Hintergrund

Streit um Berg-Karabach-Region Pulverfass im Südkaukasus

Stand: 03.04.2016 12:19 Uhr

Seit Anfang der 1990er-Jahre streiten Armenien und Aserbaidschan um die Südkaukasus-Region Berg-Karabach. Nach einem erbitterten Krieg gab es 1994 zwar eine Waffenruhe - doch die Gefechte dauern bis heute an. tagesschau.de erklärt, um was es geht.

Es ist ein uralter Konflikt, der sich im Kampf zwischen den Nachbarstaaten Armenien und Aserbaidschan um die Region Berg-Karabach im Südkaukasus widerspiegelt - der seit Jahrhunderten andauernde Konflikt zwischen Christen und Muslimen. In Armenien leben hauptsächlich Christen, die Einwohner Aserbaidschans gehören zum Großteil dem muslimischen Glauben an.

Doch militärisch entbrannte der Streit nach dem Zerfall der Sowjetunion 1991. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte Berg-Karabach den Status einer autonomen Region innerhalb der UdSSR inne. Zeitgleich mit dem Zerbrechen der Sowjetunion erklärten auch Armenien und Aserbaidschan ihre Unabhängigkeit - und beide Nachbarländer beanspruchten die Südkaukasus-Region für sich: Das christliche Armenien sah Berg-Karabach als Exklave an, aus Sicht des muslimisch geprägten Aserbaidschan war es eine vom eigenen Staatsgebiet umschlossene Enklave.

30.000 Kriegstote, eine Million auf der Flucht

Daraufhin nahmen die Spannungen immer mehr zu - bis 1992 ein Krieg um das rund 12.000 Quadratkilometer große Gebiet ausbrach. Berg-Karabach ist damit etwa um ein Fünftel kleiner als Schleswig-Holstein. Bis 1994 wurden in dem Konflikt rund 30.000 Menschen getötet und etwa eine Million Einwohner von Berg-Karabach in die Flucht getrieben. Die meisten, die ihre Heimat verlassen mussten, waren Aserbaidschaner. Heute bilden christliche Armenier den Hauptteil der insgesamt rund 150.000 Einwohner der Kaukasus-Region.

1994 einigten sich Armenien und Aserbaidschan auf eine Waffenruhe. In Berg-Karabach sollte eine entmilitarisierte Zone geschaffen werden. Doch die scheinbare Einigung wurde nie wirklich zur Realität. Seit Kriegsende ist Berg-Karabach in den Händen von armenischen Truppen und Milizen. Rückhalt bekommt Armenien von russischer Seite, da Russland sich nach wie vor als Schutzmacht Armeniens versteht und Tausende Soldaten in dem Staat stationiert hat.

Sowjetische Panzer an der Grenze von Nachtischewan und Armenien im Januar 1990.
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Russland versteht sich als Schutzmacht Armeniens: Bis heute erhält Armenien militärische Unterstützung.

Erfolglose Friedensverhandlungen

Immer wieder kommt es zu neuen Gefechten mit weiteren Todesopfern. Noch immer wirft Aserbaidschan seinem Nachbarn vor, Berg-Karabach rechtswidrig zu besetzen, den völkerrechtlich gehört die Region zu Aiserbaidschan.

Mehrfach gab es internationale Versuche, den Konflikt endgültig beizulegen. So vermittelt die sogenannte Minsk-Gruppe der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) - mit den USA, Russland und Frankreich an der Spitze - Verhandlungen. Doch sämtliche Versuche, Frieden in die Berg-Karabach-Region zu bringen, blieben bislang erfolglos.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 03. April 2016 um 09:00 Uhr.

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