Screenshot der gefakten CDU.Mit.Gefühl Website
Hintergrund

Künstlergruppe narrt Medien Falsche Gefühle in der CDU

Stand: 16.05.2017 22:40 Uhr

Das Künstler-Kollektiv "Peng!" hat schon mehrmals für große Aufmerksamkeit gesorgt. Nun fielen internationale Medien auf eine "Peng!"-Aktion herein und berichteten über eine vermeintliche Kampagne gegen Waffenexporte. Titel: "CDU mit Gefühl!"

Von Patrick Gensing, tagesschau.de

"Die christliche Wählerbasis der CDU fordert Kanzlerin Angela Merkel auf, einen Verzicht von Kleinwaffenexporten in Deutschland durchzusetzen." So steht es auf der Webseite der Initiative "CDU. Mit. Gefühl." Und weiter:

Deutschlands Rolle in der Produktion und Ausfuhr von Kriegsgerät stellt für unsere Gesellschaft und uns Christen in ihr ein Dilemma dar. Das beliebte Argument "wenn wir nicht liefern, liefern andere" sollte uns nicht unseren moralischen Kompass verlieren lassen.

In einem Video erklärt Brigitte Ebersbach, Vorsitzende des CDU-Ortsverbands Schwenke, warum sich die Partei für ein Verbot von Kleinwaffenexporten einsetzen sollte. Ebersbach, nach eigenen Angaben zweifache Mutter, ist in dem Filmbeitrag zu sehen, wie sie in einer evangelischen Friedensgruppe mit anderen Bürgern diskutiert. Das Video endet mit einem Appell an das Mitgefühl von Kanzlerin Angela Merkel - für eine "CDU mit Gefühl".

Der Haken an der Geschichte: Sie stimmt nicht. Weder existiert ein CDU-Ortsverband in Schwenke in Nordrhein-Westfalen, noch eine entsprechende Vorsitzende mit dem Namen Brigitte Ebersbach. Auf Twitter bekannte sich die Künstlergruppe "Peng!" zu der Fälschung.

Die Aktion war gründlich vorbereitet worden. Die Webseite zu der Aktion wurde bei der Domain-Registrierstelle Denic am 21. Februar 2017 angemeldet - im Namen von Brigitte Ebersbach von der CDU Schwenke. Auch eine Seite der CDU-Schwenke findet sich im Netz - vom Design angepasst an andere CDU-Seiten. Und auch bei Facebook ist die vermeintliche Lokalpolitikerin vertreten - mit 90 Freunden und persönlichen Fotos wirkt ihr Profil auf den ersten Blick durchaus authentisch. Der Facebook-Auftritt der "CDU Schwenke" kann hingegen nur wenig Inhalt bieten.

AfD spottete über die CDU

Auf Twitter griffen zahlreiche Nutzer die angebliche CDU-Aktion auf. Die AfD Heidelberg spottete: "Ganz Deutschland fühlt mit der #CDU, die es nicht schafft #Merkel abzusetzen. #cdumitgefuehl" Andere begrüßten die Initiative und teilten den Link auf eine Petition, mit der die Forderung nach einem Exportstopp für Kleinwaffen unterstützt wird.

Auch die Nachrichtenagentur AP fiel auf die "Peng!"-Aktion herein: Auf Englisch berichtete sie, Mitglieder der CDU hätten die Kanzlerin aufgefordert, den Export von Kleinwaffen zu verbieten. Diese Meldung wurde dann unter anderem von der "New York Times", "Fox News" und "ABC News" weiterverbreitet - und mittlerweile wieder zurückgezogen. Auch "Radio Vatikan" berichtete. In Deutschland selbst wurde die Aktion von großen Medien hingegen nicht als echt verbreitet.

Es ist nicht das erste Mal, dass die Gruppe gezielt mit subversiven Aktionen für Aufmerksamkeit sorgt. Auf der Internet-Messe "re:publica" gaben sich einige Künstler als Google-Mitarbeiter aus und präsentierten vermeintliche neue Überwachungsprodukte. 2015 tauchten Aktivisten bei "Astro TV" auf und forderten, dem Sender solle die Lizenz entzogen werden. 2016 hatte "Peng!" die Kampagne "Deutschland sagt sorry" iniitiert - eine angebliche Entschuldigung im Namen des Bundesarbeitsministeriums an Menschen, die "Hartz IV" beziehen. Auf Wikipedia finden sich weitere Aktionen des Kollektivs.

Spaßaktion mit ernstem Hintergrund

"Peng!" bezeichnet sich selbst als "ein explosives Gemisch aus Aktivismus, Hacking und Kunst im Kampf gegen die Barbarei unserer Zeit". Geschickt verstehen es die Künstler, Aktionen zu kreieren, die echt wirken, weil sie oft einen plausiblen Hintergrund haben. Denn dass sich beispielsweise Christen in der CDU für ein Exportverbot von Kleinwaffen einsetzen, erscheint nachvollziehbar. Daher handelt es sich nicht um Fake News, die grundsätzlich Angst und Hass verbreiten sollen, sondern um Satire, die durch Ironie und Übertreibung bestimmte Personen sowie Zustände kritisiert - und eine Debatte anstoßen will.

Die Künstlergruppe "Peng!" betonte, es handele sich bei der "CDU mit Gefühl"-Aktion lediglich um den Auftakt einer Kampagne. Die CDU äußerte sich bislang nicht.

Dieses Thema im Programm: Über dieses Thema berichtete das ARD-Morgenmagazin am 04. Mai 2017 um 06:15 Uhr