Behälter mit radioaktivem Wasser in Fukushima | Bildquelle: REUTERS

Medienberichte Japan will radioaktives Material ins Meer leiten

Stand: 16.10.2020 08:14 Uhr

Japans Regierung hat offenbar entschieden, dass radioaktiv verseuchtes Wasser aus dem Atomkraftwerk von Fukushima ins Meer abgelassen werden darf. Das berichten mehrere Medien. Der Plan stößt auf Widerstand bei Fischern und Landwirten.

Radioaktiv verseuchtes Wasser aus dem bei der Katastrophe des Jahres 2011 zerstörten Atomkraftwerk in Fukushima soll offenbar ins Meer geleiten werden. Die entsprechende formelle Entscheidung werde die Regierung in Kürze treffen, berichteten mehrere japanische Medien. Demnach soll das Ablassen von mehr als einer Million Tonnen kontaminierten Wassers frühestens im übernächsten Jahr beginnen. 

In Fukushima hatte sich nach einem schweren Erdbeben und einem Tsunami im März 2011 das schlimmste Atomunglück seit der Tschernobyl-Katastrophe von 1986 ereignet. Weil das Kühlsystem ausfiel, kam es in drei der sechs Reaktoren zur Kernschmelze.

Lagerkapazitäten erschöpft

Der Betreiber Tokio Electric Power Company (Tepco) hat mehrere Millionen Tonnen verseuchtes Wasser auf dem Gelände des Atomkraftwerks gespeichert. Bislang pumpt Tepco das Wasser aus der Anlage ab und bewahrt es in Tanks auf. Es stammt aus verschiedenen Quellen - Wasser, das zur Kühlung der Anlage verwendet wird, sowie Grund- und Regenwasser, das täglich in die Anlage sickert.

Der Druck auf die Regierung, eine Lösung für das kontaminierte Wasser zu finden, ist gestiegen, da die Kapazitäten für dessen Lagerung bald erschöpft sind. Tepco hatte erklärt, 2022 werde man keine Lagerkapazitäten mehr haben.

Wasser soll noch Tritium enthalten

Das in rund tausend Tanks gelagerte Wasser wird derzeit umfangreich gefiltert, um seinen radioaktiven Gehalt zu reduzieren. Am Ende soll es nach Angaben der Behörden nur noch Tritium enthalten, das sich mit den vorhandenen Technologien nicht herausfiltern lässt. 

Laut Experten ist Tritium für den Menschen nur in sehr hohen Dosen schädlich. Die Internationale Atomenergie-Organisation argumentiert, dass ordnungsgemäß gefiltertes Wasser sicher in den Ozean geleitet werden könne, ohne Umweltprobleme zu verursachen. Ein Expertengremium hatte der Regierung zu Jahresbeginn vorgeschlagen, das radioaktiv verseuchte Wasser ins Meer zu leiten.

Widerstand von Fischern und Landwirten

Die vom Industrieministerium einberufenen Experten nannten dies eine sichere Methode, die auch bei normalen Atomreaktoren angewendet werde. Der Plan stößt jedoch auf massiven Widerstand örtlicher Fischer und Landwirte. Sie fürchten, dass Verbraucher Produkte aus der Region meiden könnten.

Tepco und die Regierung schätzen, dass sie rund 40 Jahre brauchen werden, um die Schäden des Atomunglücks zu beheben.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 16. Oktober 2020 um 10:00 Uhr.

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