US-Präsident Biden auf einem virtuellem Gipfel zur Corona-Krise. | AFP

Biden kündigt globale Impfkampagne an "Wir müssen in die Vollen gehen!"

Stand: 22.09.2021 22:11 Uhr

Impfen als konzertierte, weltweite Aktion: Das ist der Kern der globalen Kampagne, die die Corona-Krise unter Führung der USA in den Griff kriegen soll, so US-Präsident Biden auf einem virtuellen Gipfel.

Von Sebastian Hesse, ARD-Studio Washington

Gleich zum Auftakt war US-Präsident Joe Biden hörbar bemüht, typisch amerikanischen Optimismus zu verbreiten: Die gute Nachricht laute, dass ja bekannt sei, wie diese Pandemie in den Griff zu kriegen ist. Gemeint war: Impfen, impfen, impfen - und zwar als konzertierte, weltweite Aktion.

Sebastian Hesse ARD-Studio Washington

Impfdosen herstellen für bedürftige Nationen

"Wir werden diese Krise nicht mit halbgaren Maßnahmen oder verhaltenen Ambitionen lösen", so Biden, der die USA zur Speerspitze einer globalen Anstrengung gemacht hat. "Wir müssen in die Vollen gehen!", so Biden zu den Teilnehmern aus rund 100 Nationen. Jeder müsse dazu beitragen; die USA jedoch sieht Biden als Motor der Bewegung. Er verspreche weiterhin, dass Amerika als Nachschublager der Welt für Impfstoffe fungieren werde, so wie das Land einst Arsenal für Demokratie war während des Zweiten Weltkriegs.

Um diesen Anspruch zu untermauern, bestätigte Biden, was vor Gipfelbeginn bereits durch gesickert war: dass die USA weitere 500 Millionen Dosen des BioNTech-Wirkstoffs herstellen lassen, um diese dann an bedürftige Nationen weiter zu reichen. Ähnliche Schritte erwarten die USA auch von anderen wohlhabenden Industrienationen, vor allem von den Europäern.

Impfungen für 70 Prozent der Weltbevölkerung

Als organisatorischen Rahmen hob Biden eine transatlantische Impfpartnerschaft aus der Taufe. "Heute bringen wir die EU-US-Partnerschaft für eine globale Impfoffensive auf den Weg", sagte er, um enger zusammenzuarbeiten. Das Ziel sei es, bis September kommenden Jahres 70 Prozent der Weltbevölkerung geimpft zu haben.

Es ist ein in ehrgeiziges Ziel, denn in vielen armen Ländern hat nicht einmal ein Prozent der Bevölkerung einen Impfschutz. Und auch in den USA ist die nationale Impfkampagne ins Stocken geraten: Jedoch nicht aus Mangel an Impfstoff, sondern mangelnder Impfbereitschaft in manchen Staaten, vor allem im Süden, wo teilweise nicht einmal ein Drittel geimpft ist. Auch in den Vorreiterstaaten wie New England sind es bislang nur zwei Drittel.

Dennoch: Er sei stolz darauf, dass inzwischen 182 Millionen Amerikaner vollständig gegen Covid geimpft seien; im Kontrast zu nur zwei Millionen, als er im Februar die Amtsgeschäfte übernommen hatte, so Biden.

Hilfe zur Selbsthilfe in ärmeren Ländern

Die globale Strategie soll sich ab sofort nicht auf das Liefern von Impfdosen durch wohlhabendere Nationen beschränken: Es soll auch verstärkt Hilfe zur Selbsthilfe in allen bedürftigen Weltregionen geben. Ein Schlüssel sei die Zusammenarbeit mit den Pharma-Herstellern, die die Vakzine produzieren. Deren Produktionskapazitäten rund um den Globus sollen erhöht werden, um kurze Lieferwege zu schaffen.

Als Vorbilder nannte Biden die bereits funktionierenden Produktionsstandorte Indien, wo eine US-Partnerschaft mit Indien, Japan und Australien bis Ende 2022 eine Milliarde Impfdosen herstellen wird. Oder die US- Finanzhilfe für Südafrika, mithilfe derer kommendes Jahr 500 Millionen Impfdosen des Impfstoffs von Johnson & Johnson auf dem afrikanischen Kontinent produziert werden - für afrikanische Länder.

Evaluierung des Fortschrittes

Um sicher zu stellen, dass es nicht bei Ankündigungen bleibt, soll es nach Bidens Vorstellungen regelmäßige Evaluierungen des Fortschritts bei den gemeinschaftlichen Bemühungen geben. Zunächst in Gestalt einer Außenminister-Konferenz unter US-Führung im letzten Quartal dieses Jahres. Und dann 2022 innerhalb der ersten drei Monate mit einer Neuauflage dieses Auftakt-Gipfels.