Kardinal Theodore McCarrick | Bildquelle: dpa

Nach Missbrauchsvorwürfen Papst nimmt Rücktritt von US-Kardinal an

Stand: 28.07.2018 16:43 Uhr

Der US-Kardinal war bereits wegen Missbrauchsvorwürfen suspendiert - nun scheidet der frühere Erzbischof von Washington McCarrick auch aus dem Kardinalskollegium aus. Papst Franziskus nahm seinen Rücktritt an.

Von Julia Kastein, ARD-Studio Washington

Schon im Juni war Theodore McCarrick suspendiert worden, jetzt hat Papst Franziskus das Rücktrittsangebot des ehemaligen Erzbischofs von Washington und Newark akzeptiert.

Der 88-Jährige soll schon vor mehr als 50 Jahren einen 16-jährigen Ministranten missbraucht haben. Auch mehrere Seminaristen werfen ihm vor, sie zum Sex gezwungen zu haben. Der Kardinal hat das stets abgestritten.

Schweigegeld als erste Reaktion in den 1990er-Jahren

Laut Medienberichten wusste die katholische Kirche in den USA schon seit Mitte der 1990er-Jahre von den Vorwürfen der jungen Priesteranwärter. Doch statt sie aufzuklären, brachte sie die Opfer mit Geld zum Schweigen.

McCarrick wurde derweil über die Jahre zu einem der einflussreichsten und bekanntesten Priester in den USA, auch mit gutem Draht in die Politik. Erst als der Fall des jungen Ministranten publik wurden, reagierte die Kirche und bezeichnte die Vorwürfe nach einer internen Untersuchung als glaubhaft.

Kardinal Theodore McCarrick mit Papst Franziskus im September 2015 | Bildquelle: dpa
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McCarrick war Teil des Kardinalskollegiums um Papst Franziskus - doch der reagierte nun verhältnismäßig schnell auf die Vorwürfe.

Diesmal schnelle Reaktion des Papstes

Der Missbrauchsskandal erschüttert die katholische Kirche in den USA schon seit Anfang des Jahrtausends, viele Priester und Bischöfe wurden deshalb schon ihrer Ämter enthoben. McCarrick ist allerdings der mit Abstand ranghöchste Geistliche und der erste Kardinal seit mehr als 90 Jahren, dem der Papst jetzt nicht nur den Platz im Kardinalskollegium, sondern auch die Priesterwürde entzogen hat. McCarrick möge sich jetzt einem Leben des Gebets und der Buße widmen, ließ der Pontifex erklären.

Damit reagierte der Papst diesmal sehr schnell. Denn McCarrick ist nicht der einzige Kardinal im Vatikan, der Kinder und junge Männer in seiner Obhut missbraucht haben soll: Einer der engsten Mitarbeiter des Papstes, der Australier George Pell, steht deshalb gerade in seiner Heimat vor Gericht. Doch anders als bei McCarrick hat der Papst ihm die Kardianlswürde noch nicht entzogen und will erst den Ausgang des Verfahrens abwarten.

 

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 28. Juli 2018 um 18:00 Uhr.

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