Lautstarker Protest vor Estlands Botschaft im Zentrum von Moskau

Streit um Verlegung eines Kriegerdenkmals Nato ruft Russland und Estland zu Verhandlungen auf

Stand: 03.05.2007 12:03 Uhr

In den russisch-estnischen Streit um ein Kriegerdenkmal hat sich nach der Europäischen Union jetzt auch die Nato eingeschaltet. Das Bündnis sei "zutiefst besorgt", dass estnische Diplomaten in Moskau bedroht würden. Beide Seiten sollten den Konflikt auf diplomatischem Weg lösen. Auch die US-Regierung forderte Russland zur Einhaltung internationaler Konventionen auf. Estland ist eines der 26 Nato-Mitgliedsländer.

Lautstarker Protest vor Estlands Botschaft im Zentrum von Moskau

Demonstranten vor der estnischen Botschaft in Moskau. Seit mehreren Tagen wird das Gebäude von zumeist jugendlichen Aktivisten belagert

In Moskau gingen die Proteste vor dem estnischen Botschaftsgebäude auch in der Nacht weiter. Demonstranten warfen Steine gegen das Gebäude, mehrere Scheiben gingen zu Bruch. Die EU hatte bereits gestern gegen die Belagerung der Botschaft protestiert und Russland zum Schutz der diplomatischen Vertretung und ihrer Mitarbeiter aufgefordert. Moskau müsse dafür sorgen, dass keine estnischen Diplomaten zu Schaden kämen, sagte eine Sprecherin der EU-Kommission in Brüssel. Auch die deutsche EU-Ratspräsidentschaft äußerte sich "tief besorgt" über die wachsenden Spannungen zwischen Estland und Russland. Das Auswärtige Amt in Berlin bemüht sich nach eigenen Angaben, in Gesprächen mit allen Beteiligten zur Deeskalation beizutragen.

"Unser souveräner Staat wird schwer angegriffen"

Bereits seit mehreren Tagen versperren russische Demonstranten den Zugang zur estnischen Botschaft im Zentrum Moskaus. Zudem drangen mehrere Dutzend von ihnen in die Redaktionsräume der Zeitung "Argumenti i Fakti" ein, in denen die estnische Botschafterin Marina Kaljurand eine Pressekonferenz geben wollte. Der estnische Ministerpräsident Andrus Ansip sagte, die Proteste seien nicht mehr nur Sache einiger isolierter Demonstranten. "Unser souveräner Staat wird schwer angegriffen", so Ansip.

Verlegung eines Kriegerdenkmals löste Streit aus

Russland und Estland streiten seit Tagen um die Verlegung eines sowjetischen Kriegerdenkmals in der estnischen Hauptstadt Tallinn. Derartige Denkmäler zur Erinnerung an die Opfer des Zweiten Weltkriegs gelten in Russland als unantastbar. Estland wiederum betrachtet das Denkmal nicht als Erinnerung an die Befreiung von den Nazis, sondern als Symbol für den Beginn der sowjetischen Besatzungszeit.

Sowjetisches Ehrenmal in Tallinn

Auslöser der Proteste: Das sowjetische Kriegerdenkmal in der estnischen Hauptstadt Tallinn. Seine Verlegung ist umstritten