Nicolas Sarkozy, damals Präsident, und Francois Fillon, Premierminister Frankreichs im Jahr 2011

Frankreichs Ex-Premier unter Druck Intrigierte Fillon gegen Sarkozy?

Stand: 20.11.2016 01:50 Uhr

Ein neuer Politskandal erschüttert Frankreich: Ex-Regierungschef Fillon soll gegen seinen Parteifreund, den ehemaligen Präsidenten Sarkozy, intrigiert haben - und wollte dafür ausgerechnet den aktuellen Büroleiter von Präsident Hollande instrumentalisieren.

Von Andreas Teska, ARD-Hörfunkstudio Paris

Nicolas Sarkozy, damals Präsident, und Francois Fillon, Premierminister Frankreichs im Jahr 2011
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Nicolas Sarkozy, damals Präsident, und Francois Fillon, Premierminister Frankreichs im Jahr 2011

Kein Zweifel, diese Affäre werden einige der Beteiligten nicht überstehen. Zwei Journalisten von "Le Monde" enthüllen in einem Buch über Nicolas Sarkozy eine schier unglaubliche Story: Demnach hat sich im Juni der ehemalige Premierminister Francois Fillon mit dem Generalsekretär des Elysee getroffen und ihn dabei aufgefordert, Druck auf die Justiz auszuüben, um ein Verfahren gegen Nikolas Sarkozy zu beschleunigen.

Intrige gegen Parteifreund

Jean-Pierre Jouyet
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Jean-Pierre Jouyet ist enger Vertrauter des amtierenden Präsidenten Hollande.

"Wenn ihr Euch nicht beeilt, kommt Sarkozy zurück", soll Fillon bei dem Essen zu Jean Pierre Jouyet gesagt haben. Jouyet ist Generalsekretär des Elysee und seit über 30 Jahren ein enger Vertrauter von Staatspräsident Hollande.

Der konservative Fillon bittet die regierenden Sozialisten um Hilfe, um seinen Parteifreund Francois Sarkozy auszuschalten? Eigentlich unvorstellbar. Fillon und Jouyet dementierten in einer ersten Reaktion Ende letzter Woche, niemals hätten sie so etwas besprochen.

Journalisten legen Beweise vor

Fabrice Lhomme und Gerard Davet
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Die "Le Monde"-Journalisten Fabrice Lhomme und Gerard Davet brachten die Affäre ins Rollen.

Doch Fabrice Lhomme von "Le Monde" beharrt auf seiner Darstellung: "Im Moment habe ich den Eindruck, dass alle lügen, insbesondere François Fillon und Jean-Pierre Jouyet." Pech für die beiden Politiker: Die "Le Monde"-Journalisten können nachlegen, sie verfügen offenbar über einen Tonbandmitschnitt, sie haben ihr Gespräch mit Jouyet aufgezeichnet, mit dessen Zustimmung.

Wer lügt?

Panik und Funkstille im Elysée am Wochenende, bis gestern Abend. Da veröffentlicht Jouyet eine schriftliche Erklärung und korrigiert seine Darstellung: Ja, Fillon habe ihn angesprochen, aber Präsident Hollande habe abgelehnt, sich in ein laufendes Ermittlungsverfahren einzuschalten - eine Katastrophe für Fillon, der gerade im Fernsehen sein Dementi bekräftigen will: "Zu keinem Zeitpunkt habe ich so etwas von Herrn Jouyet gefordert. Wir haben nicht über ein Strafverfahren gesprochen. Wenn Jouyet das behauptet, dann ist das eine Lüge."

Nicolas Sarkozy
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Gegen den ehemaligen Präsidenten Sarkozy wird wegen illegaler Wahlfinanzierung ermittelt.

Es gibt kein Halten mehr. Sarkozy-Anhänger in der UMP verlangen Rücktritte, sowohl von Fillon wegen Verrats an der eigenen Partei als auch von Jouyet, weil er die Öffentlichkeit belogen habe.

Sozialisten wollen Jouyet offiziell halten

Reine Ablenkung, heißt es dagegen bei den Sozialisten. Es gehe in der Sache um illegale Wahlfinanzierung durch Sarkozy, sagt der Fraktionschef der Sozialisten Bruno Le Roux, der zugleich versucht, Jouyet aus der Schusslinie zu nehmen: "Er hat sich vielleicht ungeschickt ausgedrückt, aber jetzt seinen Skalp zu fordern, wie das alle Führer der Rechten tun, um abzulenken von ihren internen Problemen und ihren brutalen Machtkämpfen, das ist unerträglich."

Intern klingt es anders bei den Sozialisten: Jouyet habe sich mit dem Dementi seines Dementis um Kopf und Kragen geredet. Er sei nicht mehr im Amt zu halten. Und wer profitiert von all dem? Zunächst Sarkozy, er begibt sich in seine Lieblingsrolle und stilisiert sich als Opfer finsterer Machenschaften. Vor allem aber reibt sich Marine Le Pen die Hände. Die Anführerin des Front National wertet die Affäre als erneuten Beweise, dass Konservative wie Sozialisten durch und durch korrupt seien.

Dieser Beitrag lief am 10. November 2014 um 14:29 Uhr bei Inforadio.

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