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Kommentar Die EU - Vorreiter beim Klimaschutz?

Stand: 20.02.2007 19:11 Uhr

Von Michael Becker, MDR-Hörfunkkorrespondent Brüssel

Das klingt schon gut: Weltweiter Vorreiter beim Klimaschutz sein, der Welt ein Beispiel geben, international Maßstäbe setzen - wer den Mund so voll nimmt, der muss auch Nägel mit Köpfen machen. Immerhin: Die EU ist bereit, den Ausstoß von Treibhausgasen um mindestens 20 Prozent zu reduzieren, notfalls auch im Alleingang.

In Brüssel sitzen mittlerweile 27 Länder am Tisch - mit höchst unterschiedlichen Ausgangssituationen. Da einen gemeinsamen Nenner zu finden, ist gar nicht so einfach - selbst wenn es um den Klimaschutz geht. Aus der Perspektive einer Wohlstandsgesellschaft sehen die Dinge nämlich anders aus als beispielsweise in Osteuropa - da hat man durchaus andere Sorgen, unabhängig davon, dass der Klimawandel alle betrifft. Dass alle bereit sind, sich zu konkreten Zielen zu verpflichten, ist deshalb durchaus ein Erfolg. Andererseits: Wer weltweiter Vorreiter sein will, muss eben auch mehr tun als andere.

EU erfüllt bisher Kyoto-Ziele nicht

Nun ist die Frage, ob die anderen bereit sind, dem Vorreiter auch hinterher zu reiten. Als Lockmittel bieten die Europäer an, ihren eigenen Beitrag noch zu erhöhen, wenn andere Industrienationen mitziehen. Wen man dabei im Blick hat, ist klar: vor allem die USA und China. Die wollen von internationalen Abkommen zum Klimaschutz bisher nichts wissen, blasen dafür aber ordentlich Treibhausgase in die Luft. Ob die Rechnung aufgeht, muss man abwarten.

Nun ist das mit den Guten und den Bösen beim Klimaschutz so eine Sache: Eins dürfen die Europäer nicht vergessen - mit Selbstverpflichtungen ist es nicht getan. Dabei hilft es, sich einmal anzusehen, wie es im Moment aussieht: Gegenwärtig sieht der Vorreiter EU nämlich selbst ziemlich schlecht aus, was die Selbstverpflichtungen beim Klimaschutz betrifft. Die meisten EU-Länder blasen immer noch deutlich mehr Kohlendioxid in die Luft, als sie im Kyoto-Protokoll zum Klimaschutz zugesagt haben.

Deutschland bremst bei saubereren Autos

In Brüssel mahnt Umweltkommissar Dimas, dass die EU ihre Klimaschutzziele aus dem Kyoto-Protokoll verfehlen wird, wenn die Autoindustrie nicht verpflichtet wird, Autos zu bauen, die sauberer sind. Und wer steht da vor allem auf der Bremse? Deutschland - noch so ein selbsternannter Vorreiter beim Klimaschutz.

Es wird eine Menge Süßholz geraspelt, wenn es um den Klimaschutz geht. Mit großen Ankündigungen ist es aber nicht getan - man muss den eigenen Ansprüchen dann auch gerecht werden. Das betrifft übrigens nicht nur die Regierungen und die Industrie: Klimaschutz fängt zu Hause an, mit Energiesparen und damit, sich für umweltfreundliche Verkehrsmittel zu entscheiden oder für ein sparsames Auto. Wir Europäer wollen Vorreiter beim Klimaschutz sein - das müssen wir uns aber auch verdienen.

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