Kleine Parteien dominieren griechischen Wahlkampf Radikale Losungen, große Zustimmung

Stand: 01.05.2012 14:17 Uhr

Sie wollen die Arbeiter an die Macht bringen, EU-Berater aus dem Land werfen oder Minen an den Grenzen verlegen: Im krisengeplagten Griechenland erhalten kleine Parteien mit radikalen Parolen starken Zulauf. Die Wahl am Sonntag wird das Parteiensystem kräftig durcheinanderwirbeln.

Von Thomas Bormann, ARD-Hörfunkstudio Istanbul

Pasok-Chef Venizelos beim Wahlkampf
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Die PASOK unter Parteichef Venizelos steht vor einer Wahlniederlage.

Bei der Wahl vor zweieinhalb Jahren hatte die sozialdemokratische PASOK noch 44 Prozent der Stimmen gewonnen, jetzt liegt sie in Umfragen bei 12 bis 19 Prozent. Auch die andere große griechische Traditionspartei, die konservative Nea Demokratia, hat Hunderttausende Anhänger verloren - die Parlamentswahl am kommenden Sonntag wird das griechische Parteiensystem durcheinanderwirbeln.

"Ich werde sie mit meiner Stimme abstrafen"

Kommunisten und Rechtsradikale haben Zulauf; neue Parteien am rechten und linken Rand werden ins Parlament einziehen. Denn die Wut der Griechen ist groß: Von PASOK und Nea Demokratia, also von Sozialdemokraten und Konservativen, haben sie die Nase voll. Viele schimpfen, die Traditionsparteien hätten mit ihrer Vetternwirtschaft Griechenland in diese Krise hineingeritten: "Die haben unser Vertrauen voll und ganz verspielt. Ich werde sie mit meiner Stimme abstrafen und eine kleinere Partei wählen, damit die lernen, das Volk wieder zu achten", sagt ein Mann in Athen.

Zulauf für radikale Parteien in Griechenland
T. Bormann, ARD Istanbul
27.04.2012 17:20 Uhr

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Immer mehr Griechen verlieren ihre Arbeit; die Löhne sinken, die Preise steigen, die Wirtschaft schrumpft. "So geht es nicht weiter", schimpfen die kleinen Parteien und ernten Applaus.

Zwanzig Prozent für Linksaußen-Parteien

Wahlkampf in Athen (Bild: Michael Lehmann)
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Überall in Athen werben kleine Parteien um Wähler.

Die kommunistische Partei sieht in der Krise den Beweis, dass der Kapitalismus gescheitert ist. Sie fordern: Griechenland soll raus aus der EU; die Arbeiter sollen an die Macht. In Umfragen liegen die griechischen Kommunisten bei zehn Prozent. Weitere zehn Prozent unterstützen die Partei "Syriza", die sich auch "Bündnis der Radikalen Linken" nennt. Parteichef Alexis Tsipras warnt, die Griechen würden noch tiefer in Armut und Elend versinken, falls die harte Sparpolitik der vergangenen Jahre fortgesetzt werde. Er klagt die Regierung an: "Können Sie uns sagen, wie die soziale Wirklichkeit in diesem Land im Jahr 2020 aussehen wird? Wie viele Menschen werden arbeitslos sein? Wie viele werden ihre Existenz verloren haben? In was für einer Welt werden wir dann leben?"

Ähnlich wie die linken verdammen auch die rechten Parteien die Sparpolitik. Sie wettern gegen die harten Auflagen, die die EU den Griechen vorschreibt. Deshalb wollen sie alle EU-Berater aus dem Land jagen, damit in Griechenland wieder die Griechen regieren, sagen sie.

Ultrarechte fordern Minen gegen Flüchtlinge

Wahlkampf in Athen
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Gegen die radikalen Forderungen der Ultrarechten gibt es auch Widerstand in der Bevölkerung.

Und die beiden Rechts-Parteien Laos und Chrysi Avgi, das heißt "Goldene Morgenröte", wollen alle Ausländer aus Griechenland ausweisen. Chrysi Avgi ist radikaler als Laos und spricht vor allem junge Männer an: Manche von ihnen patrouillieren als selbst ernannte Bürgerwehr durch finstere Stadtteile Athens. Die Partei fordert, entlang der griechischen Grenze Minen zu verlegen, damit keine neuen Flüchtlinge ins Land kommen können - und holt damit etwa fünf Prozent Zuspruch in Umfragen.

Neben solchen radikalen Parteien gibt es auch einige neue gemäßigte Parteien; insgesamt werden möglicherweise zehn Parteien im Parlament in Athen um den künftigen Kurs Griechenlands streiten.  

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