Ein Feuerwehrmann zeigt auf ein Feuer, das im Dorf Cokertme in der Nähe von Bodrum in der Türkei wütet. | dpa

Waldbrände in der Türkei "Das Feuer breitet sich rasant aus"

Stand: 03.08.2021 09:03 Uhr

In der Türkei kämpfen Tausende Einsatzkräfte weiter gegen die Waldbrände. Besonders betroffen sind Touristengebiete am Mittelmeer. Inzwischen wächst der Ärger der Menschen und die Kritik an der Regierung.

Von Karin Senz, ARD-Studio Istanbul

Die Trockenheit ist fast zu hören im Hinterland von Marmaris. Wassereimer wandern von einer Hand zur anderen, eine Menschenkette schafft Liter um Liter den Hang hoch, einige Männer schultern große Wasserflaschen - bei 40 Grad im Schatten. Sie wollen verhindern, dass die Flammen näher kommen. Es fällt kaum ein Wort. Nur aus Gülhan bricht es raus, als sie gerade am Wasserhahn einen Eimer auffüllt.

Karin Senz ARD-Studio Istanbul
Das geht nicht ohne Luftunterstützung. Es heißt, es gibt nicht genug Hubschrauber. Stimmt, aber warum?", fragt Gülhan. "Warum haben wir keine Löschflugzeuge, und warum nehmen wir keine Hilfe an? Warum? Warum stehen zehn bis zwanzig Jahre alte, unbrauchbare Flugzeuge im Hangar?

Kritik an der Regierung wächst

Der Ärger der Menschen und die Kritik an der Regierung scheint mit jedem neuen Feuer größer zu werden, auch beim Bürgermeister von Milas, Muhammet Tokat: "Es ist noch nicht vorbei mit den Bränden. Das geht noch weiter. Es werden immer mehr, das Feuer breitet sich rasant aus."

Keiner reagiere auf die Hilferufe. Aus der Luft werde kaum etwas getan. "Nur ein einziger Hubschrauber fliegt über uns, und ich weiß nicht, ob der löscht oder nur Aufklärungsflüge macht. Man hatte uns Löschflugzeuge zugesagt, aber die sind nicht gekommen", so Tokat.

Zuletzt wieder mehr Touristen in der Türkei

Milas liegt ganz in der Nähe des Urlaubsorts Bodrum. Es ist Hochsaison in der Türkei. Und man war gerade dabei trotz der Corona-Pandemie wieder Hoffnung zu schöpfen. Die Hotels sind gut gebucht, sagt der Reiseveranstalter Deniz Ugur: "Für uns ist das nochmal eine Krise in der Krise", so Ugur. Allerdings seien die Buchungszahlen für die Türkei zuletzt wieder gestiegen, so dass diese Krise für die Hotels nicht mehr existenzgefährdend sei.

Karte von der Türkei mit den Regionen Antalya, Mugla, Tunceli und Isparta

In den bei Touristen beliebten Küstenprovinzen Antalya und Mugla sowie in Tunceli im Südosten der Türkei sind die Einsatzkräfte laut Forstminister Pakdemirli noch mit der Bekämpfung von sieben Feuern beschäftigt. Weitere Brände loderten in Isparta, rund 380 Kilometer nordöstlich, in der Provinz Denizili.

Ugur spricht mehr von einem Dämpfer und macht sich gerade selbst ein Bild von der Lage in den Urlaubsregionen. Rund 90 Prozent seiner Kunden sind in Orten in der Region Antalya an der türkischen Südküste. "Die Urlauber sehen gerade in der Region Side und Manavgat, wie die Rauchwolke über sie hinwegzieht", so Ugur. Das Feuer sei hier nur rund zehn Kilometer entfernt. Andere Regionen in Antalya seien aber nicht betroffen.

Hotels an der Westküste evakuiert

An der Westküste um Marmaris und Bodrum ist die Lage deutlich angespannter. Dort seien auch viele Hotels evakuiert worden, sagt Ugur. Kaum einer habe seinen Urlaub abgebrochen oder storniert, sagt der Reiseveranstalter. Man versuche gegebenenfalls mit Umbuchungen auf andere Hotels zu reagieren. Aber die Türkei brauche die Urlauber - gerade jetzt nach der Corona-Krise.

Vor Flammen, vor verkohlten Baumstämmen, ausgebrannten Häuser, vor dieser Brandwüste graut auch ihm: "Wenn die Natur derart zerstört wird, ist das eine Katastrophe", sagt Ugur. Daher müssten schnell Maßnahmen zur Wiederaufforstung ergriffen werden - auch durch private Initiativen. So will Ugur 10.000 Bäume pflanzen. Angesichts der Flammen, die sich aktuell weiter durch die Wälder fressen, scheint das aber erst der übernächste Schritt zu sein.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 03. August 2021 um 07:18 Uhr.