Schauspieler des "Lesya Ukrainka"-Theaters bei der Probe in Kiew, Ukraine. | Silke Diettrich
Reportage

Theaterpremiere für Kinder in Kiew "Die Kinder sollen Hoffnung haben"

Stand: 16.04.2022 12:05 Uhr

In einem Kiewer Theater haben die Proben wieder begonnen. Am Sonntag ist die Premiere eines Andersen-Märchens geplant. Das Schauspiel soll den Kindern, die viel leiden in diesem Krieg, Hoffnung geben.

Von Silke Diettrich, WDR, zurzeit Kiew

Gänsehaut-Momente: Mozarts Klaviersonate Nr.16 wird auf der Bühne im Kiewer Theater Lesya Ukrainka gespielt. Während die Russen eine neue Offensive im Osten des Landes starten, probt das Ensemble das Stück "Im Land der Märchen", angelehnt an Hans Christian Andersen.

Silke Diettrich ARD-Studio Neu-Delhi

Es ist ein Schauspiel für Kinder. Dies sei sehr wichtig, gerade in dieser Zeit, sagt die Regisseurin Olga Havylyuk.

Die Kinder leiden doch am meisten gerade. Und sie sind unsere Zukunft. Wir wollen sie mit unserem Stück unterstützen. Sie sollen Hoffnung haben, dass die Zukunft besser wird und alle glücklich werden.

Ensemble blieb in der Stadt

Fast das gesamte Ensemble ist noch in Kiew. Nur wenige sind aus der Stadt geflohen. Alle seien erleichtert gewesen, nach langen Wochen endlich wieder proben zu können, sagt Artem Yemtsov. Er spielt den König im roten Mantel mit einem Zepter in der Hand.

Für mich ist das pure Freude gerade. Ich denke, jeder Bürger in der Ukraine sollte jetzt das machen, was er am besten kann. Und ich kann schauspielern. Trotzdem stehen wir vor einer Herausforderung: Fast mein ganzes Leben habe ich Stücke nur auf Russisch gespielt.
Schauspieler des "Lesya Ukrainka"-Theaters bei der Probe in Kiew, Ukraine. | Silke Diettrich

Schauspieler des "Lesya Ukrainka"-Theaters bei der Probe in Kiew, Ukraine. Bild: Silke Diettrich

Fast nur noch ukrainische Sprache

Das ist eine neue Regel seit dem Krieg: Im Theater wird nur noch Ukrainisch gesprochen, wie fast überall im Land. Der Angriff von Russland auch auf Kiew sei für die Ukraine ein Bruch und zugleich ein Aufbruch gewesen, sagt Regisseurin Olga Havylyuk:

Wir haben mehr Kraft, mehr Willen, mehr Glauben daran, dass unser Land und unser Theater weiter leben wird. Wir werden eine wunderbare Zukunft haben.

Jetzt endlich wieder auf der Bühne zu stehen, sei nicht nur für das Ensemble von Bedeutung, sagt Artem:

Diese Märchen gerade jetzt aufzuführen, ist wichtig für die Eltern und die Kinder. Damit sie sich alle mal ablenken können von dem Horror, den unser Land nun schon seit mehr als 50 Tagen erlebt.

Mut für die kommende Zeit

Noch sitzen nicht alle Texte, die Schauspielerinnen und Schauspieler lesen ab und zu vom Handy ab. Regisseurin Havylyuk erteilt noch letzte Anweisungen. Dann macht sie nicht nur ihrem Ensemble Mut für die Premiere, sondern Mut für die kommende Zeit:

“Die Menschen werden wieder glücklich. Sie werden einander lieben, einander näher kommen. Das ist es doch, was uns auch die Märchen sagen: Das Gute wird immer siegen.

Über dieses Thema berichtete MDR Aktuell am 16. April 2022 um 12:18 Uhr.