Trumps Anwalt Michael Cohen (Archivbild). | Bildquelle: AFP

Durchsuchung bei Anwalt Trumps Pitbull im Visier

Stand: 10.04.2018 17:52 Uhr

Die Durchsuchungen bei Trumps Anwalt Cohen könnten noch ganz anderes zutage bringen als eine Sexaffäre - und den Republikanern bei der Kongresswahl gefährlich werden.

Von Martina Buttler, ARD-Studio Washington

Vier Ausrufezeichen und Großbuchstaben in zwei Tweets - das zeigt, wie sehr die Durchsuchungen bei seinem Anwalt und engen Berater Michael Cohen den US-Präsidenten aufregen. Die Arbeit von Robert Mueller sei eine Hexenjagd, so Donald Trump und er schließt nicht aus, den Sonderermittler in der Russland-Affäre zu entlassen.

Das Büro, das Haus und ein Hotelzimmer von Michael Cohen wurden durchsucht. Nach Medienberichten sind dort Dokumente in Verbindung mit der Affäre rund um Pornodarstellerin Stormy Daniels gesichert worden. Sie hat angeblich Sex mit Trump gehabt und kurz vor der Wahl Schweigegeld von Cohen bekommen.

Pornodarstellerin Stephanie Clifford, bekannt als Stormy Daniels, posiert in einem Club in New York. 23.02.2018 | Bildquelle: REUTERS
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Pornodarstellerin Stephanie Clifford, bekannt als Stormy Daniels, soll Schweigegeld von Trumps Anwalt erhalten haben - der US-Präsident will von der Zahlung nichts gewusst haben.

"Zu sagen, das sei eine Hexenjagd, ist absolut gestört"

Bei der Durchsuchung wurden offenbar auch Bank- und Steuerunterlagen sowie Emails abgeholt. Eine solche Durchsuchungserlaubnis zu bekommen hat hohe Hürden in den USA und die Ermittler müssen handfeste Beweise vorgelegt haben, um dafür grünes Licht zu bekommen.

Jim Himes, demokratischer Abgeordneter im Repräsentantenhaus, schüttelt über Trumps Tiraden nur den Kopf: "Die Fakten sind: Die Ermittler haben zwei Schuldbekenntnisse, fast zwei Dutzend Anklagen. Es gibt Zeugen, die kooperieren und sie sind an Trumps Wahlkampfberater Manafort dran", sagt Himes. "Zu sagen, das sei eine Hexenjagd, ist absolut gestört. Das zeigt nur, daß man keine Verbindung mehr zur Realität hat."

Cohen kennt Trumps Geheimnisse

Wie ernst die Sache für Trump ist, erklärt auch der republikanische Senator Cory Gardner auf CNN: "Das ist eine sehr ernste Sache. Sowas macht man nicht einfach so, in das Büro eines persönlichen Anwalts zu gehen. Dies ist einer der am stärksten geschützten Bereiche, das Anwalt-Klienten-Verhältnis."

Die Frage ist, ob bei der Auswertung der eingesammelten Dokumente noch ganz andere Dinge ans Tageslicht kommen, die für Trump viel unangenehmer sein könnten. Denn Cohen kennt Trumps Geheimnisse. Er ist seit Jahren als enger Vertrauter der Mann fürs Grobe, der für Trump Probleme löst. Das hat er selbst einmal gesagt: "Mein Job ist es, Mr. Trump zu beschützen. Man sagt, ich sei sein Pitbull, seine rechte Hand."

Republikaner beantragten Durchsuchung

Donald Trump schimpft, die Ermittlungen seien politisch motiviert, spricht von der "parteiischsten Gruppe", die er je gesehen habe: "Fast alle Demokraten oder Republikaner, die für Obama gearbeitet haben."

Dabei unterschlägt der US-Präsident, dass die Durchsuchung von Sonderermittler Mueller, einem bekennenden Republikaner, beantragt wurde. Grünes Licht bekam der vom stellvertretenden Justizminister Rod Rosenstein, den Trump ernannt hat. Die Durchsuchungen wurden von einem New Yorker Generalstaatsanwalt ausgeführt, den auch Trump ernannt hat.

Buch des Ex-FBI-Chefs Comey kommt

Die Chancen auf ein Amtsenthebungsverfahren sind aus Sicht des ehemaligen Obama-Beraters David Axlrod nach der Durchsuchung nicht gestiegen: "Die sind gering. Aber wenn Trump versucht, Mueller loszuwerden, wird das ein Problem für die Republikaner. Ich glaube nicht, dass die etwas gegen Mueller tun würden." Wenn Trump das täte, könnte das für die Republikaner bei der Kongresswahl im November zum Problem werden, meint Axlrod.

Die Ermittlungen rücken ganz nah an Trump heran. Und nächste Woche wird das lange erwartete Buch des ehemaligen FBI-Direktors James Comey veröffentlicht. Er war vergangenes Jahr von Trump gefeuert worden. Keine guten Tage für Donald Trump.

Nach FBI-Razzia: Trump spricht von "Hexenjagd"
Martina Buttler, ARD Washington
10.04.2018 16:59 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Inforadio am 10. April 2018 um 16:12 Uhr.

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