Dieses von der israelischen Armee veröffentlichte Bild zeigt den Ausgang eines Tunnels nahe Sufa in Südisrael.
Hintergrund

Ziel der israelischen Bodenoffensive Hunderte Tunnel für Gazas Kämpfer

Stand: 18.07.2014 14:55 Uhr

Eines der Hauptziele der israelischen Bodenoffensive im Gazastreifen ist das weit verzweigte Tunnelsystem der Hamas. Die radikal-islamische Organisation hat unter ihrem Herrschaftsgebiet Hunderte dieser unterirdischen Gänge gegraben. Sie verlaufen zumeist im Grenzgebiet zu Israel und Ägypten - vor allem in der Nähe des Rafah-Grenzübergangs - und dienen unterschiedlichen Zwecken. Auch zwischen Häusern im Inneren des Gazastreifens verlaufen Tunnel, die als Fluchtwege für militante Kämpfer dienen.

Die gesamte Führung der Hamas versteckt sich nach israelischen Informationen seit Beginn der Offensive am 8. Juli in unterirdischen Betonbunkern. Ägypten hat bisher nach Militärangaben rund 1400 Tunnel zerstört, die in den Gazastreifen führten. Auch das israelische Militär spürt immer wieder unterirdische Tunnel auf. Israels Armee hat nach eigenen Angaben seit Beginn der Offensive im Gazastreifen am 8. Juli 230 Mal unterirdische Tunnel angegriffen.

Über die Grenze geschleust

Die in Richtung des israelischen Staatsgebiets gegrabenen Tunnel dienen vor allem Terrorzwecken. Durch die Gänge, die oft in monatelanger mühsamer Arbeit ausgehoben und mit Zement verstärkt werden, können bewaffnete Kämpfer über die Grenzen geschleust werden, um Anschläge zu verüben. Durch einen solchen Tunnel wurde 2006 auch der Grenzsoldat Gilad Schalit in das Palästinensergebiet verschleppt.

Ein Kind in einem Tunnel zwischen dem Gazastreifen und Ägypten

Auch zwischen Ägypten und dem Gazastreifen gibt es ein Tunnelsystem.

Auch Ägypten zerstörte Tunnel

Die im Grenzgebiet zu Ägypten gegrabenen Tunnel dienten jahrelang als Schmugglerwege und damit als "Lebensader" des blockierten Palästinensergebiets. Mit der Entmachtung der mit der Hamas verbündeten Muslimbruderschaft vor einem Jahr begann Ägypten jedoch massiv gegen diese Tunnel vorzugehen und sie zu zerstören.

Ägypten wirft der Hamas vor, zusammen mit der Muslimbruderschaft das Land zu destabilisieren. Mit der Zerstörung der Tunnel, die Ägypten zu Jahresbeginn massiv vorangetrieben hatte, verringerten sich die Ressourcen der Hamas stark. Der Schmuggel von Geld, Gütern und Waffen ist nahezu vollständig unterbunden. Dies trug maßgeblich zum Druck auf das Hamas-Regime bei, das mehr als 40.000 seiner Mitarbeiter im öffentlichen Dienst keine Gehälter mehr zahlen kann.

Erst im letzten Moment entdeckt

Die Zerstörungsmöglichkeiten mit Luftangriffen seien begrenzt, betont Israel immer wieder. Die nach Israel führenden Tunnel würden meist erst im letzten Moment entdeckt, wenn die palästinensischen Kämpfer aus dem Ausgang herauskommen, erklärte der frühere Leiter des Einsatzkommandos der israelischen Streitkräfte, Israel Ziv. Es gebe auch ein ausgeklügeltes System mit Strom und Belüftung um die Tunnel herum. "Sobald man den Boden kontrolliert, kann man die Tunnel effektiv bekämpfen", sagte er.

Quelle: dpa

IHRE MEINUNG

KOMMENTARE

Avatar
ubbt 18.07.2014 • 22:06 Uhr

Legitim oder nicht?

Leider werden die geschichtlichen Hintergründe nur seit dem vergangenen Jahrhundert betrachtet. In diesem Gebiet lebten abwechselnd Araber, Israelis und Palästinenser und geht man ganz weit in die Vergangenheit zurück, begreift man, warum die Juden vom gelobten Land sprechen. Zum jetzigen Konflikt trägt die Hamas eine Hauptschuld, anstatt sich zu arrangieren, wird weiter mit Gewalt gegen Israel Hass gesät. Verurteilungswürdig ist gleichermaßen die Verwendung menschlicher Schutzschilde, sowie die Unterstützung der Terrorgruppe Hamas. Ich betone ausdrücklich, Gewalt ist keine Lösung, doch manchmal ist es unvermeidlich. Es liegt in der Hand der Bewohner des Gaza-Streifens diese Situation zu ändern.