Hintergrund

Sudan Konflikte seit einem halben Jahrhundert

Stand: 27.08.2007 12:04 Uhr

Von Christopher Steinmetz

Seit der Unabhängigkeit 1956 werden auf dem Territorium Sudans Konflikte gewaltsam ausgetragen, mal mehr und mal weniger intensiv. Nur zwischen 1972 und 1983 gab es eine Phase relativer Ruhe. Über die Zahl der Opfer existieren nur grobe Schätzungen. Seit 1983 sollen mehr als zwei Millionen Menschen im Krieg oder an dessen direkten Folgen gestorben sein. Hinzu kommt das ungewisse Schicksal von mehr als vier Millionen vertriebenen und entführten Sudanesen sowie das von Hunderttausenden von Flüchtlingen, die in Sudan Zuflucht vor Kriegen in den Nachbarstaaten suchten.

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Zwei Konstanten prägten den Konfliktverlauf. Seit fast 50 Jahren wird das Geschehen maßgeblich vom Antagonismus zwischen den Regierungseliten des arabisch-islamischen Nordens und Unabhängigkeitskämpfern des afrikanischen, christlich-animistischen Südens bestimmt. Seit mindestens 30 Jahren gibt es zudem Wechselwirkungen mit den Kriegen in den Nachbarstaaten: Äthiopien und später auch Eritrea, Tschad, Uganda, Zaire (Demokratische Republik Kongo) und der Zentralafrikanischen Republik. Die unwegsamen Grenzgebiete vor allem in Südsudan waren ideale Rückzugsorte für ausländische Widerstandsgruppen. Das Regime in Khartoum gewährte ihnen Zuflucht und erhoffte sich davon die andauernde Destabilisierung der Nachbarstaaten sowie Unterstützung bei der Bekämpfung der südsudanesischen Widerstandskämpfer. Natürlich verfuhren die Nachbarstaaten ähnlich.

Kleine Chance auf Frieden

Aufgrund veränderter politischer Rahmenbedingungen könnte eine dauerhafte Befriedung Sudans möglich werden. Seit 1994 bemühten sich Vertreter afrikanischer Staaten im Rahmen der IGAD (Intergovernmental Agency on Development) sowie internationale Vermittler um eine Lösung. Im Juli 2002 wurde ein erster wichtiger Durchbruch erzielt. Präsident Omar Hassan al-Bashir erklärte sich bereit, die Südsudanesischen Befreiungsarmee und -bewegung (SPLA/M) an der Regierung zu beteiligen und nicht in die politische Administration in den Südprovinzen einzugreifen. Für das Jahr 2008 wurde ein Referendum in den Südprovinzen in Aussicht gestellt. Außerdem wurde vereinbart, die Anfang der 1980er in Sudan eingeführte Scharia nur im Norden anzuwenden. Für den vorwiegend christlich-animistischen Südsudan war dies und die Zusicherung der Religionsfreiheit eine Vorbedingung.

Eine Annäherung der beiden größten Konfliktparteien würde einen gewaltigen Fortschritt für die Lebensbedingungen in Südsudan bedeuten. Doch noch sitzen die Wunden und das Misstrauen tief. Die organisierte Verschleppung und Versklavung von Nicht-Moslems in den Norden, die Aushungerung ganzer Landstriche und die "Politik der verbrannten Erde" durch regimetreue Milizen können in Südsudan nicht über Nacht vergessen werden. Anfang 2004 konnte erneut beobachtet werden, wie schnell eine Eskalation der Konflikte in Nord-Uganda und im Osten des Tschad ihre Kreise in Sudan zieht.

Streit über Ressourcen

Ein zentrales Problem bleibt nach wie vor auch die Kontrolle über die Erdölvorkommen, vor allem der Provinz Western Upper Nile. Sie sind die größte einzelne Deviseneinnahmequelle Sudans. Dort finden die intensivsten Kämpfe statt. Noch ist das Regime nicht bereit, die von den internationalen Vermittlern vorgeschlagene 50:50-Aufteilung zu akzeptieren.

Hinzu kommt der vielleicht größte ungelöste Problemkomplex: die prekäre Nahrungsmittelversorgung und die Bodennutzungsrechte. In den nördlichen Provinzen und entlang des Nils wurden die arabischen Nomaden durch die mechanisierte Landwirtschaft vertrieben. Das Regime rekrutierte aus ihnen die Milizen und bot ihnen das Land südsudanesischer Bauern an. Die SPLA/M wiederum bewaffnete die Bauern. Vor allem dort wo Wüste und Steppe auf fruchtbare Hügel und Wald treffen, ist daraus längst ein "Jeder gegen Jeden" geworden. Der seit 1996 eskalierende Konflikt in den Regionen Darfur und Bahr-el-Ghazal verdeutlicht diese Brisanz. Der in Darfur gerät jetzt ins Zentrum der Aufmerksamkeit.

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