Malaysias Premier Najib Razak (Mitte) auf der Pressekonferenz in Kuala Lumpur

Maschine der Malaysia Airlines Boeing absichtlich umgeleitet

Stand: 16.03.2014 05:11 Uhr

Die seit einer Woche in Südostasien verschollene Passagiermaschine ist nach Überzeugung der Ermittler gezielt von ihrem Kurs abgewichen. Der malaysische Ministerpräsident Najib Razak sagte in Kuala Lumpur, die Kommunikationssysteme des Flugzeugs seien "mit hoher Wahrscheinlichkeit absichtlich" manuell und nacheinander abgeschaltet worden.

Anschließend sei die Maschine der Malaysia Airlines mit 239 Menschen an Bord umgedreht und habe eine neue Route mit unbekanntem Ziel in nordwestlicher Richtung eingeschlagen. Das malaysische Militär habe entsprechende Signale eines Flugzeugs verfolgt, bei dem es sich mit großer Wahrscheinlichkeit um die vermisste Maschine gehandelt habe.

Letztes Signal sechs Stunden nach Verschwinden vom Radar

Das letzte Funksignal der Boeing 777 sei mehr als sechseinhalb Stunden nach ihrem Verschwinden vom zivilen Radar am vergangenen Samstag empfangen worden, sagte der Regierungschef weiter. In der Zwischenzeit habe das Flugzeug die malaysische Halbinsel in Richtung des Indischen Ozeans überflogen. Die Suche nach möglichen Wrackteilen im Südchinesischen Meer sei deshalb eingestellt worden.

Noch am Donnerstag hatte die malaysische Regierung einen Medienbericht zurückgewiesen, wonach das Flugzeug nach dem letzten Radarkontakt noch vier Stunden weiterflog.

Trotz der neuen Erkenntnisse ist nach Najibs Worten eine Entführung nicht erwiesen: Noch immer würden "alle Möglichkeiten" untersucht. Derweil haben Beamte damit begonnen, die Häuser des Piloten sowie des Copiloten der Malaysia-Airlines-Maschine in Kuala Lumpur zu durchsuchen. Die Behörden bestätigten die Durchsuchung, veröffentlichten aber keine Details.

China fordert Aufklärung

China forderte Malaysia derweil auf, "mehr vollständige und genaue Informationen" über das Verschwinden der Passagiermaschine zur Verfügung zu stellen. Vizeaußenminister Xie Hangsheng drängte die malaysische Regierung, die Suche weiter zu verstärken, sich um die Familien der Insassen zu kümmern und die Kooperation mit den chinesischen Experten auszuweiten. Unter den 239 Insassen des Flugzeugs der Malaysia Airlines waren 154 chinesische Staatsbürger. Weitere chinesische Experten sind nach einer Krisensitzung der Regierungsbehörden auf den Weg nach Malaysia entsandt worden.

Malaysias Premier Najib Razak (Mitte) auf der Pressekonferenz in Kuala Lumpur

Malaysias Premier Najib (Mitte) will weiter in alle Richtungen ermitteln.

Zwei mögliche Korridore

Nach den Worten des Premiers versuchen die Behörden nun, das Flugzeug auf zwei möglichen Korridoren aufzuspüren - einem nördlichen Korridor von der Grenze zwischen Kasachstan und Turkmenistan bis nach Thailand und einem südlichen Korridor von Indonesien zum südlichen Indischen Ozean. Auf Bitte der Regierung in Kuala Lumpur stellte Indiendie Suche nach der Maschine vorübergehend ein.

14 Staaten an Suchaktion beteiligt

60 Flugzeuge und 40 Schiffe aus 14 Staaten suchen derzeit nach der Boeing der Malaysia Airlines. An der internationalen Aktion sind auch der US-Zerstörer "USS Kidd" und ein P-8 Poseidonflugzeug der US-Luftwaffe beteiligt.

Die Boeing 777 mit 239 Menschen an Bord war am 8. März verschwunden. Eine umfassende Suchaktion über Zehntausende Kilometer hat noch keine Ergebnisse gebracht.