Landungsabschnitte in der Normandie
Hintergrund

Tag der Entscheidung in der Normandie Die größte Landeoperation aller Zeiten

Stand: 06.06.2004 23:37 Uhr

Die Eröffnung der zweiten großen Front gegen die Nazi-Herrschaft in Europa war von langer Hand vorbereitet. Mit Tricks und Geheimhaltung täuschten die Westallierten die Deutschen. Als schließlich der Befehl zur Landung in der Normandie am 6. Juni 1944 kam, wussten beide Seiten: Die ersten 24 Stunden würden entscheidend sein.

Von Alexander Richter, tagesschau.de

Der 6. Juni 1944, bekannt als "D-Day", ist ein Meilenstein bei der Befreiung Europas von der deutschen Nazi-Herrschaft.

Die Westalliierten hatten die Landung ihrer Truppen in der Normandie lange vorbereitet und ihnen gelang das eigentlich Unmögliche. Unter größter Geheimhaltung und mit allerlei Tricks täuschten sie die deutsche Militärführung monatelang über die bis heute größte Landeoperation aller Zeiten hinweg. Selbst als die zumeist aus den USA, Großbritannien und Kanada stammenden Soldaten bereits an fünf Stränden in Nordfrankreich gegen etwa 30.000 Deutsche kämpften, glaubte das deutsche Oberkommando noch an ein Ablenkungsmanöver der Allierten.

In fünf Strandzonen griffen die Alliierten die deutsche Küstenverteidigung an.

In fünf Strandzonen griffen die Alliierten die deutsche Küstenverteidigung an.

Die deutschen Generäle hatten wohl mit der "Invasion" gerechnet - allerdings dort, wo der Seeweg zwischen Großbritannien und Frankreich am kürzesten ist: nahe Calais. Dort standen die meisten deutschen Truppen. Dort entsprach der so genannte Atlantikwall zumindest ungefähr der verbreiteten Propaganda. In den übrigen Abschnitten der insgesamt mehr als 4600 Kilometer langen Küstenlinie lagen die deutschen Bunker, Maschinengewehrnester, Minenfelder und Drahtverhaue bei weitem nicht so dicht an dicht.

Die ersten 24 Stunden waren entscheidend

Von den lückenhaften Befestigungen in der Normandie wussten auch die Westalliierten. Sie wussten aber auch, dass die "Operation Overlord", wie sie die Landung nannten, trotzdem riskant war. Sie wussten, dass der militärische Verlauf in den ersten 24 Stunden über Erfolg oder Desaster entscheiden würden. Sie wussten, dass ihre größte Chance in der zahlenmäßigen und materiellen Überlegenheit und im Überraschungsmoment bestand.

"Operation Overlord" wurde mit massiven Luftangriffen vorbereitet. Die deutsche Luftwaffe hatte der Übermacht von 13.000 alliierten Flugzeugen kaum etwas entgegenzusetzen. Kurz nach Mitternacht landeten am 6. Juni rund 17.000 amerikanische und britische Fallschirmjäger hinter den deutschen Küstenbefestigungen, um diesen den direkten Nachschubweg abzuschneiden. Im Morgengrauen eröffnete die mehr als 5000 Schiffe zählende Armada das Feuer auf die Küste. Anschließend folgten wieder Bombardements aus der Luft. Kurz nach Sonnenaufgang gingen dann nacheinander alliierte Truppen in den Landungsabschnitten "Utah", "Omaha", "Gold", "Sword" und "Juno" an Land. Sie marschierten direkt ins Sperrfeuer der Deutschen.

In einigen Bereichen liefen die alliierten Soldaten aus den Landungsbooten direkt ins deutsche MG-Feuer.

In einigen Bereichen liefen die alliierten Soldaten aus den Landungsbooten direkt ins deutsche MG-Feuer.

In den ersten 24 Stunden wurden auf Seite der Alliierten rund 10.000 Soldaten getötet, verwundet oder vermisst. Bei den Deutschen schwanken die geschätzten "Verluste" zwischen 4000 und 9000 Mann. Die Alliierten landeten an jenem 6. Juni etwa 156.000 Soldaten in Nordfrankreich an und konnten bis auf "Omaha" stabile Brückenköpfe errichten.

Von der Küste der Normandie aus rückten die Westalliierten im Laufe der folgenden Monate nach Deutschland vor. Vom Osten her stieß die Rote Armee vor. 337 Tage nach "D-Day", am 9. Mai 1945, kapitulierte schließlich die Wehrmacht. Europa war von der Nazi-Herrschaft befreit.