Rauch steigt zwischen Häusern nach einem Bombenangriff über der nordsyrischen Stadt Ras al-Ain auf. | dpa

Offensive in Nordsyrien Türkei gewinnt nur langsam an Boden

Stand: 11.10.2019 09:19 Uhr

Die türkische Militäroperation kommt in Nordsyrien nur schleppend voran. Es gibt den ersten getöteten türkischen Soldaten. Zehntausende Menschen sind auf der Flucht - doch es könnte noch schlimmer kommen.

Von Jürgen Stryjak, ARD-Studio Kairo

Abgesehen von vereinzelten Luftangriffen im Landesinnern befinden sich die Kriegsschauplätze immer noch relativ dicht an der Grenze zur Türkei. Nur an wenigen Punkten ist die türkische Armee bislang nach Nordsyrien eingedrungen - vor allem unweit der Städte Ras al-Ain und Tall Abjad gleich hinter der Grenze. Türkische Medien meldeten am Donnerstag die Einnahme von einem Grenzdorf. Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte sprach allerdings davon, dass türkische Truppen innerhalb von 24 Stunden sieben syrische Dörfer eingenommen hätten.

Jürgen Stryjak ARD-Studio Kairo

Die kurdisch geführten Syrischen Demokratischen Kräfte, kurz SDF, erklärten, das türkische Militär habe trotz des Einsatzes schwerer Waffen und der Luftwaffe bislang keine größeren Fortschritte erzielt.

Am Morgen meldete Ankara, seit dem Einmarsch vor drei Tagen seien 277 syrische kurdische Kämpfer getötet worden. Außerdem verzeichnete die Türkei einen ersten eigenen getöteten Soldaten.

Am Boden wird die türkische Armee unterstützt von Kämpfern der so genannten syrischen Nationalarmee, einem Bündnis von radikalen Milizen und syrischen Rebellengruppen. Eine davon ist die Hamza Brigade. Aufnahmen der Nachrichtenagentur Reuters zeigen die Kämpfer bei Gefechten um das Dorf Kashto. Später verkündet der Kommandeur der Brigade den Sieg: "Die Spezialkräfte der Hamza-Brigade haben das Dorf Kashto von den Separatistenmilizen befreit."

Die meisten Bewohner sind längst geflohen

Mit Separatistenmilizen sind die kurdisch geführten SDF gemeint. Dorfbewohner sind nirgends zu sehen. Wo die türkische Armee die Grenze überschritt, sind die meisten Bewohner längst geflohen. Der Ort Ras al-Ain etwa soll bereits fast komplett aufgegeben worden sein.

 Karte der geplanten türkischen "Sicherheitszone" in Syrien | ARD aktuell

Bild: ARD aktuell

In Tall Abjad hingegen befänden sich noch Menschen, sagt Fatma Mohammed, die aus der Stadt geflüchtet ist. Granaten seien eingeschlagen, aber einige Bewohner hätten nicht fliehen können, weil sie keine Fahrzeuge hatten.

Nach Schätzungen der Beobachtungsstelle für Menschenrechte sollen sich 60.000 Menschen auf der Flucht befinden. Wenn die Vereinten Nationen Recht haben, dann leben im Nordosten Syriens 1,7 Millionen Menschen. Sollte die türkische Militäroperation mit dem Namen "Quelle des Friedens" weitergehen, dann könnte also alles noch schlimmer kommen.

Was wird aus gefangenen IS-Kämpfern?

Das ist eine große Sorge auch im Ausland. Die zweite gilt den inhaftierten Terroristen vom sogenannten "Islamischen Staat". Zwischen 70.000 und 100.000 IS-Kämpfer, ihre Angehörigen sowie Sympathisanten werden in Lagern und Gefängnissen festgehalten und - noch - von kurdischen Kräften und ihren Verbündeten bewacht. Muss befürchtet werden, dass die IS-Terroristen im Kriegschaos ausbrechen könnten?

Der türkische Präsident Erdogan versuchte, die Sorge zu zerstreuen. Den IS werde es in türkisch kontrollierten Gebieten nach Abschluss der Militäroperation nicht mehr geben, sagte er am Donnerstag. In Ankara hieß es außerdem, die Türkei sei in jenen Gebieten dafür verantwortlich, dass die Gefängnisse mit inhaftierten IS-Kämpfern gut gesichert bleiben.

Über dieses Thema berichteten die tagesthemen am 10. Oktober 2019 um 22:14 Uhr. Zudem berichtete über dieses Thema Deutschlandfunk am 11. Oktober 2019 um 05:07 Uhr in der Sendung "Informationen am Morgen".

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Moderation 11.10.2019 • 11:36 Uhr

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