Zwei Menschen küssen sich in Wien vor dem Café Prückel.

Kundgebung in Wien Küsse gegen Diskriminierung

Stand: 17.01.2015 00:15 Uhr

Vergangene Woche mussten zwei Frauen das Wiener Café Prückel verlassen, weil sie sich zur Begrüßung geküsst hatten. Mittlerweile hat sich die Besitzerin dafür entschuldigt, dennoch kamen Hunderte zur Aktion "Küssen im Prückel".

Von Stephan Ozsváth, ARD-Hörfunkstudio Wien     

Regenbogenfahnen flatterten vor dem Traditionscafé Prückel in der Wiener Innenstadt. Einige Hundert Demonstranten - manche Nachrichtenagenturen melden sogar 2000 Menschen - waren gekommen, um gegen die Diskriminierung von Homosexuellen zu protestieren. Auf Facebook hatten sogar mehr als 8000 Menschen ihre Teilnahme angekündigt. Aufgerufen zum Protestküssen hatten Homosexuellen-Verbände. Grüne, liberale Neos und Sozialdemokraten zeigten sich solidarisch.

Stephan Ozsváth ARD-Studio Mexiko City

Vor einer Woche hatte die Besitzerin des Caféhauses zwei Lesben wegen eines Begrüßungskusses aus dem Café gegenüber dem Museum für angewandte Kunst geworfen. Mittlerweile entschuldigte sich die Besitzerin, die ihr Café angesichts der Demonstrationen geschlossen hatte. Bereits 2005 hatte es einen ähnlichen Vorfall dort gegeben.

Zwei Menschen küssen sich in Wien vor dem Café Prückel.

Zwei Teilnehmerinnen der Aktion "Küssen im Prückel".

Das geschlossene Café Prückel in der Wiener Innenstadt

Das Traditionshaus blieb am Freitag geschlossen.

Etwa zwei Dutzend Gegendemonstranten verteidigten die Café-Besitzerin und ihr Hausrecht. Auch die rechtspopulistische FPÖ stellte sich hinter die Frau.

Sozialdemokraten fordern Schutz vor Diskriminierung

Die mit den Konservativen regierenden Sozialdemokraten wollen nun politische Konsequenzen ziehen und den Schutz vor Diskriminierung ausdehnen. Bislang gilt der in Österreich nur im Arbeitsleben, nicht aber bei Dienstleistungen.

Das österreichische Verfassungsgericht hatte in dieser Woche entschieden, dass homosexuelle Paare auch Kinder adoptieren dürfen. Die Grünen forderten nun auch grünes Licht für die "Homo-Ehe" in Österreich.

Dieser Beitrag lief am 17. Januar 2015 um 08:29 Uhr auf NDR Info.

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KOMMENTARE

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firefighter1975 17.01.2015 • 08:41 Uhr

Streitsache "Kuss" :

Jetzt stelle ich persönlich mir unter einem "Begrüßungskuss" keine zig Minuten lange öffentliche "Mandeloperation per Zunge" vor. Im Übrigen Etwas, dass nicht ALLEIN eine Angewohnheit von gleichgeschlechtlichen, sondern auch durchaus von heterosexuellen Paaren darstellt. Insgesamt empfinde ich die KussAktion als eine Art "lebende Karrikatur", die überspitzt und zudem völlig gewaltfrei auf die Tatsache hinweist, dass ein Kuss zur Begrüßung kaum ein Grund sein KANN, 2 ansonsten völlig normale Personen aus einem Cafe zu "werfen". Es ist somit eine Aktion, die DURCHAUS geeignet ist, überzeichnet den Misstand einer ungerechtfertigten Diskriminierung anzuprangern. In den späten 60gern und den 70gern hieß es :"Make love, not war! " - Wien 2015: "Don´t fight, but KISS!" Mir - persönlich - sind dann Protest-Küsser lieber als JENE, die sich -und Anderen- dann die Köpfe einschlagen, um ihre Vorstellung von Moral statt mit Phantasie mit Gewalt durchzusetzen. Mit Küsschen, firefighter