US-Soldat in Afghanistan | picture-alliance/ dpa

Wechsel zur Berufsarmee Wehrpflicht - ein Auslaufmodell in der NATO

Stand: 06.08.2018 09:05 Uhr

28 Mitglieder hat die NATO, in nur noch vier Ländern werden junge Leute zum Dienst an der Waffe eingezogen: Griechenland, Türkei, Estland, Norwegen - das sind die letzten NATO-Länder mit Wehrpflicht. Einige Staaten wie etwa die USA oder Großbritannien haben den Systemwechsel zur Berufsarmee schon lange vollzogen. Die meisten Länder entschieden sich aber erst nach dem Ende des Kalten Krieges zu diesem Schritt. Ein Überblick:

USA

Die Vereinigten Staaten haben seit 1973 eine Berufsarmee. Hintergrund für die Abschaffung der Wehrpflicht war die Unbeliebtheit des Vietnamkriegs. Im Frühjahr dieses Jahres gab es knapp 1.500.000 aktive Soldaten. Die hohe Opferzahl beim Irak-Einsatz hatte vorübergehend zur Folge, dass bei einzelnen Teilstreitkräften die jährlichen Rekrutierungsziele nicht erreicht wurden. Problematisch ist, dass viele junge Leute zur Truppe wollen, die wegen mangelnder Bildung oder wegen eines schwierigen sozialen Umfelds woanders nicht unterkommen. Um mehr Langzeit-Soldaten und Spezialisten auf verschiedenen Gebieten zu gewinnen, wirbt der Staat mit Bonus-Zahlungen von bis zu 40.000 Dollar und anderen Vergünstigungen.

Großbritannien

Großbritannien hat bereits 1963 nach einem halben Jahrhundert die Wehrpflicht abgeschafft und war damit Vorreiter bei der Professionalisierung des Streitkräfte in Europa. Der Berufsarmee gehörten im vergangenen Jahr 178.000 Soldaten an - eine Größe, auf die auch die Bundeswehr im Zuge der geplanten Reform ungefähr schrumpfen wird. Im Zuge der Finanzkrise gingen wegen des allgemeinen Ausbildungsplatzmangels wieder mehr junge Leute zum Militär - obwohl Großbritannien der zweitgrößte Truppensteller in Afghanistan ist und dort große Verluste erlitten hat.

Ein britischer Soldat während einer Patrouille in der Provinz Helmand

Ein britischer Soldat während einer Patrouille in der Provinz Helmand (Archiv)

Frankreich

Ungerecht, zu teuer und nicht vereinbar mit den neuen strategischen Herausforderungen - mit dieser Begründung hat Frankreich bereits vor mehr als einem Jahrzehnt das Ende der Wehrpflicht eingeläutet. 1997 beschloss das Parlament die unbefristete Aussetzung des Militärdienstes. Seit Ende 2001 gibt es keine Wehrdienstleistenden mehr. Der Übergang zur Berufsarmee gestaltete sich relativ problemlos. Bewerber für den Dienst mit der Waffe gab und gibt es genügend. Allerdings ist die Armee seit Mitte der 90-er Jahre von 500.000 auf etwa 315.000 Soldaten und zivile Mitarbeiter im vergangenen Jahr verkleinert worden.

Spanien

In Spanien ist die Wehrpflicht seit 2001 abgeschafft. Beim Übergang zu einer Berufsarmee spielte damals eine wichtige Rolle, dass der Wehrdienst - genannt "la mili" - bei jungen Spaniern ausgesprochen unbeliebt war. Spanien hatte eine der höchsten Verweigerer-Raten der Welt. In der Berufsarmee fehlte es anfangs an Soldaten, was auch auf den geringen Sold zurückgeführt wurde. Die Regierung musste vorübergehend die Sollstärke senken. Die Wirtschaftskrise hatte zur Folge, dass sich verstärkt junge Leute - darunter auch viele Frauen - rekrutieren ließen. Zudem warb Spanien Tausende Soldaten aus spanischsprachigen Ländern Lateinamerikas an mit der Zusage, ihnen nach Ablauf der Dienstzeit die spanische Staatsangehörigkeit zu gewähren. Den spanischen Streitkräften gehören mehr als 210.000 Militärs an, darunter 40.000 Offiziere, 120.000 Soldaten und 50.000 freiwillige Reservisten.

Italien

Die italienische Regierung beschloss 1999 die Aussetzung der Wehrpflicht. Während in Deutschland die Umsetzung innerhalb eines halben Jahres erfolgte, ließ sich Rom sechs Jahre Zeit. Die Zahl der Berufssoldaten wurde bis 2005 schrittweise erhöht und die Zahl der Wehrpflichtigen langsam bis auf Null verringert. Seit 2000 sind auch Frauen zum Militärdienst zugelassen. Insgesamt gehören den italienischen Streitkräften heute rund 178.570 Soldaten an, 11.000 davon sind Frauen. Im Kriegs- oder Krisenfall kann die Wehrpflicht "sofort" wieder eingeführt werden.