Ostermesse Grabeskirche Jerusalem | AFP

Ostermesse im Heiligen Land "Welt braucht Kirche mit offenen Augen"

Stand: 04.04.2021 12:10 Uhr

Während die meisten Christen weltweit Ostern unter Corona-Bedingungen feiern, durften bei der traditionellen Ostermesse in der Grabeskirche in Jerusalem wieder Gläubige teilnehmen. Der rote Faden in den Predigten: Mut.

Auch in Israel haben Christen heute das Osterfest gefeiert - unter anderem in der Grabeskirche. Der höchste katholische Würdenträger im Heiligen Land, Patriarch Pierbattista Pizzaballa, zelebrierte dort am Morgen die traditionelle Ostermesse. Anders als im vergangenen Jahr durften trotz der Corona-Pandemie wieder Gläubige teilnehmen. Wegen Einreisebeschränkungen waren allerdings weiterhin weder Pilger, noch Touristen dabei.

Die Grabeskirche steht in der Altstadt von Jerusalem - an der Stelle, an der Überlieferungen zufolge Jesus gekreuzigt und begraben wurde. Sie gilt als heiligster Ort des Christentums und als ein Zentrum christlicher Osterfeiern.

Mut, in der Krise nach vorne zu schauen

Erzbischof Pizzaballa rief die Kirche zu Ostern zu neuem Mut auf. "In diesem vergangenen Jahr haben wir auf der Welt vor allem die Infektionen, die Kranken, die Toten gezählt", sagte er. Die Welt sei "müde und verletzt, erschöpft von der Pandemie und den vielen Situationen von Angst, Tod und Schmerz". Die Menschen bräuchten nun eine "Kirche mit offenen Augen", sagte Pizzaballa und beschwor das Wunder der Auferstehung Jesu.

Mut war das Stichwort, das sich wie ein roter Faden durch die Osterpredigten in Jerusalem zog: Mut, nach vorne zu schauen, das leere Grab zu verlassen, in die Welt zu ziehen und sie mitzugestalten, forderte Pizzaballa von seiner Kirche. Es gehe darum, das Versprechen eines neuen und außergewöhnlichen Lebens zu sehen und demütig und stolz eine neue Welt und eine Geschichte neuer Beziehungen von Gerechtigkeit und Brüderlichkeit zu gestalten. Trotz des zweiten Osterfestes unter dem Eindruck der Corona-Krise reagierte seine Gemeinde mit Jubel.

Prozession Grabeskirche Jerusalem | dpa

Der Lateinische Patriarch von Jerusalem, Pierbattista Pizzaballa, führt die Prozession am Karsamstag in der Grabeskirche an, die traditionell von vielen als Ort der Kreuzigung Jesu angesehen wird. Am Ostersonntag feierten die Christen in der traditionellen Ostermesse die Auferstehung Jesu. Bild: dpa

Ostern in der Pandemie

In Israel sinken die Infektionszahlen in Verbindung mit der vergleichsweise hohen Impfrate; mit den sogenannten grünen Pässen hat das öffentliche Leben zuletzt wieder Fahrt aufgenommen. Lockerungen der Coronavirus-Schutzmaßnahmen hatten auch eine Rückkehr zu Präsenzgottesdiensten in Jerusalem ermöglicht.

Pandemiebedingt blieben die üblichen ausländischen Pilgergruppen zu Ostern aber auch in diesem Jahr aus. Bereits in der Nacht zu Sonntag zogen Christen der arabischen Pfarrei Jerusalem mit Pfadfindern durch die Jerusalemer Altstadt, um unter dem Jubel der Gläubigen das Osterlicht in die Häuser zu bringen. Die deutschsprachigen Lutheraner feierten ihren Ostergottesdienst in den frühen Morgenstunden auf dem Gelände der evangelischen Himmelfahrtkirche am Ölberg.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 04. April 2021 um 11:00 Uhr in den Nachrichten.