Das Bild zeigt das Coronavirus

Todesfälle durch Corona Verharmlosung durch Zahlenklitterei

Stand: 06.10.2020 12:44 Uhr

Die Anzahl der Sterbefälle durch Covid-19 sei im Vergleich zu anderen Todesarten vernachlässigbar - diesen Eindruck soll eine angeblich amtliche Statistik vermitteln. Die genannten Quellen existieren so jedoch nicht.

Von Wulf Rohwedder, tagesschau.de

"Die Todesursachen der letzten 4 Monate in Deutschland" - so lautet die Überschrift einer Grafik, die in sozialen Netzwerken verbreitet wird. Darin kaum zu erkennen: Der Balken für die COVID-19-Opfer. Die Aufstellung soll auf den Zahlen des Statistischen Bundesamts (destatis) und des Robert Koch-Instituts (RKI) vom 20. September basieren.

Die angegebene Todeszahl durch COVID-19 stimmen tatsächlich in etwa mit der des RKI zu dem genannten Stichtag überein. Woher alle anderen, teilweise sehr exakt angegeben Daten stammen, ist jedoch unklar. Von destatis wurden sich jedenfalls nicht veröffentlicht, wie die Behörde klarstellt - denn solche Auswertungen liegen für das Jahr 2020 noch gar nicht vor.

Offenbar Zahlen von 2018 kopiert

Die aktuellste veröffentlichte Statistik der Behörde zu Todesursachen stammt aus dem Jahr 2018. Demnach starben in dem Jahr 345.000 Menschen an Kreislauferkrankungen und 230.000 an Krebs. Betrachtet man die in der Grafik veröffentlichen Werte von 115.000 und 76.667, so liegt der Verdacht nahe, dass die Daten aus dem Jahr einfach durch drei geteilt und als aktuell verkauft wurden. Ähnlich verhält es sich bei den Unfalltoten im Haushalt: Deren Zahl lag 2018 laut destatis bei 11.996, laut der Grafik in den ersten vier Monaten diesen Jahres bei 4000.

Weitere Ungereimtheiten und Zahlenklitterei

Zur Rubrik der "Krankenhaus-Keime" hat das Robert Koch-Institut 2019 eine Schätzung veröffentlicht. Demnach sterben jedes Jahr in Deutschland zwischen 10.000 und 20.00 Menschen an solchen Infektionen. So gesehen ist die angegebene Zahl von 10.000 Toten in vier Monaten unglaubwürdig.

Todesfälle durch COVID-19
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Die Werte in der oberen Grafik beziehen sich in etwa auf den eingefärbten Zeitraum - also den mit den geringsten Todesraten.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass für die Grafik offenbar alte Todeszahlen als aktuell verkauft wurden. Diese wurden dann auf statistisch unzulässige Weise mit den COVID-19-Todeszahlen aus den Wochen mit den geringsten Sterberaten verglichen, um einen möglichst dramatischen Effekt zu erzielen. Verlässliche Vergleiche lassen sich erst in der Gesamtschau vollziehen, wenn die kompletten Daten vorliegen. Aktuell gibt es in Deutschland sind laut den dem RKI übermittelten Zahlen fast 10.000 Tote durch die Corona-Pandemie.

Über dieses Thema berichtete WDR5 in der Sendung "Quarks" am 10. September 2020 um 15:05 Uhr.

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