Mutmaßlichen Täter im Fall Skripal | Bildquelle: LONDON METROPOLITAN POLICE/HANDO

Fall Skripal Verdächtige als Touristen eingereist?

Stand: 13.09.2018 21:24 Uhr

Der russische Sender RT hat zwei Männer präsentiert, die die von Großbritannien Beschuldigten im Fall Skripal sein wollen. Sie bestritten die Vorwürfe und erklärten, als Touristen nach Salisbury eingereist zu sein.

Im russischen Sender RT haben zwei Männer erklärt, sie seien die von Großbritannien im Fall Skripal gesuchten Beschuldigten. Sie würden jedoch fälschlicher Weise verdächtigt und seien Opfer eines Zufalls. Im Interview sagten sie, sie seien zufällig kurz vor dem Skripal-Attentat im März als Urlauber nach Großbritannien geflogen, um "die berühmte Kathedrale von Salisbury zu besichtigen".

Die Männer bestätigten, sie seien auf den von der britischen Polizei veröffentlichten Fahndungsfotos zu sehen. Ihre Namen seien Alexander Petrow und Ruslan Boschirow. Unter diesen Namen waren die beiden Verdächtigen laut der britischen Polizei im März nach Großbritannien eingereist.

Die Kathedrale von Salisbury | Bildquelle: REUTERS
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Die alte Kathedrale von Salisbury - für die beiden Verdächtigen angeblich ein Grund, unbedingt einen Kurztrip in die Stadt zu unternehmen.

Wollten Kathedrale "unbedingt" sehen

"Unsere Freunde hatten uns schon lange gedrängt, dass wir diese tolle Stadt besichtigen sollten", führten die beiden in dem Interview weiter aus. Sie hätten unbedingt die Kathedrale von Salisbury sehen wollen: "Sie ist für ihren 123 Meter hohen Turm und ihr Glockenspiel bekannt, das das älteste der Welt ist, das bis heute funktioniert", sagte Petrow.

Die britische Regierung reagierte mit Empörung auf den TV-Auftritt. Ein Sprecher von Premierministerin Theresa May bezeichnete die Äußerungen der beiden Männer als "Lügen und offensichtliche Erfindungen", die eine Beleidigung für die Intelligenz der Öffentlichkeit darstellten.

Die mutmaßlichen Täter im Porträt - ein Handout der britischen Metropolitan Police. | Bildquelle: AP
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Großbritannien sucht die mutmaßlichen Täter per Haftbefehl. Im russischen Sender RT sagten die möglichen Verdächtigen, sie seien als Urlauber nach England geflogen.

Nur knapp dem Tod entronnen

Der ehemalige russische Doppelagent Sergej Skripal und seine Tochter Julia waren Anfang März in der südenglischen Stadt Salisbury durch das in der Sowjetunion entwickelte Nervengift Nowitschok schwer verletzt worden und nur knapp dem Tode entronnen. Die britischen Ermittler gehen davon aus, dass das Nervengift auf die Türklinke der Skripals gesprüht wurde.

Bilder aus Überwachungskameras zeigen die beiden Verdächtigen am Tag des Anschlags in unmittelbarer Nähe von Skripals Haus. In der vergangenen Woche hatte die britische Polizei einen Fahndungsaufruf nach den beiden Verdächtigen veröffentlicht. Laut Ermittlungen reisten die Männer zwei Tage vor dem Anschlag nach Großbritannien ein und flogen wenige Stunden nach dem Anschlag zurück nach Moskau.

Die britische Regierung macht Russland für den Anschlag verantwortlich und wird in dieser Haltung von ihren wichtigsten westlichen Verbündeten unterstützt. Moskau weist jegliche Verantwortung für den Anschlag zurück. Der Fall führte zu einer schweren Krise zwischen Russland und dem Westen, beide Seiten ordneten die Ausweisung Dutzender Diplomaten an.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 14. September 2018 um 13:44 Uhr.

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