US-Präsident Obama und der britische Premier Cameron.

US-Präsident Obama warnt vor Folgen Briten bei Brexit "am Ende der Schlange"

Stand: 22.04.2016 20:48 Uhr

Überraschend deutlich hat US-Präsident Obama die Briten vor den Folgen eines EU-Austritts gewarnt. Großbritannien würde beim Abschluss eines Handelsabkommens mit der USA in diesem Fall am "Ende der Schlange" stehen, sagte er in London.

US-Präsident Barack Obama hat bei seinem Besuch in London eindringlich vor einem Austritt Großbritanniens aus der EU gewarnt. "Es wird kein bilaterales Handelsabkommen zwischen Großbritannien und den USA in absehbarer Zeit geben", falls die Briten beim Referendum im Juni für den Austritt stimmen sollten, sagte Obama.

Befürworter eines Ausstiegs Großbritanniens aus der Europäischen Union dürfte dies wenig gefallen. Sie argumentieren mitunter, das Land könne leicht neue Handelsabkommen aushandeln, wenn es die Freihandelszone der EU verlasse. Doch Obama erklärte, das Vereinigte Königreich stünde durch einen sogenannten Brexit am "Ende der Schlange", weil für die USA ein Deal mit der wesentlich größeren EU Priorität habe.

Ein starkes Europa führen

Obama betonte, dass er sich nicht in die inneren Angelegenheiten der Briten einmischen wolle. "Ich bin nicht gekommen, um eine Abstimmung zu entscheiden. Ich biete nur meine Meinung an." Die EU-Mitgliedschaft habe nur Vorteile für London. "Großbritannien ist immer am besten, wenn es dabei hilft, ein starkes Europa zu führen."

Die Äußerungen Obamas gelten als heikel. Einerseits bekennt er damit Farbe, andererseits muss er sich als Gast um Neutralität bemühen. Das Thema "Brexit" ist das heiße Eisen des Besuchs - die Regierung, das Parlament und die Briten sind tief gespalten.

Premierminister David Cameron, der innerparteilich in dieser Debatte unter Druck steht, wirbt ebenfalls für einen Verbleib in der Union. Der Ausgang des Referendums am 23. Juni ist laut Umfragen offen - auch Camerons politisches Schicksal dürfte davon abhängen.

Fotoalbum zum Geburtstag der Königin

Zuvor hatte sich das Ehepaar Obama mit Queen Elizabeth II. auf Schloss Windsor zum Lunch getroffen, um nachträglich zum Geburtstag zu gratulieren. Als Geschenk überreichten sie ein Fotoalbum mit einer Chronik aller USA-Besuche der Monarchin. Am Samstag stellt sich Obama in einem "Town Hall Meeting" Fragen geladener Bürger. Sonntag fliegt er nach Hannover, wo er Bundeskanzlerin Angela Merkel trifft.