Die russische Sojus-Rakete startet vom russischen Weltraumbahnhof Baikonur in Kasachstan. | AFP

Internationale Raumstation Japanischer Milliardär fliegt ins Weltall

Stand: 08.12.2021 15:56 Uhr

Viele träumen von einem Flug ins Weltall. Der japanische Milliardär Maezawa hat sich diesen Traum jetzt erfüllt. Er ließ sich von einer Sojus-Kapsel an der Internationalen Raumstation ISS absetzen.

Es ist das erste Mal seit zwölf Jahren, dass Russland wieder einen Weltraum-Touristen ins All zur ISS gebracht hat: Der japanische Milliardär Yusaku Maezawa erreichte an Bord eines Raumschiffs die Internationale Raumstation ISS. Die Sojus-Kapsel dockte nach einem sechsstündigen Flug um 14:40 Uhr (MEZ) an der ISS an, wie in einer Live-Übertragung der russischen Raumfahrtbehörde Roskosmos zu sehen war.

"Träume werden wahr"

Maezawa trat die Reise zusammen mit seinem Assistenten Yozo Hirano und dem russischen Kosmonauten Alexander Misurkin an. Mit Hiranos Hilfe will er seinen zwölftägigen Alltag auf der ISS dokumentieren und damit die mehr als 750.000 Abonnenten seines Youtube-Kanals unterhalten.

Für die Zeit auf der Raumstation hat sich der Japaner eine To-do-Liste mit 100 Aufgaben zusammengestellt. Dazu gehört ein Badminton-Freundschaftsspiel. "Träume werden wahr", erklärte der Milliardär vor seinem Reiseantritt auf Twitter. "Die Internationale Raumstation wird zwei Wochen lang mein Zuhause sein." Drei Monate lang hatte sich Maezawa auf die Zeit in der Schwerelosigkeit vorbereitet.

Der japanischen Milliardär Maezawa vor seinem Flur zur ISS. | REUTERS

Der japanischen Milliardär Maezawa wird zwölf Tage auf der ISS verbringen. Bild: REUTERS

Die Kosmonauten der ISS dürften das Raumschiff noch aus einem anderen Grund erwartet haben: An Bord waren der russischen Weltraumorganisation Roskosmos zufolge Geschenke zum Neujahr. Darunter seien Briefe von den Familien und Freunden und "hausgemachte Leckereien". In dem insgesamt 162 Kilogramm schweren Gepäck waren demnach auch Materialien für Forschung und Experimente, Hygieneartikel, Lebensmittel und 13 Kilogramm frisches Obst.

Flug zur ISS kostet bis zu 53 Millionen Euro

Privatpersonen an Bord der Station in rund 400 Kilometern über der Erde sind in den vergangenen Jahren selten gewesen. Mit den beiden Japanern steigt die Zahl der von Roskosmos beförderten Touristen auf nun neun. Ein Grund für die geringe Zahl ist, dass die russischen Raketen viele Jahre lang US-Astronauten zur ISS mitgenommen haben. Zudem sind die Kosten für solche Reisen nach wie vor immens. "Wir sprechen von mehreren Zehn-Millionen US-Dollar", sagte der Chef des auf Weltraum-Tourismus spezialisierten US-Unternehmens Space Adventures, Tom Shelley, der Nachrichtenagentur dpa. Ihm zufolge werden pro Person und Flug umgerechnet zwischen 44 Millionen und 53 Millionen Euro fällig. Damit bleibt der Weltraum-Tourismus auf absehbare Zeit weiterhin nur etwas für Schwerreiche. Wie teuer der Flug der beiden Japaner zur ISS genau war, ist nicht bekannt.

Maezawa plant Mondumrundung

Laut dem Wirtschaftsmagazin "Forbes" gehört der 46-jährige Maezawa mit einem Privatvermögen von rund 1,7 Milliarden Euro zu den 30 reichsten Menschen in Japan. Begonnen hatte er 1998 mit dem Versand von CDs. Mittlerweile verdient der Unternehmer sein Vermögen mit dem größten Online-Handel für Bekleidung in Japan. Für den Modeunternehmer und Kunstsammler ist der Aufenthalt in der Raumstation nur ein erster Schritt hin zu weitaus ehrgeizigeren Plänen. Er plant offenbar 2023 mit einem privaten SpaceX-Flug um den Mond zu fliegen und hatte in einem weltweit verbreiteten Aufruf Begleiter dafür gesucht.

Russland dürfte der Trubel um den Weltraum-Tourismus gelegen kommen. Roskosmos will nach eigenen Angaben das Geschäft mit dem Weltraumtourismus weiter ausbauen. Seit die US-Raumfahrtbehörde NASA ihre Astronauten mit privaten Raumschiffen zur ISS fliegt, sind in den russischen Sojus-Kapseln Plätze frei geworden.

Für Aufmerksamkeit hatte im Herbst ein russisches Filmteam gesorgt, das nach nur wenigen Wochen Training für einen kurzen Dreh zur ISS geflogen war. Auch die USA sorgten für spektakuläre Flüge: Vor fast zwei Monaten flog "Star Trek"-Ikone William Shatner ins All - der frühere "Captain Kirk"-Darsteller. Der 90 Jahre alte kanadische Schauspieler unternahm an Bord einer "New Shepard"-Raumkapsel der Firma Blue Origin von Amazon-Gründer Jeff Bezos einen rund zehnminütigen Ausflug.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 08. Dezember 2021 um 13:45 Uhr.