Die Après-Ski-Bar "Kitzloch" im österreichischen Ski-Ort Ischgl | dpa

Sammelklage wegen Coronavirus? Aufarbeitung im "Hotspot Ischgl"

Stand: 28.03.2020 15:35 Uhr

Das Coronavirus hat viele Touristen erwischt, die in Tirol im Skiurlaub waren. Haben die Behörden die Gefahr verschwiegen, um weiter Profit zu machen? Diese Frage treibt Betroffene um.

Von Stephan Ozsváth, ARD-Studio Wien

Tiroler Verantwortlichen droht im Zuge der Corona-Pandemie eine Sammelklage. 400 Skifahrer - die meisten aus Deutschland - hätten sich bereits zwei Tage nach einem entsprechenden Aufruf gemeldet, teilte Österreichs Verbraucherschutzverein VSV mit.

Stephan Ozsváth ARD-Studio Mexiko City

Die meisten hätten in Ischgl und im Paznauntal Urlaub gemacht. Die Gegend gilt als Herd für Hunderte Infektionen mit dem neuen Coronavirus in ganz Europa, ein 57-jähriger Skifahrer aus Mecklenburg-Vorpommern verstarb kürzlich an Covid-19. Er war im März noch zum Skifahren in Österreich gewesen, teilten die Behörden mit. Seit dem 18. März steht ganz Tirol unter Quarantäne.

Schließung aus kommerziellen Gründen hinausgezögert?

Österreichs Verbraucherschützer hatten wegen des unzureichenden Katastrophen-Managements in Tirol bereits Anzeige gegen Tirols Landeshauptmann Günther Platter, Bürgermeister, Seilbahngesellschaften und weitere Behördenvertreter erstattet. Für eine Sammelklage sammelt der VSV jetzt Zeugenaussagen, um zu belegen, "dass die Schließung des Skiresorts aus kommerziellen Gründen hinausgezögert wurde".

Einem Bericht des ZDF zufolge war in einem Gastronomiebetrieb in Ischgl bereits Ende Februar ein Corona-Infektionsfall bekannt geworden. Der Lokalbetreiber hatte den Vorfall aber weder den Kontaktpersonen noch den Gesundheitsbehörden gemeldet. Stattdessen blieb das Lokal noch zwei weitere Wochen geöffnet. Auch österreichische Medien hatten darüber berichtet, wie örtliche Politiker und Lobbyisten direkt Einfluss genommen haben, damit das Tourismusgeschäft nicht gefährdet werde.

Auch Regierung belastet

Die Tageszeitung "Standard" wirft nun auch der Regierung in Wien vor, bereits frühzeitig von den Vorfällen in Tirol gewusst, dies aber aus parteipolitischen Gründen verschwiegen zu haben. Die beschuldigten Politiker in Tirol gehören der konservativen ÖVP von Bundeskanzler Sebastian Kurz an.

Über dieses Thema berichtete BR5 Aktuell am 28. März 2020 um 16:00 Uhr.