ETA
Hintergrund

Hintergrund ETA - Terror-Kampf für Unabhängigkeit

Stand: 31.07.2009 12:56 Uhr

Seit 50 Jahren kämpft die baskische Untergrundorganisation ETA für ein unabhängiges Baskenland. In den ersten Jahren geschah dies mit friedlichen Mitteln, seit 1968 setzt die ETA auch Gewalt ein. Friedensgepräche mit der spanischen Regierung scheiterten 2006.

Mit Waffengewalt kämpft die Untergrundorganisation ETA seit über 30 Jahren für einen unabhängigen Staat der Basken. ETA ist die Abkürzung von "Euskadi Ta Askatasuna", was auf Deutsch "Baskenland und Freiheit" bedeutet. Das spanische Baskenland umfasst die gleichnamige autonome Region mit den Provinzen Guipuzcoa, Vizcaya und Alava. Die ETA erhebt die Forderung, dass auch die Region Navarra sowie das französische Baskenland mit den historischen Provinzen Labourd, Basse Navarre und Soule im Departement Prénée Atlantique zu dem von ihr verlangten unabhängigen Staat gehören sollen.

Die Organisation in Spanien wurde 1959 gegründet und spielte eine wichtige Rolle beim Kampf gegen die Franco-Diktatur (1939-1975). Sie betrachtet sich selbst als eine links stehende Befreiungsorganisation. Die Basken wurden von General Francisco Franco massiv unterdrückt. Ihre Sprache und gesamte Kultur wurden nach dem Spanischen Bürgerkrieg 1939 kategorisch verboten. Gegen Ende der 50er Jahre gründete sich als Reaktion darauf zunächst eine kulturelle Protestbewegung, aus der dann später die terroristische Separatistengruppe ETA hervorging. Bei Terroranschlägen der ETA kamen mehr als 820 Männer, Frauen und Kinder ums Leben.

ETA

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Mordattentate seit 1960

Seit dem ersten Mordattentat 1960 folgten zahlreiche Anschläge in ganz Spanien. Die erste gewaltsame Aktion der ETA mit Verletzten und Toten wird auf den 28. Juni 1960 datiert. Bei einem Bombenattentat im Amara-Bahnhof in San Sebastian wurden ein kleines Kind getötet und mehrere Menschen verletzt. Die weiteren Anschläge der ETA zielten meistens auf Polizisten - auch beim zweiten tödlichen Anschlag am 7. Juni 1968 in Villabona - sowie Militärs und Vertreter des Franco-Regimes.

Die ETA-Separatisten setzten auch nach der Rückkehr Spaniens zur Demokratie den bewaffneten Kampf fort. Damit und durch die Tatsache, dass immer wieder völlig unschuldige Menschen bei den Anschlägen ums Leben kamen, verloren sie stark an Sympathien in der Bevölkerung. Das blutigste ETA-Attentat war ein Anschlag auf ein Kaufhaus in Barcelona im Juni 1987 mit 21 Toten und 30 Verletzten.

Die ETA-nahe Baskenpartei Batasuna (Einheit) wurde im März 2003 vom Obersten Gerichtshof verboten. Sie galt als politischer Arm der Terroristen. Das spanische Verfassungsgericht bestätigte das Verbot der Partei im Januar 2004. Die meisten Anführer der ETA-Terror-Kommandos sitzen zur Zeit im Gefängnis. In den letzten Jahren sind immer wieder so genannte Kommandos von der Polizei verhaftet worden.

Schwächung der ETA

Die ETA geriet in Bedrängnis: Besonderes in der zweiten Amtszeit von Ministerpräsident José María Aznar verschärften spanische Polizei und Justiz die Verfolgung der Untergrundorganisation. Verhandlungen lehnten sie weiterhin grundsätzlich ab. Zudem holten sie sich Unterstützung in Frankreich. Im Laufe des Jahres 2004 wurden über 100 mutmaßliche ETA-Mitglieder verhaftet.

Eine Kommandozentrale der ETA wurde in Südfrankreich vermutet. Offenbar befehligt sie eine immer kleinere Organisation mit zellenartigen Strukturen, erklärte Spanien-Experten Prof. Walter Bernecker von der Universität Nürnberg-Erlangen in einem Gespräch mit tagesschau.de. "Sie finanzieren sich durch Überfälle und die so genannte Revolutionssteuer, einer Art Schutzgeld, unter der noch sehr viele Unternehmer im Baskenland leiden. Sie stehlen Waffen und Dynamit", so Bernecker. Die Mitgliederzahl der ETA gehe aber inzwischen wahrscheinlich nicht einmal mehr in die Hunderte.

Im März 2006 verkündete die ETA eine Waffenruhe. Verhandlungen mit der Regierung scheiterten jedoch nach wenigen Monaten und die ETA kehrte zur Gewalt zurück. Seit Dezember 2006 verübte die ETA 20 Anschläge - die letzten ereigneten sich Ende Juli. Innerhalb von zwei Tagen detonierten Bomben, ein Anschlag galt einer Kaserne der Guardia Civil. Dabei wurden 60 Menschen verletzt. Zwei Menschen starben am 30. Juli bei der Explosion einer Bombe auf Mallorca.

Karte: Baskenland.

Karte: Baskenland.