Oberstabsfeldwebel Maik Lücking mit Sauerstoff-Flaschen

Deutsche Hilfe Beatmungsgeräte und Sauerstoff für Indien

Stand: 12.05.2021 17:35 Uhr

Deutschland hat Indien geliefert, was das von der Pandemie besonders betroffene Land dringend braucht: Beatmungsgeräte. Eine mobile Produktionsanlage der Bundeswehr produziert vor Ort Sauerstoff für ein Krankenhaus.

Von Peter Hornung, ARD-Studio Neu-Delhi

Maik Dominiak muss ganz schön schreien, damit man ihn versteht. Der 44-Jährige ist der Servicetechniker im Bundeswehr-Team. Er erklärt drei indischen Experten, wie die Anlage betrieben wird. Es ist eine mobile Produktionsanlage der Bundeswehr, die 400.000 Liter Sauerstoff am Tag produzieren kann - und zwar aus der Umgebungsluft.

Peter Hornung ARD-Studio Neu-Delhi

"Alle Leute in diesem Bereich auszubilden, wäre zu komplex", meint Dominiak. "So bilde ich kleine Teams mit der Stärke von zwei bis drei (Personen) und werde sie jetzt in den nächsten drei Tagen so weit schulen, dass sie dann in diesem Bereich tätig sein können und die Anlage ab nächster Woche dann eigenständig betreiben und nutzen können."

Sauerstoff wird dringend gebraucht

Das 13-köpfige Team aus Deutschland hat die Anlage in den vergangenen Tagen aufgebaut. Am Nachmittag wurde sie offiziell übergeben - als Leihgabe zunächst für die nächsten drei Monate. Sauerstoff wird noch immer gebraucht in Indien. Es gibt einfach zu viele Corona-Patienten, wie zum Beispiel Schwerkranke mit Atemnot. Die Anlage steht auf dem Gelände eines Notkrankenhauses mit 1000 Betten. Dieses wird betrieben vom indischen Militär.

Was hier produziert werde, erfülle sicherlich den Bedarf des Krankenhauses, sagt der Militärarzt Ajay Kumar Shaw. Er und seine Kollegen werden eingewiesen.

"Das System ist definitiv komplex", sagt Kumar Shaw. "Aber so wie Herr Dominiak uns hier einweist, glauben wir, dass wir die Anlage betreiben können. Wir haben eigene Experten, die sich darum kümmern. Ich glaube, wir verstehen das alles, und es wird kein Problem beim Betrieb geben."

"Die Leute wollen ins Krankenhaus"

Stefanie Wehlitz ist die Medizintechnikerin des Bundeswehr-Teams. Gerade kontrolliert sie die Geräte, mit denen die Sauerstoff-Konzentration überprüft wird. Die Hilfe in Form gefüllter Sauerstoffflaschen werde hier dringend gebraucht, meint sie. Das sehe sie schon, wenn sie zum nur wenige Schritte entfernten Krankenhaus schaue.

"Man sieht, dass die Leute ins Krankenhaus wollen. Man sieht auch, was hinten am Krankenhaus passiert. Hier fahren Leichenwagen raus."

Hauptfeldwebel Stefanie Wehlitz prüft die O2-Konzentration

Die Hilfe in Form gefüllter Sauerstoffflaschen werde hier dringend gebraucht, sagt Stefanie Wehlitz, Medizintechnikerin des Bundeswehr-Teams.

Deutsche Hilfe ist sehr willkommen

Auch anderswo kommt die Hilfe offenbar an. Drei große staatliche Krankenhäuser bestätigten dem ARD-Studio Neu-Delhi, dass Beatmungsgeräte aus dem Bestand des Bundesgesundheitsministeriums eingetroffen seien und bereits benutzt würden. Insgesamt 120 solcher Geräte waren geliefert worden.

Die deutsche Hilfe ist offenbar sehr willkommen. Das habe sie gleich erfahren, sagt Wehlitz. "Wir kamen an, da wurde im Hotel schon applaudiert."

Kumar Shaw sagt, was aus Deutschland komme, sei eine große Hilfe für sein Krankenhaus. "Wir bekommen eine große Hilfe aus Deutschland, und wir sind dafür sehr dankbar."

Über dieses Thema berichtete die ARD Infonacht im Hörfunk am 12. Mai 2021 um 22:45 Uhr.