ja, und der ist gar nicht so klein. Viele Politiker und Medien fürchten ihn oder stecken drin. Ich bin Lehrer. Chancengleichheit bedeutet gleiche Startbedingungen schaffen. Wer unsere Sprache nicht oder nur unzureichend spricht, bekommt keine Chancengleichheit, liegt von vornherein zurück. Wollen Sie das? Frau Kipping und Co. empfehle ich dringend, erst gut informieren, dann nachdenken, dann vielleicht auch mal den Mund halten, ehe sowas bei rauskommt. Alles was sich mit meiner Ideologie nicht deckt ist böse, rechts, rassistisch oder sonst was. Solche Denkweise ist eher faschistisch und dumm, als tolerant, weltoffen und demokratisch.